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So verlief der Start für den digitalen Corona-Impfpass in Harzer Apotheken

Seit Montag können Apotheken digitale Impfnachweise ausstellen. Aber wie sieht das praktisch im Landkreis Harz aus?

Von Sandra Reulecke und Holger Manigk
Apothekerin Nikola-Paula Eckerlin-Sohl erläutert ihren Kunden in der Raths-Apotheke in Wernigerode, wie der digitale Impfnachweis funktioniert. Ein Smartphone ist trotz des Wortes ?digital? nicht zwingend notwendig.
Apothekerin Nikola-Paula Eckerlin-Sohl erläutert ihren Kunden in der Raths-Apotheke in Wernigerode, wie der digitale Impfnachweis funktioniert. Ein Smartphone ist trotz des Wortes ?digital? nicht zwingend notwendig. Foto: Sandra Reulecke

Landkreis Harz - Ansturm auf der einen, großes Zögern auf der anderen Seite: Zum Start des Corona-Impfnachweises fürs Handy haben Harzer Apotheker höchst unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Nach dem Start um 8 Uhr am Montagmorgen, 14. Juni, hätten sich bis kurz vor Mittag bereits 55 Nutzer ihren digitalen Pass in der Apotheke im Blankenburger Nordharz-Center abgeholt, berichtet Leiterin Susanne Bormann. „Das Interesse war schon nach der Ankündigung vergangene Woche riesengroß, wir haben jede Menge Anfragen zu bearbeiten.“

Darunter seien neben jungen Familien, die in den Urlaub fahren möchten, viele ältere Nutzer, die bereits ihren zweiten Pieks erhalten haben. „Ihnen müssen wir häufig bei der Technik helfen, aber das ist kein Problem“, erläutert Bormann. „Wer ins Ausland will, sollte besser CovPass installieren statt der Corona-Warn-App der Bundesregierung“, empfiehlt die Apothekerin.

Darum brauchen Kunden Geduld

Sie hat vorerst eine Mitarbeiterin für die Impfzertifikate abgestellt, der Rest ihres Teams soll ab Dienstag, 15. Juni, dafür geschult werden. Größtes Problem sei bislang, „dass die Internetseite dafür immer wieder hakt“. Deshalb bittet Susanne Bormann ihre Kunden vorerst um etwas Geduld: „Am besten am Tag nach dem Registrieren noch einmal vorbeischauen und den fertigen Nachweis mitnehmen.“

Auf das gleiche Prozedere setzt wegen der Startschwierigkeiten auch Nikola-Paula Eckerlin-Sohl. „Der erste Patient, der ein Zertifikat wollte, wartete schon um 8 Uhr vor unserer Tür“, sagt die Chefin der Raths-Apotheke am Nicolaiplatz in Wernigerode. „Wir hatten befürchtet, dass die Interessenten Schlange stehen.“ Das sei zunächst aber ausgeblieben. „Wenn es so weiterläuft wie bisher, sind wir relativ zügig durch“, gibt sich Eckerlin-Sohl optimistisch.

Steigt Nachfrage im Harz in nächsten Tagen?

Drei digitale Impfausweise bis in die Mittagsstunden. So lautet die Bilanz der Adler-Apotheke Zilly. Für den Starttag habe sie auch noch nicht mit einem Ansturm gerechnet, sagt die Chefin Saskia Geist. Aber sie rechne damit, dass die Nachfrage in der kommenden Zeit wachse. Darauf ließen auch telefonische Nachfragen einiger Kunden schließen. „Es sind doch alle froh, so ein Stück ihrer Freiheit zurückzuerhalten“, erläutert die Apothekerin.

Aktuell planen sie und ihr Team nicht, eine Terminvergabe für das Ausstellen der digitalen Impfausweise einzuführen oder gar einen Mitarbeiter nur dafür abzustellen. „Wir machen das spontan. Die meisten Kunden werden Geduld haben, wenn sie einen kurzen Moment auf die Ausstellung warten müssen“, sagt Saskia Geist optimistisch.

