Reddeber l Kathrin Odenbach kommt von der Arbeit und will wie gewohnt vor der Haustür in der Dorfstraße in Reddeber, Höhe Hausnummer 12, parken. Aber: In der Zeit, in der sie ihrem Job nachging, wurden Parkverbotsschilder aufgestellt. Ihr, ihren Familienmitgliedern und den Nachbarn bleibt nun nichts anderes übrig, als andere Abstellflächen zu suchen. Ein Zustand, der für Unmut sorgt.

„Seit meiner Kindheit parken wir hier vor der Tür, und jetzt ist es plötzlich ein Problem“, sagt Kathrin Odenbach kopfschüttelnd. „Es gibt andere Stellen in der Dorfstraße, die schlechter einzusehen sind.“

Zu ihrem Grundstück gehört lediglich eine Garage, der Familie gehören jedoch drei Fahrzeuge. Vier, wenn der Sohn zu Besuch kommt. „Wir haben die Autos immer so abgestellt, dass wir möglichst niemanden behindern. Und wenn der Nachbar Stroh bekommen hat und uns vorher Bescheid gesagt hat, haben wir woanders geparkt“, berichtet Michael Odenbach.

Beschwerden gab es dennoch. In den letzten Jahren war die Verkehrssituation in dem Abschnitt der Dorfstraße deshalb immer wieder Thema im Ortschaftsrat, berichtet Bürgermeister Marcus Meier (Unabhängige Wählergemeinschaft Reddeber). „Unser Wunsch war eine Einbahnstraßenregelung“, ergänzt der Ortsvorsteher. Die Anwohner sollten weiterhin parken können. Meier betont, dass der Ortschaftsrat jedoch keine Verkehrsregelungen beschließt, sondern lediglich Empfehlungen für das Ordnungsamt ausspricht.

Bürger beschweren sich beim Ordnungsamt

Im Amt sind ebenfalls Beschwerden von Einwohnern eingegangen, bestätigt Ordnungsamtschef Gerald Fröhlich auf Nachfrage der Volksstimme. „Es gab Probleme mit dem Begegnungsverkehr und der Einsehbarkeit. Landwirtschaftliche Fahrzeuge kamen zum Teil gar nicht durch.“ Da der Fahrweg durch die parkenden Autos verengt wurde, sei die Straßenbreite auch für Müllfahrzeuge und Rettungswagen kritisch gewesen.

Im Wernigeröder Ordnungsamt seien mehrere Möglichkeiten besprochen worden, um die Situation zu verbessern. Die Dorfstraße wie vom Ortschaftsrat empfohlen zu einer Einbahnstraße werden zu lassen, würde allerdings nur weitere Probleme schaffen, berichtet Gerald Fröhlich. „Das würde die Fahrwege unnötig verlängern und erfahrungsgemäß halten sich Verkehrteilnehmer in Einbahnstraßen nicht an das Tempolimit.“ Kontrollen mit Blitzern seien wegen der Kurven in der Dorfstraße nicht möglich.

Doch auch das neue Parkverbot verleitet einige Autofahrer dazu, die vorgeschriebenen 30 Stundenkilometer zu überschreiten, sagt Anwohner Michael Odenbach. „Als wir noch vor der Tür parkten, fuhren die Leute langsamer, weil sie wussten, dass dort Autos stehen und sie eventuell anhalten mussten, um dem Gegenverkehr Platz zu machen.“

Ausnahmeregelung für Schwerbehinderte

Freie Fahrt gibt allerdings auch jetzt nicht. Zwei Anwohner besitzen Schwerbehindertenausweise und haben personenbezogene Parkplätze in der Nähe ihrer Wohnhäuser beantragt. Einer ist bereits mit Schildern gekennzeichnet, der zweite folgt in Kürze, teilt Ordnungsamtsleiter Gerald Fröhlich mit.

Den restlichen Anwohnern bleibt jedoch nichts anderes übrig, als andere Parkmöglichkeiten zu suchen. „Unser Grundstück ist zu klein, als das wir hier Parken könnten“, sagt Kathrin Odenbach. Dies sei auch bei anderen Nachbarn ein Problem. „Das Parkproblem verschiebt sich damit nur. Es hagelt die nächsten Beschwerden, und dann haben wir überall Parkverbot, sagt ihr Mann verärgert.

Vorschlag: Grünfläche soll Parkfläche we

Öffentliche Parkplätze in der Nähe ihres Hauses gibt es nicht. „Dafür aber Grünflächen, die ohnehin nicht gut aussehen. Warum kann man aus denen keine Parkplätze machen – zumal sie früher auch welche waren?“, fragt Kathrin Odenbach. „Auch einen kleinen Parkplatz zu schaffen, ist mit hohen Kosten verbunden“, erläutert Gerald Fröhlich. „Diese Kosten kann man schlecht begründen, wenn er dann nur von wenigen Leuten quasi als Privatparkplatz genutzt wird.

Der Amtsleiter könne verstehen, dass die Anwohner von den längeren Fußwegen zu ihren Fahrzeugen genervt sind. Er gibt aber zu bedenken: „Es gibt kein Recht, vor der eigenen Haustür zu parken.“ In wenigen hundert Metern Entfernung hätten die Anwohner Möglichkeiten, ihre Autos zu parken.