Blankenburg l Die Kritiker sagen, es sei eine Rolle rückwärts, für Blankenburgs Bürgermeister Heiko Breithaupt (CDU) ist es eine Möglichkeit, Klarheit in ein kurioses Kapitel der Stadtentwicklung zu bringen, das seit Jahrzehnten unvollendet geblieben ist: Ist die Bungalowsiedlung am Eichenberg nun eine Bungalowsiedlung zur reinen Erholung oder ein richtiges Wohngebiet?

Vor genau 15 Jahren hatte sich der Blankenburger Stadtrat bereits mit dieser Frage befasst, nachdem sich herumgesprochen hatte, dass sich in den Bungalows am Eichenberg nicht nur an Wochenenden und in den Ferien Menschen aufhalten, sondern anscheinend dauerhaft niedergelassen haben. Schon damals dürfte auch niemanden mehr überrascht haben, dass die Bungalows nicht mehr so aussahen, wie noch in den Anfangstagen der Siedlung 1978. Die Eigentümer hübschten ihre Datschen auf, sanierten, bauten kräftig um und an. Der ein oder andere sogar viel üppiger, als ursprünglich gedacht.

Seither hat die Stadtverwaltung zumindest planerisch einiges daran gesetzt, den Status des Areals als „Fremdenverkehrs- und Erholungsgebiet“ zu zementieren. Es wurde ein Bebauungsplan aufgestellt. Im Flächennutzungsplan ist das Gebiet als reine „Sonderbaufläche Wochenendhäuser“ ausgewiesen. Seit einigen Monaten ist die „Bungalowsiedlung Eichenberg“ nun wieder im politischen Gespräch. Auslöser war der Antrag eines Grundstückseigentümers vom Eichenberg, die Siedlung ganz offiziell in ein Wohngebiet umzuwandeln, in dem das ständige Wohnen zulässig ist. Was durchaus naheliegt, wenn man sich die idyllische Siedlung genauer betrachtet. Denn neben den kleinen Ferienhäuschen, die immer noch die Szenerie beherrschen, sind am Fuße des Eichenbergs auf wundersame Weise ein paar stattliche Eigenheime entstanden - allen städtischen Bebauungs- und Flächennutzungsplänen zum Trotz. Mehrere Etagen, Keller, Wintergarten, Garage lassen keine Zweifel aufkommen: Hier wohnen keine Feriengäste oder Großstädter nur übers Wochenende. Hier haben sich Blankenburger ein eigenes Reich mit grandiosem Blick über die Stadt geschaffen. Und das sogar höchst offiziell. Denn obwohl die Stadtverwaltung das Areal nie für eine Wohnbebauung vorgesehen hat, haben die jetzigen Eigenheimbesitzer gültige Baugenehmigungen - ausgestellt vom Bauordnungsamt des Landkreises Harz.

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Gespräch mit Landkreis

Am Mittwoch, 29. Mai - soll es einen Gesprächstermin mit Mitarbeitern der Kreisverwaltung zu diesem Thema geben, wie Bürgermeister Heiko Breithaupt in der jüngsten Sitzung des Stadtrates ankündigte. Bereits in der März-Sitzung hatte er die ursprüngliche Beschlussvorlage, die Eichenbergsiedlung endgültig zum reinen Naherholungsgebiet zu erklären, zurückgestellt und einen neuen Vorschlag unterbreitet. Nun soll ein sogenannter Varianten-Vergleich Klarheit dar- über bringen, ob der Eichenberg ein Wohngebiet ist oder nicht. „Das ist ein sehr komplexes Verfahren. Wir wollen aber für den Eichenberg eine abschließende Lösung finden“, erklärte Breithaupt.

Uwe Wollner, scheidendes Stadtratsmitglied der CDU-Fraktion, war damit gar nicht einverstanden: „Das ist genau das Gegenteil von dem, was wir wollten“, erklärte er und erinnerte daran, dass in der Vergangenheit Pläne zum Ausweisen von neuen Wohngebieten in der Stadt wieder zurückgenommen werden mussten. Auch für Ulrich-Karl Engel (Pro Blankenburg/Grüne) sei die neue Vorlage eine 180-Grad-Drehung. Er sei gespannt auf die Antworten von Stadt und Landkreis, wie „wir über die Jahre in dieses Problem reingeschliddert sind“. Sprich: Wie kann die Kreisverwaltung Baurecht in einem Gebiet erteilen, das dafür gar nicht vorgesehen war und ist? Laut Breithaupt sei der von ihm vorgeschlagene Varianten-Vergleich ein völlig offenes Verfahren, von dem nicht absehbar sei, wie es ausgehe.

Post „vom Amt“

Dies werden auch die Eigenheimbesitzer am Eichenberg mit Spannung verfolgen. Denn für sie ist die Begründung der Stadtverwaltung schwer nachvollziehbar, dass mit der Ausweisung als Wohngebiet enorme Kosten auf die Stadt zukommen würden. Denn sie seien nicht nur Eigentümer der Grundstücke, sondern auch der kompletten Anliegerstraßen. Dies sei beim Verkauf des Eichenbergs im Jahr 2003 zwingend von der Stadtverwaltung so vorgegeben worden, erinnern sich Eigentümer. Seither hätten allein sie sich um die Erschließung des Gebiets gekümmert. Kurios: Obwohl sie laut Stadtverwaltung eigentlich gar nicht dauerhaft dort wohnen dürften, sei auch schon Post „vom Amt“ angekommen - mit der Aufforderung, ihre Kinder zur Schule anzumelden.