Blankenburg

Schätze auf vier Rädern: Opel-Parade im Schloss und Ausfahrten in den Harz

Auf eine nostalgische Zeitreise haben 22 Opelfreunde die Besucher des Großen Schlosses in Blankenburg mitgenommen. Im Innenhof präsentierten sie ihre aufwendig restaurierten Automobil-Raritäten und luden zum Fachsimpeln ein.

Von Jens Müller
Oldtimer-Parade im Großen Schloss in Blankenburg am Samstagnachmittag. 22 Opel-Freunde aus ganz Deutschland präsentierten dort ihre historischen Fahrzeuge aus den 30er Jahren. Zuvor waren sie auf den Straßen im Harz unterwegs.
Oldtimer-Parade im Großen Schloss in Blankenburg am Samstagnachmittag. 22 Opel-Freunde aus ganz Deutschland präsentierten dort ihre historischen Fahrzeuge aus den 30er Jahren. Zuvor waren sie auf den Straßen im Harz unterwegs. Fotos: Jens Müller

Blankenburg - Eigentlich hätte nur noch das Touren-Cabriolet von Herzog Ernst-August gefehlt, dann wäre das Bild perfekt gewesen: 22 Oldtimer allerdings aus Rüsselsheimer Produktion – nur ein weißes Opel Kadett C Coupé schlug etwas aus der Reihe – präsentierten sich am Samstag, 26. Juni, im Innenhof des Großen Schlosses Blankenburg. Die Sonne spiegelte sich in den chromblitzenden Felgen, Scheinwerfern und Kühlergrills, während die Oldtimerfreunde – vielfach in nostalgischer Kleidung – Kaffee und Kuchen in dem herrschaftlichen Ambiente genossen. Kredenzt von den fleißigen Frauen des Schloss-Cafés.

Lob an den Organisator

Natürlich mit dabei: Hans Silbernagel, Typreferent der 1.0, 1.2 und 1.8-Liter-Klasse der 1972 ins Leben gerufenen Alt-Opel-Interessengemeinschaft. Der Rand-Münchner war bereits am Sonntag vor einer Woche in Blankenburg angereist. Seinen Opel 1.2 - Baujahr 1933 - hatte er auf dem Anhänger dabei. Die knapp 600 Kilometer lange Anreise wollte er seinem Schmuckstück dann doch nicht zumuten. Wobei: Geschafft hätte er es natürlich! „Der Wagen ist seit 40 Jahren in der Familie. Und seither im Einsatz“, so Silbernagel, der der Marke Opel treu geblieben ist. „Schon meine Mutter hatte 1935/36 einen P4. Daher sind wir einfach familiär behaftet. Ich bleibe bei Opel“, so Silbernagel, der sich von der Neuauflage des jährlichen Typgruppentreffens begeistert zeigte. „Es ist alles wunderbar organisiert“, zog er eine positive Bilanz.

Fachsimpeln unter Oldtimerfreunden, hier an einem Opel Super 6 Cabrio. Diese Modelle wurden zwischen 1937 und 1938 gebaut.
Fachsimpeln unter Oldtimerfreunden, hier an einem Opel Super 6 Cabrio. Diese Modelle wurden zwischen 1937 und 1938 gebaut.
Foto: Jens Müller

22 Fahrzeuge aus ganz Deutschland

Das freute besonders Klaus-Dieter Mehmecke, der den Jahreshöhepunkt seines Vereins vorbereitet hatte. Selbst das regnerische Wetter zur ersten Ausfahrt am vergangenen Freitag durchs Harzvorland steckten alle Teilnehmer gut weg. Tags darauf dann tolles Kaiserwetter. Und die Fahrzeuge aus Leipzig, Chemnitz, Leverkusen, Siegen, Dessau und Erfurt meisterten selbst die steilen Anstiege im Oberharz. „Wir hatten keinen einzigen Ausfall“, sagte er voller Stolz. Beim letzten Treffen vor zwei Jahren im Rheinland seien zwei Wagen liegen geblieben. „Aber das kann immer mal passieren“, sagte der gebürtige Blankenburger, der in der Nähe von Langelsheim lebt. Aufgrund der Nähe zu seiner Heimatstadt war er mit seinem P4 – Baujahr 1936 – „auf der Achse“ angereist.

„Das Auto hab ich erst seit 2011 und es rund ein Jahr lang restauriert. Seither haben wir viel Freude damit“, erklärte der Oldtimerfreund, der sich gemeinsam mit Gattin Christiane stilecht gekleidet hatte.

Nächster Treff auf Fehmarn

Eine noch kürzere Anfahrt hatten Eckhard Wermuth mit Gattin Ilona. Die Benzingeröder waren aber dafür mit dem wohl ältesten Modell mit von der Partie: einem Opel 4/20, gebaut im April/Mai 1931. Die beiden hat das Oldtimerfieber erst vor kurzem gepackt. Nachdem Eckhard Wermuth durch zwei Freunde auf den alten Opel aufmerksam gemacht worden war, der verstaubt und mit platten Reifen in der hintersten Ecke einer Bremer Fahrzeug-Sammlung sein Dasein fristete. Doch das Restaurieren zog sich und stellte Wermuths vor eine echte Herausforderung: „Der Wagen stand dann ein Jahr in meiner Garage. Ich wusste, dass der Motor nicht in Ordnung war“, erzählte er. Dann bekam er den erfolgversprechenden Tipp: „In einer Autowerkstatt in Wolmirstedt hab ich den Wagen dann unter Anleitung wieder aufgebaut. 2018 war er fertig.“ Seither schnurrt er unverwüstlich über die Straßen im Harz. „Wir sind gern mit ihm unterwegs, auch mal in der Woche“, so Eckhard Wermuth, der bereits 2019 selbst ein Treffen der Alt-Opel-Freunde in Wernigerode organisiert hatte.

Zum Abschluss-Abend in diesem Jahr gab Klaus-Dieter Mehmecke im Hotel „Vogelherd“ den „Staffelstab“ an einen Vereinsfreund aus Schleswig-Holstein weiter. Das nächste Typgruppentreffen wird dann Ende Juni 2022 in Burg auf Fehmarn stattfinden, nachdem es dort im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie noch abgesagt werden musste.

Jens Grezes (links) führte die Opel-Freunde durchs Blankenburger Schloss: hier Christiane und Klaus-Dieter Mehmecke, den diesjährigen Organisator des Alt-Opel-Treffens.
Jens Grezes (links) führte die Opel-Freunde durchs Blankenburger Schloss: hier Christiane und Klaus-Dieter Mehmecke, den diesjährigen Organisator des Alt-Opel-Treffens.
Foto: Jens Müller