Blankenburg

Saniertes Jägerhaus im Großen Schloss: So gediegen, wie zu Herzogs Zeiten

Aufatmen bei den Mitstreitern des Vereins „Rettung Schloss Blankenburg“: Am Sonnabend, 12. Juni, können sie wieder Führungen anbieten. Für Besucher ist ein neuer Parkplatz an der Schlossauffahrt hergerichtet worden. Außerdem präsentiert sich das „Jägerhaus“ frisch saniert.

Von Jens Müller
Das sanierte Jägerhaus im Rundgang auf dem Großen Schloss Blankenburg.
Das sanierte Jägerhaus im Rundgang auf dem Großen Schloss Blankenburg. Foto: Jens Müller

Blankenburg - Freudige Nachricht vom Großen Schloss: Blankenburgs Wahrzeichen ist ab sofort wieder für Besucher geöffnet. „Ab Samstag, 12. Juni, finden wieder regelmäßig Führungen statt“, kündigt Prof. Gerd Biegel, Präsident des Vereins „Rettung Schloss Blankenburg“ an. „Wir freuen uns auch, dass das Schloss-Café im Außenbereich und der Schloss-Shop wieder Gäste empfangen können“, so Biegel. Die Schlossretter freuen sich sehr, nach der langen Phase der Schließung wieder aktiv für das Denkmal Einsatz zu zeigen: „Wir hoffen auf zahlreiche Besucher und natürlich gutes Wetter“.

Schlosstore sind wieder geöffnet

Die Schlosstore sind geöffnet von 10 bis 16 Uhr, wobei die Gäste werktags vorerst nur in den Innenhof gelangen. Die Führungen finden samstags statt und beginnen um 14, 14.30 und 15 Uhr. Sie dauern etwa eine Stunde. Die Teilnehmerzahl ist auf 15 Personen begrenzt, so der Schlossverein. Beim Besuch des Schlosses sind die aktuellen Abstands- und Sicherheitsvorkehrungen zu beachten. Ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz ist obligatorisch. Test- oder Impfnachweise würden jedoch nicht verlangt, heißt es.

Fassadenbeleuchtung installiert

Blankenburgs Schlossretter wären sich aber nicht treu geblieben, hätten sie nicht auch in der langen Corona-Zwangspause weiter an ihrem Schatz und dem Umfeld gearbeitet. War noch unlängst eine neue Beleuchtungsanlage für die Fassaden installiert worden, wurde parallel auch ein Problem angepackt, das vor allem bei Großveranstaltungen immer wieder zu Tage getreten war: die begrenzten Parkmöglichkeiten direkt am Großen Schloss.

Mehr als 30 neue Parkplätze

„Wir haben noch einmal viel Geld in die Hand genommen, um die Parksituation zu entspannen“, erklärt Schloss-Geschäftsführer André Gast. Zum Tragen kam glücklicherweise eine Drittelfinanzierung aus Zuschüssen der Lotto Toto GmbH Sachsen-Anhalt, dem Sanierungsträger der Stadt - der BauBeCon – und einem Eigenanteil des Schlossvereins. Dieser wurde wiederum von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz übernommen. Damit konnte eine von Wildwuchs überwucherte Fläche vor dem alten Heizhaus an der Auffahrt zum Schloss beräumt und aufgeschottert werden. Dort dürften nun zwischen 30 und 40 Pkws einen Stellplatz finden.

Doch auch in dem altehrwürdigen Gemäuer wurde und wird gearbeitet. So mussten im Dachgeschoss weitere Sicherungsarbeiten vorgenommen werden. Unter anderem mussten Brandschutzwände neu gemauert und Brandschutztüren eingebaut werden.

Profis im Un-Ruhestand

Ein ganz besonderes Schmuckstück präsentiert sich den Besuchern jetzt im sogenannten Handwerkergässchen – dem Rundgang hinter dem Theaterflügel. Mit großem Einsatz der Vereinsmitglieder – allen voran Jürgen Wiegmann, Ulrich Heise, Hubertus Bergen, Frank Bauer, Benedikt und Matthias Pröpper sowie Peter Severin – wurde das sogenannte Jägerhaus in unzähligen Stunden wieder hergerichtet. Grund waren die bei den dortigen Dacharbeiten entdeckten großflächigen Schäden. „Etliche Balken waren vom Schwamm befallen“, sagt Jürgen Wiegmann. Je mehr freigelegt wurde, umso schlimmer wurde es.

Große Schwammschäden

„Es musste alles neu gemacht werden“, blickt der ehemalige Polytechnik-Lehrer zurück. So wurde unter anderem im Obergeschoss der Holzfußboden neu gelegt, die Wände nach historischem Vorbild mit Kalkfarben gestrichen, die Elektrik neu installiert und vieles mehr. Wohl dem, der beispielsweise mit Ulrich Heise, Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik, Elektromeister Hubertus Bergen und Restaurator Matthias Pröpper echte Profis in seinen Reihen hat. Auf Initiative der engagierten Handwerker stiftete Zimmerer Jens Groß die Dielung, das VHS-Bildungswerk Blankenburg half, ein neues Treppengeländer herzustellen. Tischler René Bergmann sorgte für zwei stilechte Innentüren. Im Erdgeschoss verlegten die Schlossretter die kürzlich von der Stadt Quedlinburg gestifteten historischen Ziegelsteine. Blankenburgs Pfadfinder halfen, die Steine von altem Mörtel zu befreien.

„Mit ihrem Elan haben sie das ganze Umfeld infiziert“, würdigt André Gast die Arbeit von Jürgen Wiegmann und seinen Mitstreitern. „Sie haben soviel Energie dort hineingesteckt. Ohne diesen Einsatz hätten wir das gar nicht leisten können“, sagt Gast sichtlich stolz.

Stilechtes Interieur

Seinen besonders urigen Charme erlangt das Jägerhaus vor allem durch das Interieur. So haben die Vereinsmitglieder mit viel Liebe zum Detail eine „Jägerstube“ und ein „Regenten-Zimmer“ eingerichtet. Möglich wurde das durch Spenden von stilechten Möbeln, Lampen, Deko-Artikeln und zweier Öfen.

Leihgaben aus Börnecke

Die Einrichtung im Erdgeschoss mit einem Eichentisch, acht geschnitzten Eichenstühlen und einer herrschaftlichen Kommode stammt beispielsweise aus dem Nachlass von Dr. vet. Albert Hansen aus Börnecke. Die Familie Hansen hatte diese Möbel bereits im Jahr 2019 dem Schlossverein per Leihvertrag übergeben. „Wir sind nun froh, diese wunderbaren Stücke im Regenten-Zimmer der Öffentlichkeit zu präsentieren“, so André Gast. Dr. Albert Hansen war 1936 Mitbegründer und erster Leiter des Börde-Museums Burg Ummendorf.

Ulrich Heise und Jürgen Wiegmann (von links) haben das Jägerhaus in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit mit weiteren Helfern hergerichtet.
Ulrich Heise und Jürgen Wiegmann (von links) haben das Jägerhaus in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit mit weiteren Helfern hergerichtet.
Foto: Jens Müller
Blick in die sogenannte Jägerstube im Obergeschoss des Jägerhauses auf dem Großen Schloss.
Blick in die sogenannte Jägerstube im Obergeschoss des Jägerhauses auf dem Großen Schloss.
Foto: Jens Müller