Nach Olympia in Pyeongchang bedankt sich Rennrodler Toni Eggert bei seinen Unterstützern im Harz - unter anderem bei PSFU in Wernigerode.

Wernigerode l Freundschaftlich begrüßen sich der Olympia-Dritte Toni Eggert und PSFU-Chef Nils Appelt. Die Presse darf diesmal dabei sein.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Rennrodelsportler aus Ilsenburg und der Wernigeröder Unternehmer im Werk der Profilschleif-, Fertigungs- und Umwelttechnik GmbH am Gießerweg treffen. Den Grund hat Nils Appelt lange vor der Öffentlichkeit geheim gehalten. „Da bin ich halt etwas abergläubisch“, sagt der 46-Jährige, der einst selbst Leistungsschwimmer war. Nun habe der Chef des Familienunternehmens aber keinen Grund mehr, zu schweigen. „Es hat ja geklappt“, sagt der Darlinge­röder kurz und schmunzelt.

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Toni Eggert nickt bestätigend: „Ja, PSFU hat definitiv zu unserem Erfolg beigetragen.“ Mit seinem Rennrodel-Partner Sascha Benecken hat Eggert im Doppel eine erstklassige Saison absolviert. Nach dem Sieg im Weltcup gewann das Harz-Thüringen-Duo bei den Olympischen Spielen in Südkorea die Bronzemedaille. „Und hätte uns der plötzlich Wetterumsturz nicht zu zwei Sicherheitsfahrten gezwungen, wer weiß“, fügt der 29-jährige Ilsenburger hinzu, ohne zu verhehlen, dass es die richtige Entscheidung gewesen sei, auf der sehr selektiven Eisbahn in Pyeongchang nicht auf Risiko gesetzt zu haben. „Das sparen wir uns für Olympia 2022 in Peking auf.“ Und PSFU werde sicher erneut dabei sein. „Sehr gern“, entgegnet Nils Appelt, bevor er dann endlich den „Beitrag am Erfolg“ verrät.

Sachsen-Anhalter bei Olympia

Pyeongchang (ma) l In vier Sportarten kämpfen zwei Frauen und fünf Männer aus Sachen-Anhalt bei den olympischen Winterspielen in Pyeongchang um Medaillen.

  • Christopher Grotheer startet im Skeleton. Der 25-Jährige kommt aus Wernigerode. Foto: Wong Maye-E/dpa

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  • Paul Krenz ist erster Ersatzmann als Anschieber beim Bobsport. Der 26-Jährige wohnt in Halle und ist Mitglied im Mitteldeutschen Sportclub in Magdeburg. Foto: Eroll Popova

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  • Zweiter Ersatzmann als Anschieber bei den Bobrennen ist Kevin Korona. Der 29-Jährige ist ebenfalls Mitglied des Mitteldeutschen Sportclubs in Magdeburg. Foto: Eroll Popova

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  • Bob-Anschieber Thorsten Margis (rechts) ist Mitglied beim Sportverein Halle. Links neben ihm ist Bob-Pilot Francesco Friedrich zu sehen. Foto: Tobias Hase/dpa

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  • Die Rennrodlerin Tatjana Hüfner ist Mitglied im Rodelclub Blankenburg. Die 34-Jährige hat ihr Können schon in mehreren olympischen Winterspielen unter Beweis gestellt und Medaillen gewonnen. Foto: Tobias Hase/dpa

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  • Die Biathletin Franziska Hildebrand stammt ursprünglich aus Köthen. Die 30-Jährige hat bereits an den vorherigen Olympischen Winterspielen in Sotschi teilgenommen. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

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  • Toni Eggert ist Rennrodler aus Ilsenburg. Der 29-Jährige hat mit seinem Doppelsitzerpartner Sascha Benecken (auf dem Foto hinter ihm) Bronze in Pyeongchang eingefahren. Foto: Michael Sohn/dpa

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Rodel-Bock stammt aus Wernigerode

Konkret handelt es sich um den Rennrodel-Bock – das Verbindungsstück zwischen der Sitzschale und den Kufen. Davon gibt es zwei an der Zahl, je einen für vorn und hinten. Diese Böcke wurden bei PFSU nach konkreten Vorstellungen des Schlittenbastlers Toni Eggert hergestellt.

„Die detaillierte Vorarbeit war erstaunlich, zumal Toni keine technische Ausbildung hat“, erinnert sich Nils Appelt an die erste Zusammenkunft im April 2017. Ebenso, wie Eggert seine Skizze ausbreitete und mit den Technikern auf Augenhöhe fachsimpelte. Der Bauplan wurde von den Experten für Präzisionsschleif- und –frästechnik noch optimiert, bevor die Böcke dann gebaut wurden.

Diese Einzelanfertigung ging einher mit der laufenden Produktion. „Deshalb gilt dem Team ein Riesendank für die Bereitschaft, unseren Harzer Rennrodler zu unterstützen“, sagt Nils Appelt. Toni Eggert schließt sich dem an, später besucht der Bundeswehr-Sportsoldat noch die Mitarbeiter in der Produktionshalle.

Sigulda zeigt: Konstruktion passt perfekt

Seit 2011 legt der Ilsenburger beim Schlittenbau selbst Hand an. In der Zimmerei-Werkstatt seines Vaters Sven Eggert entstanden die ersten Formen für Sitzschalen. „Bei verschiedenen Metallbaufirmen habe ich schon einige Böcke anfertigen lassen, doch noch nie hat das Teil auf Anhieb so genau gepasst wie das von PSFU.“

Bei der Europameisterschaft in Sigulda „wussten wir, der Bock funktioniert perfekt“. Die Rennbahn in Lettland sei ein Gradmesser für die Schlittenkonstruktion. Sechs große Kurven mit richtig viel Druck, in der Spitze wirkt die zehnfache Erdanziehungskraft auf Mensch und Material. „Ich war richtig glücklich, dass die Böcke gehalten haben“, erinnert sich Toni Eggert. Fortan begann das Versteckspiel. „Klar wurde die Konkurrenz neugierig und hat versucht, unseren Schlitten auszuspionieren.“ Demzufolge lag der Rodelsack stets im Ziel parat, um das Sportgerät schnell verhüllen zu können. So verraten weder Toni Eggert noch Nils Appelt weitere Details über den Hightech-Bock von PSFU.

Fest stehe jedoch, die Zusammenarbeit soll fortgesetzt und eventuell ausgebaut werden. „Bei der Präzision der Laufschienen zu helfen, reizt schon“, sagt der Firmenchef. PSFU unterstütze zahlreiche Sportvereine, vor allem im Jugendbereich. „Nun einen Weltchampion und Olympiateilnehmer aus unserer Region auf der Liste zu haben, das macht mich und auch die Mitarbeiter stolz“, betont Nils Appelt. Er erinnere sich noch zu gut an den Jubel in der Werkhalle, als Toni Eggert und Sascha Benecken mit ihrem blauen Rennschlitten samt der PSFU-Böcke olympisches Edelmetall gewannen.

Hauptsponsor des Teams Eggert/Benecken ist ThyssenKrupp. „Aber vielleicht ergibt sich hier eine Synergie mit PSFU“, sagt Toni Eggert. Er wolle in den kommenden Wochen an neuen technischen Vorteilen für den Schlitten feilen, um an der Weltspitze zu bleiben. „Fakt ist, das zu erreichen, ist immer eine Leistung von vielen Menschen“, sagt der Olympia-Dritte, öffnet eine Schatulle und reicht seine 500 Gramm schwere Bronzemedaille Nils Appelt herüber. Sichtlich genießen beide schweigend den gemeinsamen Erfolg.