Wernigerode l Auf dem Stein am Fuß der Traubeneiche steht eine Jahreszahl: 1866. Ulrich Eichler fragt: „Wisst ihr, was damals passiert ist?“ Die Mädchen aus dem Hort der Diesterweg-Schule schütteln den Kopf, und der ehemalige Umweltbeauftragte der Stadt Wernigerode berichtet von der Geschichte des Baumes an der Sylvestrikirche, der zum Stadt-Öko-Pfad zählt. Der Rundgang zu den grünen Sehenswürdigkeiten der Stadt wurde vor kurzem von der UN-Dekade für biologische Vielfalt als beispielhaft ausgezeichnet.

Die Traubeneiche am Teichdamm zeigt, wie eng Historie und Ökologie in Wernigerode miteinander verbunden sind. Sie stammt aus der Zeit, als Preußen gegen Österreich kämpfte und 1866 in der Schlacht von Königgrätz dem Gegner eine entscheidende Niederlage zufügte. „Aus Freude darüber wurde der Baum gepflanzt“, sagt Eichler. Die Grafschaft Wernigerode gehörte zu Preußen, viele Einheimische mussten mitkämpfen und ließen ihr Leben. Dass die Eiche ein prächtiger und stadtbildprägender Solitär werden würde, ahnte damals niemand.

Konzept aus 1990er Jahren

Ulrich Eichler kann viele Geschichten über die grünen Sehenswürdigkeiten Wernigerodes und die Lebensräume, die die Stadt Pflanzen und Tieren bietet, erzählen. Als städtischer Umweltbeauftragter hat er 2018 den Stadt-Öko-Pfad, der erstmals in den 1990er Jahren erdacht wurde, auf den neuesten Stand gebracht und ein en Flyer erarbeitet, das Interessierten den Weg weist.

Bilder

Entlang des vier Kilometer langen Rundganges, der auf dem Marktplatz beginnt und endet, befinden sich zahlreiche Biotope. 55 einzelne Bäume, die 28 unterschiedlichen Arten angehören, sind aufgeführt – vom Bergahorn am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium bis zum Urweltmammutbaum an der Stadtmauer. Hinzu kommen Baumgruppen, Alleen, Hecken, hohe Gemäuer und grüne Wände sowie Punkte, die einen guten Blick auf die beiden Flüsse, die Holtemme und den Zillierbach, bieten.