Wernigerode l Plastiktüten in vielen Farben baumeln in Bäumen und Büschen. Am Wegrand türmen sich Folienreste. Sogar bis zum nahen Holtemmebach in Richtung der Ausflugsgaststätte „Rothe Mühle“ schafft es der Plastikabfall, der über das Gelände der Abfallwirtschaft im Wernigeröder Ortsteil Reddeber flattert, beklagen sich Volksstimme-Leser in der Redaktion. Aber auch in der Nachbarschaft bei angrenzenden Betrieben erhitzt die ständige Verunreinigung die Gemüter. Lodderwirtschaft bei der Abfallwirtschaft?

Die Firmenfahrzeuge auf dem Hof des Entsorgungsunternehmen zumindest versprechen mit ihren Aufschriften etwas anderes: „Für einen sauberen Harz“ und „Umwelt leben und genießen“. Genuss sieht anders aus.

„Das ist wahrlich so“, sagt der Geschäftsführer Dirk Hirschfeld gegenüber der Volksstimme. Beschönigen wolle er die Verunreinigung im Umfeld der Abfallwirtschaft Nordharz GmbH nicht. „So etwas ist nicht in Ordnung.“ Mitarbeiter seien bemüht, den Plastikabfall einzusammeln. Gleichzeitig erklärt der 55-Jährige, dass die Vermüllung „extremen Situationen“ geschuldet sei.

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Starkwinde und Probleme bei Abtransport

Die Einschätzung beziehe er nicht nur auf Starkwinde in den vergangenen Wochen, die den Abfall, der in offenen Boxen auf dem Hof lagert, aufwirbelt und über den etwa fünf Meter hohen Maschendrahtzaun flattern lassen. Wegen der Betriebsferien bei Transportunternehmen zur Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel sei viel weniger Plastikabfall als sonst zu den abnehmenden Sortieranlagen gefahren worden.

Außerdem musste der Umschlagplatz für Material zur Weiterverwertung neu organisiert werden. Plastikabfall von Gewerbekunden, der sonst in der windgeschützten Dreiseiten-Halle lagerte, musste ins Freie weichen. „Wir brauchen die Boxen jetzt für die Lagerung von Pappe und Papier, begründet Hischfeld. Beides sei früher zu Ballen verpresst, in Boxen gelagert und abgeholt worden. Mittlerweile habe der Nordharzer Entsorger aber die Papierfabrik gewechselt. Der neue Partner nehme nur loses Material an. „Somit brauchen wir für das eingesammelte Papier mehr Platz und für die Qualitätssicherung ein schützendes Dach.“ Beispielsweise würden im Freien die Fasern aufweichen.

Für den Wechsel der Papierfabrik habe sich das Abfallunternehmen übrigens aus Kostengründen entschieden. „Die Entfernung zum neue Abnehmer ist kürzer und somit die Belieferung günstiger.“

Beschwerden wegen Holzstaubbelastung

Zurück zu den „Flattertüten“. Hier sichert der Geschäftsführer zu: „Wir werden etwas dagegen tun.“ Bereits vor Wochen sei dies entschieden worden, „denn neben den umher fliegenden Tüten und Planen haben wir ein Problem mit Holzstaub“. Letzteres sei besonders in den Sommermonaten akut gewesen. Bei der anhaltenden Trockenheit sei beim Abladen und Zerkleinern des eingesammelten Sperrmülls ständig Staub durch die Luft gewirbelt. Der Sperrmüllabfall werde wie viele andere Produkte auf dem Hof in Boxen gelagert. „Völlig zu Recht, gab es wegen der Holzstaubbelastung zahlreiche Beschwerden aus dem Umfeld“, sagt Hischfeld.

Beschlossen sei deshalb die Vergrößerung der Umschlaganlage. Die 3,60 Meter hohen Mauern der Betonboxen sollen um 40 Zentimeter erhöht und zusätzlich überdacht werden. Der Schutz soll mit einem Rundbogendach geschehen, dass vorn acht Meter hoch ist. „So können die Mitarbeiter bequem mit dem Radlader in die Boxen fahren und haben beim Verladen des Materials auf die Fahrzeuge genügend Platz“, erläutert der Geschäftsführer. Ein Ingenieurbüro sei beauftragt worden, die Pläne zu erarbeiten. Der Bauantrag soll noch im Januar bei der Kreisbehörde gestellt werden. Ob durch die baulichen Veränderungen, die in diesem Jahr realisiert werden sollen, kein Plastikabfall mehr in Feld und Flur flattert, bezweifle Hischfeld. Eine 100-prozentige Garantie könne er nicht geben, jedoch versichern: „Wir sind bestrebt unsere Werbeslogan einzuhalten und für einen sauberen Harz auch vor unserer eigenen Haustür zu sorgen.“

Laut Geschäftsführung entsorgt die Abfallwirtschaft Nordharz pro Jahr im Harzkreis rund 100.000 Tonnen Papier, Glas, Haus- und Sperrmüll sowie Plastikabfall. Davon sind etwa 6,5 Tonnen Gelber Sack von Privatkunden und Gewerbetreibenden.