Schierke l Es ist mehr als nur Wandern als Ergebnis der Zukunftsveranstaltung in Schierker herausgekommen. Dazu eingeladen hatte am Freitag die Landtagsfraktion der Bündnisgrünen in die Schierker Baude. Die fünfstündige Vortrags- und Diskussions- veranstaltung unter dem Titel „Zukunft Schierke - Wohin geht die Reise?“ fand allgemein ein positives Ende.

Tourismus-Schatz

Die Fraktionsvorsitzende Cornelia Lüddemann versicherte, „alles zu tun, um Schierke voranzubringen, damit der Harz im Tourismus weiter Vorreiter ist“. Sie sagte auch zu, „sich mit den Verantwortlichen der Stadt Wernigerode zusammenzutun, sie zu unterstützen“ und würde gern in fünf Jahren feststellen, dass der „Tourismus-Schatz“ nicht nur geputzt, „sondern auch genährt wurde“.

Dass dafür das Potenzial im Harz „riesig ist“, bescheinigte Prof. Stefan Forster. Der Schweizer hielt ebenso wie Martin Balás aus Berlin einen Fachvortrag über die nachhaltige, naturnahe Tourismusentwicklung verschiedener Destinationen. Forster lobte in seinem Fazit das Ortsentwicklungskonzept der Stadt Wernigerode, das zu Beginn der Veranstaltung Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) in groben Zügen vorgestellt hatte. „Das ist der richtige Weg“, so Forster.

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Seilbahnblockade lösen

Gleichzeitig betonte der Schweizer, dass die Differenzen zwischen den Grünen und den Verfechtern des Entwicklungskonzeptes „nicht so groß sind“. Nur eins sei ihm deutlich geworden: „Löst so schnell wie möglich das Problem Seilbahn.“ Die seit 2016 anhaltende Schwebe im Verfahren „blockiert euch und das ist schade“. Die guten Ideen, die es für Schierke gibt, sollten konsequenter umgesetzt und klarer formuliert werden, empfahl Forster.

Zustimmung gab es auch vom Experte Balás. Die Angst, dass Schierke durch Seilbahn, Ganzjahreserlebniswelt und weiterer Hotelbauten im Massentourismus versinkt, entkräftete er. „Selbst durch die Bergbahn und die damit verbundenen Angebote wird der Ort kein Mallorca.“ Schierke und der Harz „können noch reichlich Naturtourismus vertragen“.

Harz-Destination beliebt

Wichtig und richtig sei die Ausgestaltung der ganzjährigen Angebote, deren Qualität und Nachhaltigkeit, damit Urlaubsorte nicht nur Schlafstätten sind. Dafür verantwortlich seien auch die Gastgeber. „Man sollte nicht vergessen, der Harz ist einer der bekanntesten und beliebtesten Destinationen in Deutschland.“

Andreas Meling, der die Umsetzung der Ortsentwicklungsprojekte in Schierke leitet und in der Diskussionsrunde Oberbürgermeister Gaffert vertrat, hielt es kaum auf dem Stuhl, als nach seinem Fazit gefragt wurde.

Seilbahn-Plan

„Erfreut habe ich vernommen, die Grünen sind nicht gegen die Seilbahn.“ Noch mehr, wie er sagte, die Aussage von Oliver Wendenkampf. Der Naturschützer vom BUND und bekennender Gegner der Seilbahn lobte die nachgebesserte Trassenführung, „die den Moorwald nicht mehr tangiert“, und bezeichnete den überarbeiteten Plan des Seilbahn-Investors „als sicherlich nun genehmigungsfähig“. Zwar steht diese Entscheidung noch aus und wird in Magdeburg im Verkehrsministeriuum getroffen, doch Andreas Meling konnte seine Freude nicht verbergen: „Dieser Wandel haut mich ja um.“

Er stellte außerdem erfreut fest, dass die von Cornelia Lüddemann und der Grünen-Ministerin Claudia Dalbert vorgetragenen Denkansätze für ein naturnahes und zukunftsfähiges Schierke nicht „weit von unseren Konzeptideen sind“. Meling weiter: „Allen geht es um eine Perspektive für die Menschen in Schierke, wo neue Angebote gebraucht werden.“

Dialogangebot

Vom Grundsatz her habe Wernigerodes Stadtrat „alles richtig gemacht, um den Ortsteil vor dem Verfall zu retten und ihn voranzubringen“, fügte Meling hinzu. Das Angebot, mit den Grünen im Dialog zu bleiben und diesen zu intensivieren, „nehmen wir gern an.“ Diesen Wunsch einer zeitnahen, engen Zusammenarbeit äußerte eindringlich auch Umweltschützer Oliver Wendenkampf. Er begrüßte die Diskussion um Schierke – „endlich einmal abseits der Skipiste“.