Schierke

Rodler-Traum im Harz rückt näher

Wenn alles nach Plan läuft, können Rodelsportler aus Schierke, Ilsenburg und Blankenburg noch dieses Jahr auf ihrer neuen Bahn trainieren.

Von Holger Manigk 16.05.2021, 20:14
So soll die Rodelbahn in Schierke einmal aussehen: Vereinschef Dirk Klaus (links) und Projektleiter Jörg Augustin vom Kreissportbund Harz zeigen im Startbereich mit einem Musterstück der Kunststoff-Banden, wie die Betonpiste begrenzt wird.
So soll die Rodelbahn in Schierke einmal aussehen: Vereinschef Dirk Klaus (links) und Projektleiter Jörg Augustin vom Kreissportbund Harz zeigen im Startbereich mit einem Musterstück der Kunststoff-Banden, wie die Betonpiste begrenzt wird. Foto: Holger Manigk

Schierke - Auf dieser Baustelle ist Präzisionsarbeit gefragt: In kleinen Abschnitten erhält Schierkes alte Rennrodelbahn ihre neue Betonpiste. „Zuerst sind die Geraden dran, dann als große Herausforderung die Kurven“, erläutert Dirk Klaus. Wie der Chef des Rodel- und Bobsportvereins (RBV) aus dem Brockenort berichtet, ist schon die sogenannte Sauberkeitsschicht, auf der die eigentliche Bahn aufliegt, auf den Zentimeter genau angelegt.

„Dazu wurden in 50-Zentimeter-Abständen die Höhen und Lagen der Seitenränder dieser Schicht per GPS festgelegt und mit Schweißpunkten fixiert“, so Klaus weiter – „als Laie einfach faszinierend, zuzuschauen“. Damit sei im Dezember der Unterbau des 300 Meter lagen Eiskanals fertig gewesen.

Dann machte der lange Winter den Bahnbauern einen Strich durch die Rechnung – „in Schierke blieb der Schnee bis nach Ostern liegen“, sagt der RBV-Vorsitzende. So konnte erst Mitte April wieder Leben auf der Baustelle am Barenberg einziehen. Inzwischen sind in einigen Kurven bereits die Profillehren eingebaut – jeden Meter eines der Stahlteile, die Radius und Winkel vorgeben. „Jede ist ein Unikat“, erläutert Projektleiter Jörg Augustin sichtlich beeindruckt.

Kunststoff-Banden als Spar-Variante

Der Geschäftsführer des Kreissportbundes Harz verweist zudem auf eine weitere Besonderheit der ertüchtigten Bahn oberhalb des Parkhauses am Winterbergtor: „Die Kurveninnenseiten und Geraden erhalten Banden komplett aus Kunststoff.“ Damit könnten die Schierker kräftig sparen im Vergleich zu einer herkömmlichen Vollbetonröhre. „Diese Variante dürfte ziemlich einmalig sein in Europa.“

Die Planer gehen aktuell von 683.000 Euro Baukosten aus. Für Verteuerungen und Verzögerungen sorgten unter anderem ergiebige Regenfälle im Oktober kurz nach dem Baustart. „Selbst der Kettenbagger versank einmal im Schlamm auf der Bautrasse neben der Bahn“, erinnert Dirk Klaus.

Erst nachdem alle Löcher mit Felsen aus der Umgebung und Schotter verfüllt waren, konnte es weitergehen. Dem Sparzwang fallen unter anderem Start- und Zielhaus zum Opfer. Sie könnten aber nachgerüstet werden, hoffen die Sportler. „Wir gehen davon aus, dass unsere Sportler zum Start der neuen Saison im Herbst die ertüchtigte Bahn für Training und Wettkämpfe nutzen können“, ergänzt Dirk Klaus. Dann sollen sich Rodler, Bobfahrer und Skeletonis mit Geschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometern pro Stunde durch sieben Kurven den Eiskanal herunterstürzen.

Vereine und Feuerwehr im Einsatz im Wald

„Der größte Vorteil für uns ist, dass wir dann zum Training nicht mehr zu Bahnen nach Thüringen oder Sachsen fahren müssen, wo unsere Athleten meist nur Zeit für vier bis fünf Fahrten erhalten“, erläutert der RBV-Chef. Mit sogenannten Tausendfüßer-Schlitten könnten die Sportler der drei Harzer Rodelvereine aus Blankenburg, Ilsenburg und Schierke auf der neuen Bahn auch unter sommerlichen Bedingungen üben. „Damit werden wir wesentlich wettbewerbsfähiger und erreichen mehr Fahrgefühl“, umreißt Klaus die Perspektive.

Das Umfeld alten Bahn Marke Eigenbau aus DDR-Zeiten ist kaum wiederzuerkennen: Der Fichtenwald ist großflächig gerodet, die Baustelle bereits aus dem Kurpark des Brockenortes zu sehen. Deshalb haben sich am vergangenen Wochenende Schierkes Rodler, Mitglieder des Eishockeyvereins und der Feuerwehr statt der Bauarbeiter von Stratie sowie Umwelttechnik & Wasserbau an der Bahn getroffen: In fast acht Stunden pflanzten die gut 40 Helfer mehr als 3500 Lärchen, Douglasien und Bergahorne am Hang oberhalb der Rennstrecke. Die Bäume hatte das Forstamt zur Verfügung gestellt.

In den Kurven werden im Abstand von einem Meter sogenannte Profillehren - jede ein Unikat - gesetzt, die Form und Neigung vorgeben.
In den Kurven werden im Abstand von einem Meter sogenannte Profillehren - jede ein Unikat - gesetzt, die Form und Neigung vorgeben.
Foto: Holger Manigk