Wernigerode l Es sieht aus wie ein Festnetztelefon, doch ans Ohr halten wird sich das Gerät in schickem Weiß niemand. „Das ist ein LED-Nachtlicht mit Bewegungsmelder“, erklärt Thomas Schatz. Der Sozialwissenschaftler bietet regelmäßig Technikberatung für Senioren beim Verein Tecla an und ist überzeugt, dass moderne Geräte den Alltag erleichtern.

Das Weihnachtsfest sei eine gute Gelegenheit, um nützliche Technik zu verschenken. Denn obwohl viele Geräte praktisch seien und wenig kosten, suchen Ältere oft nicht aktiv danach. „Alle wollen alt werden, dabei aber jung bleiben und möglichst nicht an ihr Alter erinnert werden“, sagt Schatz. Erwachsene Kinder könnten ihren Eltern da mit einem Geschenk auf die Sprünge helfen.

Automatisch eingeschaltet

Zum Beispiel in puncto Nachtlicht: „Wenn man nachts auf die Toilette geht, schaltet sich überall das Licht an und dann wieder aus“, so Schatz. Das Gerät erkennt Stromausfälle und schaltet sich automatisch ein. Damit könnten Stürze verhindert werden, die bei Älteren leicht in Oberschenkelhalsbrüchen enden können.

Praktisch ist das Licht auch für Jüngere. „Ich habe selbst in jedem Zimmer eins“, sagt der 44-Jährige. Ein Gerät, das er ebenfalls selbst nutzt, ist der elektrische Öffner für Gläser und Flaschen – praktisch für Menschen, die wegen Arthrose oder anderer Beschwerden in den Fingern nicht richtig zupacken können. Von dem Gerät überzeugt habe ihn eine Dame, die in der Beratung auf das Verschluss-Problem zu sprechen kam. „Zwei Wochen später hat sie den Öffner einem Bekannten in Dessau gekauft, der zuvor auf die Straße ging und Leute bat, ihm die Flaschen aufzumachen“, so Schatz.

Oft verleihen kleine Neuerungen alltäglichen Apparaten zusätzlichen Nutzen. „Super kommt zum Beispiel der sprechende Wecker an“, sagt der Experte und zeigt auf eine gewölbte Scheibe in futuristischem Silber. Wer darauf schlägt, dem wird die Uhrzeit angesagt – praktisch, wenn man nicht oder nur schlecht sehen kann. Sieben bis acht Euro kostet der Wecker – die anderen Geräte schlagen mit zehn bis 30 Euro zu Buche.

Sirene am Rollator

Viele Helfer seien gar nicht für Senioren erdacht worden – zum Beispiel das Stocklicht, das für Bergsteiger und Nordic Walker entwickelt wurde. „Man kann es aber auch an einem Rollator befestigen“, so Thomas Schatz. Es gibt außerdem, wenn man an einer Lasche zieht, ein 90 Dezibel starkes Sirenensignal von sich – sinnvoll, wenn man sich in Gefahr sieht und auf sich aufmerksam machen will. Mehr stilles Wohlbefinden beim Sitzen verschafft hingegen ein Drehkissen zum Sitzen. „Das entlastet deutlich den Rücken“, erklärt Schatz.

Ein weites Feld ist die altersgerechte Mobiltelefonie. Seniorenhandys mit extragroßen Tasten sind der Renner, sagt der Berater. „Das Besondere ist der SOS-Knopf auf der Rückseite.“ Damit werden automatisch der Freisprechmodus eingeschaltet und gespeicherte Notfallnummern gewählt. „Das gibt es auch in der Smartphone-Variante“, so Schatz. Zusätzlich Sicherheit bieten Umhänger, die wie eine Kette um den Hals getragen werden. Damit kann man, auch wenn man das Handy verlegt hat, im Freisprechmodus telefonieren. Wer Schwierigkeiten beim Lesen der Tageszeitung oder von Büchern hat, kann mit einem E-Book-Reader die Schrift augenfreundlich vergrößern.

Der Verein Tecla bietet wöchentlich montags Beratung in der altersgerechten Musterwohnung der Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft (WWG), Kopernikusstraße 8 in Wernigerode, an. Anmelden kann man sich unter Telefon 01 72-3 46 41 94. Einmal im Monat am Dienstag ist Schatz im Frauenzentrum zu Gast. Für Gruppen bietet er Vorträge, bei denen er rund 50 Alltagshelfer vorstellt, die an Ort und Stelle getestet werden können.