Tanne l Sie ist kaum wiederzuerkennen, die Turnhalle in Tanne. War das Training in der maroden Sportstätte bislang eher eine Zumutung, können sich die rund 90 Vereinsmitglieder fortan mit voller Spielfreude auf ihr Freizeitvergnügen konzentrieren. Der Sportverein Harzfalke Tanne hat sich zwei Jahre lang dafür eingesetzt.

„Die Idee hatten wir bereits im Januar 2018. Da haben wir das erste Mal Kontakt zur Leader-Aktionsgruppe aufgenommen und geschaut, was die anderen so machen“, erzählt der Vereinsvorsitzende Enrico Schmidt. Denn die Hoffnung auf Mittel aus dem europäischen Förderprogramm war groß. Ohne die Finanzspritze hätte das Projekt nicht umgesetzt werden können. „Im November haben wir dann den Antrag gestellt und im Mai 2019 den Zuwendungsbescheid über 90 Prozent der Gesamtkosten bekommen.“

Um den geforderten Eigenanteil zu stemmen, setzte der Verein auf eine kreative Idee. Sie baten auf einer Online-Plattform um Spenden. Das Ziel: 5500 Euro einsammeln. Doch die Erwartungen sollten übertroffen werden. Nach Ablauf der Aktion hatten 63 Unterstützer 9520 Euro gespendet. „Das zu sehen, war ein schönes Gefühl. Wir haben durch unsere Öffentlichkeitsarbeit und in den sozialen Medien Leute erreicht, die sich mit der Region verbunden fühlen oder einfach die Idee gut fanden“, meint Enrico Schmidt. Doch auch im analogen Raum wurde Geld gesammelt. „Letztendlich hatten wir über 100 Einzelspender. Wir haben selbst beim Bäcker spontan Geld für die Halle in die Hand gedrückt bekommen“, freut sich Mario Unger, Leiter der Volleyballabteilung.

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Hilfe von Unternehmern aus dem Ort

Und auch bei der Umsetzung konnte sich der Verein auf die Unterstützung vor Ort verlassen. Denn die Förderung griff nur für den Einbau der Materialien. „Wir hatten zuvor sieben Arbeitseinsätze, zu denen jeweils rund 20 Leute kamen, sowohl vom Verein als auch darüber hinaus“, berichtet Enrico Schmidt. Unter anderem halfen örtliche Handwerker, auch der Brockenbauer rückte mit seinem Hublader an. „Wir haben das Gebäude komplett entkernt, den Boden und die Wände rausgerissen. Es war eine Werkhalle.“

Alles lief nach Plan. „Das Projekt war zeitlich und finanziell eine Punktlandung“, ist Mario Unger überglücklich. So wurden die angesetzten 104.000 Euro fast auf den Cent genau verbraucht. Und die am 15. August 2019 begonnenen Bauarbeiten waren pünktlich zum Volleyballturnier am 27. Dezember 2019 abgeschlossen. „Das Turnier richten wir jedes Jahr aus, nur dieses Mal war es warm, wir hatten Licht und einen Sportboden“, bringt es Vorstandsmitglied Mario Unger mit zwinkerndem Auge auf den Punkt.

Das 1938/39 erbaute Gebäude wurde zunächst von der VEB Gießerei & Ofenbau Tanne-Königshütte als Formereihalle genutzt. 1969 wurde sie zur Volkssporthalle umfunktioniert und bis zur Schließung der örtlichen Grundschule im Jahr 2000 auch für den Schulsport genutzt. „Seit dem Umbau zur Turnhalle blieb die Bausub­stanz unverändert“, zeigt Enrico Schmidt auf. Lediglich in den 1990er Jahren seien dank einer Förderung der Sparkasse das Dach und die Fassade der Westseite instandgesetzt worden. Eine Grundsanierung sei längst überfällig gewesen.

Schimmel an Wänden und undichte Fenster

Denn die Halle befand sich in desolatem Zustand – bei laufendem Betrieb. Über die Wände zogen sich schwarze Schimmelspuren, der Parkettboden war längst in die Jahre gekommen, die Fenster waren undicht, die Elektrik veraltet und eine funktionierende Heizung gab es auch nicht.

Das alles ist nun Vergangenheit. Trainiert wird fortan auf einem modernen Hallenfederboden, die Beleuchtung und die Elektroanlage wurden komplett erneuert, eine Heizung eingebaut. Die einfach verglasten Fenster wurden durch besser dämmende ersetzt, auch die Türen wurden ausgetauscht sowie die Wände neu verputzt und gestrichen. Neben einem Bodenleger aus Sachsen haben Firmen aus Königshütte und Hasselfelde angepackt. Zusätzlich konnte der Verein Tore und eine Netzanlage kaufen.

Die neuen Trainingsbedingungen zeigen Wirkung, locken zusätzliche Sportsfreunde an. „Man glaubt gar nicht, wie wichtig die kurzen Wege sind. Hier kommt man nach dem Abendbrot hin, spielt eineinhalb Stunden und geht wieder nach Hause“, verdeutlicht der Vereinschef. Die Sportstätten in Königshütte und Benneckenstein haben nun Konkurrenz bekommen.

Projekt stand vor dem Aus

Dabei wäre aus der Sanierung fast nichts geworden. „Wir haben das Projekt bestimmt dreimal begraben, weil wir dachten, wir schaffen das nicht“, gesteht Mario Unger. Es habe einfach sehr viele Vo­raussetzungen gegeben, um die Fördermittel beantragen zu können. „An der Stelle möchten wir uns bei der Leader-Arbeitsgruppe, insbesondere bei Angelika Fricke, bedanken, die für uns alle Hebel in Bewegung gesetzt hat. Leader hat uns Wege geebnet, wenn wir nicht weitergekommen sind.“ Auch die Oberharz-Stadt sei sehr kooperativ gewesen, als es um den Nachweis langfristiger Pachtverträge ging. Ebenso das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Mitte.

Der Weg zur neuen Halle sei zwar ein steiniger gewesen, dennoch empfehlen die Harzfalken das Leader-Förderprogramm ausdrücklich weiter. „Es gibt eigentlich nichts, was sie nicht fördern können“, meint Enrico Schmidt. „Man muss nur eine gute Idee haben, die der Allgemeinheit zu Gute kommt, und ein gutes Team, um es durchzustehen. Man braucht einen langen Atem, darf nicht beim ersten Gegenwind umknicken und muss einfach dranbleiben.“

Für den Verein aus Tanne habe sich die Mühe gelohnt. Ganz abgeschlossen sei der Prozess allerdings noch nicht. „Wir müssen jetzt noch die Finanzierung abwickeln“, erklärt der Vorsitzende. Da der Verein das nötige Geld vorstrecken musste, laufe noch ein Kredit bei der Sparkasse. „Wir hoffen, dass das Fördergeld so schnell wie möglich ausgezahlt wird, denn die Kosten für die Zinsen tragen wir als Verein“, informiert Mario Unger.

Auf der abgeschlossenen Sanierung wollen sich die Harzfalken übrigens nicht ausruhen. Die Umgestaltung des Außenbereichs schwebt den Vereinsmitgliedern bereits jetzt im Kopf herum. „ Wir wollen den Sportplatz sanieren“, so Schmidt. Entstehen soll ein geschlossenes Areal mit Kleinfeldfußballplatz sowie einem Beachvolleyballplatz. Auch der Anbau von Sanitäranlagen und Umkleidemöglichkeiten sind geplant. Einen Zeitplan gebe es allerdings noch nicht. „Auch hierfür bräuchten wir viel Geld“, weiß Enrico Schmidt.