Rübeland l Für manche ist es schön verwunderlich, dass sich am Wochenende in den Höhlen von Rübeland niemand beschwerte. Denn bei den Führungen zur Europäischen Fledermausnacht in der Hermannshöhle hat sich keine Maus sehen lassen. So mussten sich die trotzdem zahlreich herbei geströmten Besucher mit Bildern oder gebastelten Fledermäusen im Foyer begnügen, was sie auch reichlich und mit Freude taten.

Auch Bernd Ohlendorf, Chef der Referenzstelle für Fledermausschutz in Sachen-Anhalt, hatte sich schon mit einer eher unspektakulären Fledermausnacht in Rübeland abgefunden, weil die Tiere gemäß ihrer Art bei Regen einfach durchschlafen. Da konnte er noch nicht wissen, dass es Stunden später eine Überraschung geben würde. Denn manche Fledermaus schwärmte doch noch aus.

Nach Mitternacht geht Fledermaus ins Netz

„Gegen 1.30 Uhr ging uns eine Fledermaus ins Netz, die etwas anders aussah“, berichtete Ohlendorf und schuf dann nach genauer Prüfung Montagmittag endgültig Klarheit: „Es handelt sich um eine Wimperfledermaus, es ist der Erstnachweis für Mittel- und Norddeutschland“, informierte der Experte. Der spektakuläre Erstling war eins der 14 insgesamt gefangenen Tiere in fünf Arten jener Nacht. Ohlendorf: „Die Wimperfledermaus fällt durch ihr wuscheliges Fell auf. Sie ist eine wärmeliebende Art, daher auch in den Föngebieten zu Hause. Sie wiegt sieben Gramm, frisst kleine Nachtfalter, Spinnen, Weberknechte.“

Bilder

Dass diese Art hier auftauchen würde, hätten Experten schon vor zehn Jahren in Bezug auf die Klima-Erwärmung erwartet, so Ohlendorf weiter. Hauptsächlich komme die Wimperfledermaus im Alpenvorland und im Badischen vor. Ihr Auftauchen hier im Harz sei ein Zeichen der Klima-Erwärmung, die Hermannshöhle liege im Bereich des Föngebietes von Hüttenrode her. „Wir werden nun unserer Blicke schärfen, ob es noch mehr Exemplare hier gibt“, kündigte Bern Ohlendorf an.

Nächste Fangeinsätze des Arbeitskreises sind im Oberharzer Wald sowie bei Veckenstedt vorgesehen.