Wernigerode l „Wenn wir loslegen, sind wir in sieben Monaten fertig – vom Roden des ersten Baumes bis die Gondeln fahren.“ Das sagt Investor Gerhard Bürger über sein Seilbahn-Projekt in Schierke. Nur dieses ehrgeizige Ziel liegt noch in weiter Ferne: Seit anderthalb Jahren läuft das Raumordnungsverfahren, geredet wird nun über die dritte geplante Trasse am Winterberg, der Rückhalt in Wernigerode für die millionenschwere Ganzjahres-Erlebniswelt bröckelt.

Diesen Eindruck zumindest hat der Hildesheimer Unternehmer inzwischen. „Wir erwarten mehr Wohlwollen und ein klares Bekenntnis der Stadt“, sagt der Kopf der Winterberg-Investorengruppe. Dazu wünscht sich Bürger, dass Verwaltung und Stadtrat mehr mit ihm sprechen. „Andere Unternehmer fragen mich: Wie halten Sie das durch?“, spielt Bürger auf die Kritiker des Bergwelten-Projektes an.

„Wir sind mit 2,2 Millionen Euro für die Planung in Vorleistung gegangen“, berichtet Bürger. Für die jüngste Neuplanung zur Trassenführung der Seilbahn schießen er und seine Partner erneut Geld vor. 130.000 Euro für die Überbarbeitung der Planung übernimmt der Investor, 270.000 Euro soll die Stadt zugeben, damit es im Raumordnungsverfahren weitergeht. „Ich spüre eine Stimmung in Verwaltung und Rat, nach dem Motto: Nur Abwarten, dann bezahlt Gerhard Bürger schon“, klagt der Investor.

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Versprechen auf Aufschwung für Schierke

„Wir sind sehr dankbar für Gerhard Bürgers Geduld“, entgegnet Andreas Meling. Die Seilbahn sei ein Kraftakt für Wernigerode, so der Schierke-Beauftragte der Stadt. „Wir sind an einem schwierigen Punkt angekommen: Wir reden immer über Millionenbeträge und teure Probleme, dabei haben wir schon viel erreicht.“

Meling verweist auf die Entwicklung des Brockenortes. Wernigerode hat unter anderem mit dem Parkhaus Am Winterbergtor und der Feuerstein-Arena stark in die touristische Infrastruktur investiert. „Schierke kommt langsam im 21. Jahrhundert an“, gibt sich der Rathaus-Mitarbeiter zuversichtlich. Doch dafür sei die Skipiste samt Seilbahn ein entscheidender Faktor. „Wenn wir den Sprung von aktuell 250.000 Übernachtungen auf 400.000 schaffen wollen, brauchen wir das Winterberg-Projekt“, so Andreas Meling.

Verweis auf andere Wintersport-Orte

„Das wirtschaftliche Risiko tragen wir“, pflichtet Gerhard Bürger bei. Er sei überzeugt, dass erst mit der Ganzjahres-Erlebniswelt „richtig Leben in die Bude kommt“. Dabei hätten sich die Grundstückspreise in Schierke in den vergangenen Jahre bereist fast verdoppelt. Die Seilbahn bringe der Stadt ihre Investitionen zurück, verweist der Hildesheimer auf kalkulierte Mehreinnahmen aus Kurtaxe und Steuern sowie neue Jobs, die durch das Projekt entstünden. Ebenso profitierten Parkhaus, Loipenhaus und Eisstadion von der Seilbahn, zitiert Bürger aus einem Gutachten der Kölner Analyseagentur Montenius Consult.

Das häufig vorgebrachte Gegenargument immer wärmerer Winter in Deutschlands Mittelgebirgen wischt der Investor beiseite: „In Willingen und Winterberg im Sauerland ist seit dem 1. November mehr als 90 Tage Wintersport-Betrieb – das könnte Schierke auch.“ Sein Kölner Gutachter kenne den Kleinen Winterberg „in- und auswendig.“

Wie er dafür die Wernigeröder begeistert, wisse Gerhard Bürger nicht. Aber spüre die Rückensicherung der Schierker. „Ohne viel Idealismus als begeisterter Skifahrer wäre ich schon lange abgesprungen.“