Wernigerode l Durch Chemikalien sind in der Holtemme in Wernigerode mehr als 1000 Fische verendet. Aus dem angrenzenden Batteriewerk an der Steinernen Renne trat hochprozentige Schwefelsäure aus und gelangte in das nahe gelegene Gewässer, teilte die Kreisverwaltung Harz auf Volksstimme-Nachfrage mit.

Die Mitglieder des Vereins für Wildfisch- und Gewässerschutz sowie der Verein für Angler und Naturfreunde sammelten zahlreiche tote Fische aus der Holtemme. „1200 Bachforellen haben wir bereits geborgen“, sagt Ulrich Eichler vom Wildfischverein. „Das ist ein Skandal, dass die Technologie und Gefahrenabwehr in einem Schwefelsäure verarbeitenden Betrieb derartig massive Schäden verursacht“, so der Vereinsvorsitzende.

Alarm

Mitarbeiter des Wernigeröder Batteriebetriebs (ehemals Werbat) bemerkten am vergangenen Mittwoch, 13. November, das die stark ätzende Flüssigkeit ausgelaufen war. Umgehend alarmierten sie die Wachbereitschaft der Wernigeröder Feuerwehr.

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„Wir konnten nichts feststellen und somit auch nichts schützen, haben die Verschmutzung aber ans Umweltamt weitergeleitet“, so Matthias Treuthardt von der Feuerwehr Wernigerode. Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde aus dem Sachbereich Wassergefährdende Stoffe sowie aus dem Sachbereich Industrieabwasser waren unmittelbar danach vor Ort, heißt es aus der Pressestelle des Landkreises Harz.

Ein Kilometer Flusslauf betroffen

An einem Abflussrohr wurde mit einem pH-Wert-Indikatorpapier und einem Säureheber die Einleitung säurehaltiger Stoffe festgestellt. Das Gebiet bis zum Zulauf des Braunen Wassers ist von der Havarie betroffen. Nach Schätzungen der Unteren Wasserbehörde sind auf ungefähr einem Kilometer Flusslauf 1000 bis 1500 Fische verendet.

Durch weitere Zuläufe erhöhe sich die Abflussmenge, sodass das Wasser nach und nach verdünnt wird. „Die Verdünnung hat bewirkt, dass in der Ortslage von Wernigerode keine Fische mehr betroffen waren“, teilt Lisa Jasmin Foth vom Landkreis auf Volksstimme-Nachfrage mit. Inzwischen sei die ausgelaufene Schwefelsäure so weit verdünnt und das Leck abgedichtet, dass keine wassergefährdenden Substanzen mehr in die Holtemme gelangen. Somit sei eine weitere Gefährdung ausgeschlossen.

Investitionen

Nach Angaben der Unteren Wasserbehörde sind spezialisierte Unternehmen mit der Entsorgung der Chemikalien sowie der Reinigung der betroffenen Bereiche beauftragt. Darüber hinaus seien weitere Investitionen in neue Anlagen vorgesehen, die eine deutlich höhere Sicherung an markanten Entwässerungspunkten gewährleisten.

Die Untere Wasserbehörde ist derzeitig mit der Aufklärung des Umweltschadens beim Wernigeröder Batteriebetrieb Werbat und dessen Ursachen beschäftigt.

Aufklärung

Nach Angaben von Geschäftsführer Uwe Saar lag die Ursache vermutlich an einem Säuretank, der nicht richtig gearbeitet hat. „Wir haben alle Wege richtig eingehalten“, so der Geschäftsführer von Eternity Technologies Manufacturing, an die Werbat im Jahr 2017 verkauft wurde. „Wir sind selbst an einer schnellen Aufklärung der Ereignisse interessiert“, sagt Uwe Saar. Im Moment laufe die Ursachenforschung und alles weitere seien im Augenblick nur Vermutungen. Eigene Messungen sowie die pH-Wert-Messungen der Feuerwehr haben nicht die Höhe der Konzentration ergeben, die ein derartiges Fischsterben ausgelöst haben könnte.

Das Unternehmen produziert seit über 70 Jahren Batterien auf Blei-Säure-Basis, die zu 99,9 Prozent wieder recyclebar sind, und schaut auf eine lange Tradition hier im Harz zurück.