Wernigerode l Zu flach oder gerade richtig? An den neuen Skipisten für das Ganzjahresgebiet Winterberg Schierke scheiden sich die Geister. Planer Christian Weiler ist davon überzeugt, dass die Hänge mit leichtem Schwierigkeitsgrad, die deshalb blau markiert werden, gut ankommen werden. „Der Gast und Kunde will blaue Pisten – je breiter und einfacher, desto besser“, erklärte der Gesellschafter des österreichischen Büros Klenkhart und Partner im Schierke-Ausschuss.

Weiler hat das Skigebiet am Wurmberg geplant und arbeitet jetzt für die Winterberg Schierke GmbH. „Dieses Konzept können wir mit gutem Gewissen vertreten und umsetzen“, so der Planer. Mit einem Irrtum räumt Weiler auf. „Es wird immer abfällig von blauen Skipisten gesprochen. Doch keine fünf Prozent der Skifahrer traut sich, einen schwarzen Hang hinunterzufahren. Die Masse fährt auf den blauen Skipisten.“ Das lasse sich exemplarisch in den Alpen beobachten.

Herdentiere suchen ihren Weg

Deshalb sei das Schierker Vorhaben goldrichtig, so Weiler. „Es wäre schlicht eine Fehlplanung, wenn ich den Kleinen Winterberg erschließe und dort nur schwarze und rote Pisten einrichte, die keiner fahren will.“ Davon, dass die Pisten zum Beispiel von Familien gut angenommen werden, ist er „zu 100 Prozent“ überzeugt. Wenn in Braunlage in der Saison Schlangen an den Liften stünden, in Schierke hingegen Luft sei, müsse man sich im Ostharz nicht sorgen. „Man weiß, wo das Herdentier Mensch hinzieht. Das regelt sich von selbst.“

Die Skepsis aus Braunlage rühre seiner Meinung nach daher, dass sich die Seilbahnbetreiber durch das Schierker Projekt unter Zugzwang sehen. „Die Wurmberg-Seilbahn ist nicht gewillt, das hohe Tempo mitzugehen, dass von Schierke vorgelegt wird“, glaubt er. Die Betreiber wollten Schritt für Schritt modernisieren und sich nicht von den Fortschritten auf der anderen Seite des Berges treiben lassen. Diese Ängste müsse man abbauen.

Dem widerspricht Marcus Gross. „Es geht uns um sachliche Fragen“, betonte der Geschäftsführer der Wurmberg-Seilbahn auf Volksstimme-Nachfrage. Er sei skeptisch, was die Erfolgsaussichten des Projekts angehe, auch wenn er der Winterberg Schierke GmbH Erfolg wünsche. Die Investoren müssten dazu viele Schwierigkeiten überwinden. „Wir haben gelernt, dass vieles nicht so eintrifft, wie es die Spezialisten vorhergesagt haben“, sagte er mit Blick auf die Erfahrungen, die er mit der Wurmberg-Seilbahn in den vergangenen Jahren gesammelt habe.

Bedenken geäußert

Deshalb wolle das Unternehmen abwarten, wie sich das Schierker Wintersportgebiet entwickelt. „Es muss allein funktionieren“, so Gross. Wenn es gut läuft, könne man in Zukunft über eine Zusammenarbeit sprechen. Dass diese Haltung manche im Ostharz überrascht, versteht er nicht. „Wir haben unsere Bedenken immer wieder geäußert“, so Gross – auch gegenüber Winterberg-Investor Gerhard Bürger.

Dieser möchte sich an der Diskussion nicht beteiligen. „Es muss jetzt ein wenig Ruhe einkehren“, sagte Bürger auf Nachfrage. Er sei mit allen Beteiligten in Wernigerode und Braunlage im Gespräch. Das Engagement der Investoren stehe nicht in Frage. „Wir lassen uns nicht beirren. Wir ziehen das durch.“ Entscheidend sei für ihn die Einschätzung von Planer Weiler. „Seine Argumente haben mich überzeugt.“

Ebenso ist er sicher, dass die Seilbahnbetreiber Gemeinsamkeiten finden werden. Daran glaubt auch Andreas Meling. „Wir wollen die Türen für den Dialog weit offen lassen“, sagte der Schierke-Beauftragte der Wernigeröder Stadtverwaltung im Ausschuss. Der Markt werde sein Übriges tun. „Wahrscheinlich werden die Gäste es nicht akzeptieren, dass es kein gemeinsames Ticket gibt.“

Dies wird jedoch nicht so schnell Realität. Beispiele für zwei getrennte Skigebiete nebeneinander habe es in den Alpen bereits gegeben, so Planer Christian Weiler. Auf Druck der Kunden hätten sich aber die meisten zusammengerauft. Dies sieht er ebenso im Harz voraus, die Diskrepanzen könnten aus seiner Sicht ausgeräumt werden. „Ich bin überzeugt, dass in relativ kurzer Zeit weißer Rauch aufsteigen wird.“