Am 1. November übernahm die Derenburgerin die Leitung der Apotheke in Zilly. Zu dem Zeitpunkt habe das Thema Corona bei den Kunden dominiert. Mittlerweile werden nicht mehr Fragen zu Covid-19 gestellt als zu anderen Erkrankungen, berichtet Saskia Geist. Es sei ihr Eindruck, dass sich die meisten mittlerweile mit dem neuartigen Virus arrangiert haben und das Thema am liebsten abhaken würden. Das sei neben der niedrigen Inzidenz und dem Impfortschritt ein Grund dafür, dass auch das Interesse ihrer Kunden, sich auf Corona testen zu lassen, deutlich gesunken sei.

Außer Apotheker-Sicht noch ungeklärte Fragen

Ähnliches berichtet ihr Kollege Ulrich Grosch, der Inhaber der „Apotheke am Bahnhof“ in Halberstadt. „Die Nachfrage ist jetzt spürbar gering“, sagt er. Auch halte sich noch – stand Montagmittag – die Nachfrage für die digitalen Impfpässe zurück. „Ich hätte mit mehr gerechnet“, gesteht der Apotheker. Die Ruhe sei medienwirksamen Bitten von Kollegen geschuldet, dass die Kunden nicht gleich am Starttag in die Apotheken ihrer Stadt stürmen sollen, mutmaßt Grosch.

Ein Umstand, der Vorteile biete. So können er und sein Team sich auf die neue Aufgabe vorbereiten. Immerhin dauere die Ausstellung des digitalen Impfpasses im Schnitt fünf Minuten pro Person – wenn denn die Technik reibungslos funktioniert. Noch seien der Apotheker und sein Team unschlüssig, ob sie die Ausstellung – so wie die Corona-Tests – nur noch vorheriger Terminvereinbarung anbieten, oder ob dies parallel zum normalen Betrieb geschehen könne. Das hänge nicht zuletzt davon ab, wie sich die Nachfrage in den kommenden Tagen entwickele.

Die eine oder andere Frage zu Handhabung sei also noch nicht geklärt. „Mit den Impfpässen hat uns Herr Spahn ja mal wieder überrascht – wie auch schon bei der Maskenausgabe oder den Tests“, sagt Grosch. Er finde es schade, dass bei solchen Entscheidungen diejenigen, die es betrifft – eben die Apotheker – oftmals selbst erst aus der Presse erfahren, was auf sie zukommt. Zwar böten Apothekenkammern und –verbände Hilfestellung, aber dennoch sei die Zeit für die Umsetzung oft denkbar knapp. „Aber grundsätzlich stehen wir bereit, die Impfnachweise auszustellen“, versichert Ulrich Grosch.

So funktioniert der digitale Corona-Impfpass:

  • Personen, die außerhalb eines Impfzentrums vollständig gegen das Corona-Virus geimpft worden sind, können seit Montag in Apotheken einen digitalen Impfnachweis erhalten. Laut Landesapothekerverband Sachsen-Anhalt (LAV) listet das Portal www.mein-apothekenmanager.de teilnehmende Apotheken auf.
  • Um das Zertifikat zu erhalten, müssen Kunden Personal- und Impfausweis vorgelegen. Die Apotheken erfassen Namen, Geburtsdatum, Impfdatum sowie Impfstoff und übermitteln diese Daten dem Robert-Koch-Institut. Dort wird das digitale Impfzertifikat in Form eines QR-Codes generiert, erläutert der LAV.
  • Wer bereits die notwendigen Apps – „CovPass“ oder die Corona-Warn-App – zum Ab-scannen auf seinem Smartphone hat, kann den QR-Code direkt speichern.
  • Apotheken können den QR-Code zudem ausdrucken. Dieser Papierausdruck kann etwa im Restaurant vorgezeigt werden. Möglich ist auch, das Zertifikat zu einem späteren Zeitpunkt einzuscannen und auf seinem Smartphone zu speichern.