Allrode l Erst ein lauter Knall, dann lässt eine heftige Druckwelle das Hotel in Allrode beben und „sprengt" mindestens eine Tür aus den Angeln. Es ist Sonntag gegen 21.15 Uhr als im Sport- und Wellnesshotel Harzer Land nichts mehr ist wie Augenblicke zuvor. In der Wohnunterkunft eines 18 Jahre alten Hotel-Auszubildenden hat es, soviel steht bislang definitiv fest, eine verheerende Detonation gegeben. Genauer: im Bad jenes Unterkunftszimmers. Die Ermittler der Polizei gehen davon aus, dass der Inhalt von zwei Spraydosen aufgrund einer offene Flamme explosionsartig in Brand geraten ist. Der junge Mann, so ein Sprecher des Harzer Polizeireviers am Montagabend, habe bei der Benutzung der Körperpflegemittel geraucht.

Die Folgen sind für den Betroffenen lebensgefährlich. Der 18-Jährige erleidet aufgrund der Stichflamme schwerste Brandverletzungen. Sie sind nach Polizeiangaben so schwer, dass aktuell unklar ist, ob der Mann das Unglück überlebt. Er wird nach der medizinischen Erstversorgung vor Ort sofort mit einem Hubschrauber in die hallesche Spezialklinik Bergmannstrost, ein Krankenhaus für schwer verletzte Brandopfer geflogen. Dem Vernehmen nach gehen die behandelnden Ärzte davon aus, dass der Zustand des Opfer bis zum Freitag kritisch ist.

Rettende Dusche

Einer der ersten Helfer vor Ort ist der Allröder Ortswehrleiter Frank Ulrich. Auch er spricht mit Blick auf die vorgefundenen Fakten von einer massiven Detonation. „Wir haben sogar Trümmerteile außerhalb des Gebäudes gefunden", berichtet er. So seien Teile des Sturzes über dem Fenster des Erdgeschoss-Zimmers herausgedrückt worden.

Zunächst kümmern sich die Ersthelfer und Retter vor Ort um den 18-Jährigen. Der junge Mann ist – nachdem er von der Stichflamme erheblich verletzt worden ist – in den hoteleigenen Pool gesprungen. „Mehrere Hotelgäste mit medizinischen Kenntnissen haben ihn schnell wieder aus dem Chlorwasser geholt, unter eine lauwarme Dusche gesetzt und so das Leben gerettet", berichtet Frank Ulrich.

Rettungshubschrauber

Auch Frank Ulrich, beruflich als Rettungssanitäter beim Eigenbetrieb Rettungsdienst der Kreisverwaltung angestellt, schaltet schnell. Er alarmiert über die Leitstelle sofort den Rettungshubschrauber Christoph 36. „Ich weiß doch, dass man derart verletzte Brandopfer nicht mit dem Rettungswagen transportieren kann."

Ein ausdrückliches Lob spricht der 45-Jährige den beiden Hotelgästen aus – sie hätten perfekt reagiert und gehandelt. Was letztlich nicht überrascht, denn auch sie sind medizinisch qualifiziert – die Frau als Rettungsassistentin und der Mann als Feuerwehrmann.

Daumen drücken

Gut möglich, dass das schnelle, couragierte und vor allem fachlich korrekte Handeln der Ersthelfer für Opfer der Explosion am Ende entscheidend ist. Frank Ulrich gibt, nachdem ausreichend Kameraden der Feuerwehren Allrode und Friedrichsbrunn vor Ort sind, die Einsatzleitung ab. Er wechselt in seinen Hauptberuf und unterstützt bis zum Abflug von Christoph 36 die Rettungskräfte.

Als der Helikopter mit Ziel Halle startet, können die Retter und Helfer kurz aufatmen. Sie haben alles getan, was ihnen möglich ist – jetzt könne auch die dem 18-Jährigen nur noch die Daumen drücken. Vor Ort, berichtet Ortswehrleiter Ulrich, sind die Feuerwehren Allrode und Friedrichsbrunn mit 24 Kameraden. Außerdem zwei Rettungswagen aus Hasselfelde und Harzgerode sowie ein Notarzteinsatzwagen.

Sachschaden

Auch im Hotel ist der Schaden beträchtlich. Mindestens eine Tür wurde von der Druckwelle aus der Verankerung gerissen, zudem wurde auch einen Leichtbau-Wand verschoben. Die Rede ist von rund 20 000 Euro Schaden. Teile des Hotels sind nach Polizeiangaben am Tag nach dem Unglück gesperrt.

Nicht nur wegen der Schäden, sondern auch wegen der polizeilichen Ermittlungen. Experten der Tatortgruppe des Landeskriminalamtes und ein Kriminaltechniker des Harzer Polizeireviers sind am Montag vor Ort, um die Ursache der Explosion zu ergründen. Stunden später bestätigen sie, was zuvor bereits alle Retter und Feuerwehrleute vermutet haben: Der junge Mann hat mit Spraydosen hantiert und dabei fatalerweise geraucht oder sich eine Zigarette angezündet. „Wir haben zwei Spraydosen gefunden", so der Leitende Einsatzbeamte vom Dienst im Harzer Polizeirevier am Montagabend.

Ein Fakt, der sich übrigens mit den Schilderungen von Wehrleiter Frank Ulrich deckt: „Löschen mussten wir nicht, es gab auch kaum Rußniederschlag." Was ebenfalls dafür spricht, dass sich ein Gas-Luft-Gemisch entzündet hat und mit kurzer, aber massiver Flammenbildung verbrannt ist.