Waschanlage

So hilft ein Verein aus dem Harz Jugendlichen in ostafrikanischen Slums

Seit Jahrzehnten kümmert sich eine Hilfsinitiative aus dem Harz um Jugendliche in Ostafrika. Dank Fördergeld können die Ehrenamtler neue Projekte in Angriff nehmen.

Von Günther Breutel
Dank des Fördergelds, das vom Bundesentwicklungsministerium über einen Elbingeröder Verein nach Nairobi gelangt, konnten 36 Bewohner im Slum Korogocho eine eigene Auto-Waschanlage aufbauen.  Seit Mitte April ist sie in Betrieb und soll den Jugendlichen ein eigenes Einkommen ermöglichen.
Dank des Fördergelds, das vom Bundesentwicklungsministerium über einen Elbingeröder Verein nach Nairobi gelangt, konnten 36 Bewohner im Slum Korogocho eine eigene Auto-Waschanlage aufbauen. Seit Mitte April ist sie in Betrieb und soll den Jugendlichen ein eigenes Einkommen ermöglichen. Foto: Ostafrika-Projekt

Elbingerode - Das Ostafrika-Projekt aus Elbingerode hat mehrere Tausend Euro aus Fördertöpfen des Bundesentwicklungsministeriums und des Wirtschaftsministeriums von Sachsen-Anhalt erhalten. 2019 wurde aus der rund drei Jahrzehnte alten Hilfsinitiative des Diakonie-Krankenhauses ein Verein. Das Ziel seiner Mitglieder: In den vier ostafrikanischen Ländern Kenia, Uganda, Äthiopien und Südsudan sollen Projekte zur „Hilfe für die Selbsthilfe“ angeschoben werden.

„Dies war der Türöffner zum Fördergeld“, berichte der zweite Vorsitzende Roland Krombholz, der die Anträge dafür stellte. Mit dem Geld werden Sanierungen und Renovierungen in Heimen für Waisen- und Straßenkinder im kenianischen Mtito Andei unterstützt, Erneuerungen der Wasser- und Abwasseranlagen, Solarpaneele und Betten für 30 Kinder finanziert.

Ein großes Ziel ist, eine Autowaschanlage in Korogocho aufzubauen, dem drittgrößten Elendsviertel der Hauptstadt Nairobi. 30 Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren sollen das Geschäft in Eigenregie führen. Auch zwei Frauen gehören zum Team. Das Projekt soll den Jugendlichen helfen, eigenes Geld zu verdienen, Selbstständigkeit zu erreichen und Solidarität sowie Gemeinsinn zu entwickeln.

Fußballer als Vorbild für 90 Selbsthilfegruppen

Diejenigen, die ihr Leben verändert haben, werden dann als Freiwillige in die Arbeit einbezogen. Sie sollen die Hilfe zur Selbsthilfe entwickeln und die geschaffenen Projekte als ihre eigenen betrachten.

Ungefähr 300 Freiwillige umfasst die Arbeit in über 90 solidarischen Selbsthilfegruppen. Viel Wert wird auf die Gruppenbildung gelegt. „Wir haben eine sehr leistungsstarke Fußballmannschaft aufgebaut“, berichtet Vereinschef Klaus Richter. Die 39 Kicker seien „in Vorbild für andere“.

15.000 Straßenkinder allein in drittgrößter Stadt Kenias

In Kisumu am Victoriasee, der drittgrößten Stadt Kenias, wird eine betreute Wohnanlage für Straßenkinder aufgebaut. Daran soll eine Hühnerfarm angegliedert werden, die für ein Einkommen sorgen soll. „Ungefähr 15.000 Straßenkinder leben in Kisumu. Nur die Hälfte von ihnen erreicht das Erwachsenenalter. Von der anderen Hälfte schafft nur ein Viertel den Absprung in ein normales Leben, die anderen werden Kriminelle. Den Kontakt zu den Kindern ermöglicht uns der ’General der Straße’“, erläutert Richter.

Ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit sei „die Ausbildung der gefährdeten Jugend, die dann ihr Leben in Afrika bestreiten können und nicht nach Europa fliehen wollen“. Der Projektleiter weist darauf hin, dass die Arbeit nur durch Sponsoren geschafft werden kann. Es gebe viele treue Einzelspender, doch große Sponsoren fehlen. In Vereinsinitiative wurden Benefizflohmärkte in Ilsenburg und in Elbingerode zu Ehemaligentreffen der Suchtarbeit organisiert. Doch die Corona-Pandemie ließ diese Einnahmequellen versiegen. Eine weitere Spendenaktion ist „Weihnachten im Briefumschlag“. Dank ihr erhalten 2500 Kinder zum Fest ein Geschenk.

„Unsere Arbeit wird in den Ländern wohlwollend betrachtet, wir reisen einmal im Jahr nach Ostafrika. Ich selbst war seit 1990 schon 70 Mal in Kenia, Uganda und Äthiopien, alles aber auf eigene Kosten“, informiert Klaus Richter .

Freiwillige Helfer sorgen für Sicherheit in Slums

„Für unsere eigene Sicherheit während unserer Aufhalte in den schlimmsten und kriminellsten Slums sorgen unsere freiwilligen Helfer. Darunter sind kräftige Kerle, die Respekt einflößen - da fühlen wir uns sicher“, so der Vereinschef.

Er betont dazu, dass die Arbeit auf Transparenz und Strukturen aufbaut, die Korruption vorbeugen. „Es gibt viele Straßenkinder und Jugendliche in Risikosituationen. Sie sind rechtlos, abgelehnt und schwer gefährdet.“ Aus diesem Elend erwachse häufig Sucht – nach Alkohol, Drogen oder Marihuana.