Sicherheit

Seit einem Jahr ist Wernigerodes Wasserwehr bei Starkregen und Hochwasser im Einsatz

Naturkatastrophen und Hochwasser halten Deutschland in Atem. In Wernigerode greift bei Starkregen die Wasserwehr seit gut einem Jahr mit ein. Die Ehrenamtler ziehen eine erste Bilanz.

Von Ivonne Sielaff
Acht Mitglieder bilden Wernigerodes Wasserwehr. Unterstützt werden sie von elf Gewässerpaten, die die Bach- und Flüssläufe in ihrer Nachbarschaft regelmäßig im Auge behalten.
Acht Mitglieder bilden Wernigerodes Wasserwehr. Unterstützt werden sie von elf Gewässerpaten, die die Bach- und Flüssläufe in ihrer Nachbarschaft regelmäßig im Auge behalten. Foto: Ivonne Sielaff

Wernigerode - Wenn es heftig regnet, wenn Bäche und Flüsse anschwellen, wenn die Wassermassen über die Ufer treten und Straßen und Grundstücke zu fluten drohen, dann ist neben Feuerwehr und Bauhof seit einem guten Jahr auch Wernigerodes Wasserwehr unterwegs. Ob zu Fuß, mit Schaufel und Haken oder im blau-grauen Einsatzwagen, die Männer und Frauen von der Wasserwehr sind im Einsatz, wenn Gefahr im Verzug ist.

Und nicht nur dann. Auch vorbeugend wollen die Ehrenamtler tätig sein, wie Wasserwehrchef Volker Friedrich und sein Vize Daniel Dietrich jüngst im Ordnungsausschuss versichert haben. Dort haben sie über das erste Einsatzjahr berichtet und Bilanz gezogen.

„Wir sammeln bei jedem Ausrücken noch neue Erfahrungen“, sagt Friedrich. Er sei stolz auf seine „schlagkräftige Gruppe“. In Zeiten, in denen Ehrenamt nicht mehr selbstverständlich ist, sei es oftmals schwer, genügend Mitstreiter zu finden. Hier sei es aber gelungen. Acht berufene Mitglieder gehören der Wasserwehr derzeit an. Dazu kommen elf Gewässerpaten als freiwillige Helfer.

Im Herbst in Alarmstufe 2 gerutscht

Zweimal war die Wasserwehr nach ihrer Gründung im zweiten Halbjahr von 2020 gefragt. „Das waren typische Herbsthochwasser“, blickt Daniel Dietrich, der als Bauamtsmitarbeiter für Hochwasserschutz verantwortlich ist, zurück. „Im Oktober sind wir zweimal in die Alarmstufe 2 reingerutscht.“ Vor allem Holtemme und Zillierbach seien betroffen gewesen. Das Problem: Durch die Stürme im Herbst hatte es viel Schwemmgut wie Laub und Geäst gegeben. Die Wasserwehr habe deshalb neben ihrem Kontrolldienst auch die Flussläufe von Abflusshindernissen freigehalten.

Anfang 2021 sorgte der starke Frost für Schwierigkeiten. Laut Dietrich sei unter anderem der Eichberggraben zugefroren gewesen und habe das Wasser auf die Grundstücke der Anlieger gedrückt. Die Tauwelle nach den heftigen Schneefällen im Februar habe viele Menschen beunruhigt. „Das ist aber relativ unproblematisch abgelaufen.“

Verstopfte Bacheinläufe gesäubert

Anders als die Wassermassen Anfang Juni. Starke Regenfälle hatten für vollgelaufene Keller und überflutete Straßen gesorgt. Die Wasserwehr war überall dort, wo es brenzlig wurde. Schwerpunkte waren die Bacheinläufe in Hasserode. Vor allem der Sturzbach, der Triangeleinlauf sowie der Ratskopfgraben an der Himmelpforte. „Wenn die Einläufe durch Treibgut verstopft waren, sind wir es gewesen, die in die Brühe gesprungen sind und alles sauber gemacht haben“, so Dietrich. Zudem wurden die Pegelstände an der Insel, an der Kruskastraße und an der Holtemme weiter stadteinwärts regelmäßig kontrolliert.

Bewährt hätten sich die Flachrechen, die im Auftrag der Stadtverwaltung vor den Einläufen der Bäche angebaut wurden, schätzt Volker Friedrich ein. „Das Schwemmgut bleibt dort hängen, und wir können es gefahrenlos rausfischen.“ Dankbar sei er zudem für die „vernünftige Ausstattung“. Alle Mitglieder hätten eine persönliche Schutzausrüstung mit Jacke, Hosen und Stiefel erhalten. Dazu diverses Kleingerät wie Spaten und Räumhaken sowie das ausgemusterte Blitzerauto samt Anhänger als Einsatzfahrzeug. „Wir brauchen ein Auto - natürlich“, betont Friedrich in Hinblick auf geäußerte Skepsis von Seiten der Verwaltung. „Solche Diskussionen sind ein bisschen am Thema vorbei.“

Wasser gegen Wasser einsetzen

Ab August verfügt die Wasserwehr noch über ein mobiles Schlauchsystem für Hochwasserschutz mit Notstromaggregat und Pumpen, das über Fördermittel angeschafft wurde. „Damit können wir Wasser gegen Wasser einsetzen“, erläutert Friedrich. Der Schlauch könne gefüllt und dann als über 30 Zentimeter hohe Hochwasserbarriere weitläufig platziert werden.

Das 600 Kilogramm schwere Schlauchsystem lasse sich allerdings kaum vom „kleinen Blitzerauto“ ziehen. „Da müssen wir uns etwas einfallen lassen“, gibt der Wasserwehrchef zu bedenken. Für die Zukunft seien nun aller zwei Monate Dienstabende im Wasserwehr-Domizil in Reddeber vorgesehen – durch das abflachende Infektionsgeschehen jetzt wieder möglich. Darüber hinaus wollen sich die Mitglieder weiterbilden. „Wir müssen schließlich mit den neuen Geräten umgehen können.“

Als wichtig schätzt Friedrich auch künftig die Arbeit der Gewässerpaten ein, die die Wasserläufe regelmäßig im Blick haben. „Es reicht schon ein Ast, und so ein Einlauf setzt sich zu.“ Deshalb sei es notwendig, solche Gefahren umgehend zu beseitigen, damit das Wasser jederzeit abfließen kann. „Auch damit beugen wir Hochwasser vor“, so der Wasserwehrchef. Es reiche eben nicht allein, die Pegel zu beobachten. „Die Wasserwehr steht“, so Friedrich abschließend. „Das kann ich mit Überzeugung sagen, und dafür bin ich sehr dankbar.“

Sascha Kräuter räumt beim Juni-Hochwasser den zugeschwemmten Einlauf des Ratskopfgrabens an der Himmelpforte.
Sascha Kräuter räumt beim Juni-Hochwasser den zugeschwemmten Einlauf des Ratskopfgrabens an der Himmelpforte.
Foto: Ivonne Sielaff
Ulrich Eichler (links) und Volker Friedrich kontrollieren den Einlauf am Triangel in Hasserode.
Ulrich Eichler (links) und Volker Friedrich kontrollieren den Einlauf am Triangel in Hasserode.
Foto: Ivonne Sielaff