Rübeland l Die Kleinen Maränen im Rappbodestausee müssen sich in Acht nehmen. Sie werden derzeit gezielt abgefischt. In den Netzen, die die beiden Fischer Gernot Quaschny und Sven Ahlendorf an Land ziehen, zappeln zahllose der winzigen silbernen Tiere. Grund für ihren Spezialeinsatz im Oberharz: Die Kleine Maräne hat sich in den vergangenen Jahren massenhaft in der Talsperre vermehrt.

Bereits in den 1960er Jahren wurden die Lachsartigen als potenzielles Futter für große Raubfische im Stausee eingesetzt. „Man dachte wohl, dass die Kleine Maräne, die in klaren Gebirgsseen vorkommt, das Harzer Gewässer bereichern kann“, so Maren Dietze vom Talsperrenbetrieb. Womit aber damals wohl niemand rechnete, ist die Vermehrungskraft der Kleinen Maräne. „Heute bildet der Fisch laut neuesten Untersuchungen etwa 95 Prozent der biologischen Fischmasse im Stausee“, so die Verantwortliche für den Sachbereich Betrieb.

Verbuttung Kleine Maräne

Der kleine Fisch hat sich seither ungehindert fortgepflanzt, jedoch bei auffallender Zwergwüchsigkeit. Verbuttung nennen Experten das Phänomen. Es wird fast ausschließlich in bewirtschafteten Gewässern beobachtet. Im Rahmen eines Fischmonitorings wurde festgestellt, dass sich in der Rappbodetalsperre zehntausende verbuttete Exemplare der normalerweise rund 25 Zentimeter langen Fische entwickelt haben.

Wegen ihres Speiseplanes könnten die unscheinbaren Tiere auf lange Sicht zur Gefahr für die Wasserqualität werden. Die Kleine Maräne ernährt sich hauptsächlich von Zooplankton, also Kleinkrebsen wie Wasserflöhen und Hüpferlingen. „Wird das im Rappbodestausee vorkommende Zooplankton zu stark dezimiert, führt dies wiederum zu einem erhöhten Vorkommen von Phytoplankton – wie Kieselalgen und Grünalgen“, erläutert Maren Dietze vom Talsperrenbetrieb.

Die vielen Maränen fressen Unmengen Wasserflöhe, die jedoch für eine hohe Wasserqualität unabdingbar sind. Die Krebstiere filtern das Wasser und tragen zur Trinkwasserqualität der Rappbodetalsperre bei. Beim überproportionalem Anstieg der Fischpopulation werden die Wasserflöhe nicht groß genug.

Fischer helfen bei Bestandsregulierung

Um dieser Negativspirale entgegenzuwirken, helfen die Fischereibetriebe von Gernot Quaschny und Sven Ahlendorf mit ihrem kleinen Boot größeren Raubfischen in der Talsperre bei der Bestandsregulierung. Fast eine Tonne Maränen haben die beiden schon an Land geholt. „Geplant sind um die drei Tonnen“, so Quaschny. Um den Fischbestand im Stausee zu verringern und damit langfristig zur Verbesserung der Wasserqualität beizutragen, sei ein gezieltes Abfischen notwendig.

Der Talsperrenbetrieb hat die Massenvermehrung der Kleinen Maräne bereits vor Jahren registriert und handelte: 2014 wurden zuletzt mehrere tausend Seeforellen im Rappbodestausee ausgesetzt. Sie fressen Maränen und sollten diesen Fisch auf natürliche Art reduzieren. „Aber das hat nicht funktioniert“, sagt Maren Dietze. Die Seeforellen würden nicht rechtzeitig groß genug. In Abstimmung mit der Fischereipachtgemeinschaft Bodetalsperren hat der Talsperrenbetrieb die beiden Berufsfischer aus Fischbeck an der Elbe und Havelberg beauftragt, die Kleine Maräne gezielt abzufischen.

Deren Massenvermehrung habe aber keinerlei Auswirkungen auf die nach wie vor sehr gute Trinkwasserqualität. In anderen Gegenden, wie am Arendsee, ist die Maräne ein sehr beliebter und vor allem schmackhafter Speisefisch.