Freizeit

Unternehmerpaar aus Benneckenstein entwickelt Outdoor Escape Games für den Harz

Nadine und Volker Herholt aus Benneckenstein entwickeln eine Reihe von Outdoor Escape Games. Rätselfreunde können Harzer Städte damit von einer neuen Seite erleben.

Von Katrin Schröder
Nadine und Volker Herholt aus Benneckenstein zeigen die Outdoos Escape Games, die sie entwickelt haben.
Nadine und Volker Herholt aus Benneckenstein zeigen die Outdoos Escape Games, die sie entwickelt haben. Foto: Katrin Schröder

Benneckenstein

Hans ist verschwunden: Der Privatdetektiv hat den mysteriösen Tod eines Mountainbike-Fahrers untersucht, die einzige Spur ist sein Notizbuch. „Man wird an jedem Punkt mehr in die Geschichte eintauchen“, verspricht Nadine Herholt. Sie hat gemeinsam mit ihrem Mann Volker den Fall rund um Hans erdacht, den andere spielerisch lösen sollen. Er gehört zu einer Reihe von Outdoor Escape Games, die das Paar aus Benneckenstein unlängst herausgebracht hat und die allesamt im Harz spielen.

Unter Spieleliebhabern sind Rätselspiele wie diese im Trend. Escape Rooms, auf deutsch: Fluchträume, können die Spieler als Sieger verlassen, wenn sie sämtliche dort versteckten Rätsel der Reihe nach gelöst haben. Ähnlich funktionieren Exit Games. Das ist auch outdoor, also unter freiem Himmel, möglich. Elemente beider Gattungen seien in ihren Spielen vereint, erklärt Nadine Herholt.

Die Idee für ein solches Harzer Rätselspiel habe schon seit geraumer Zeit in der Schublade gelegen, berichtet ihr Mann Volker. Doch es fehlte die Zeit, das gemeinsame Unternehmen Younit, das Seminare und Trainings vor allem zum Thema Teambuilding anbietet, lief auf Hochtouren.

Mit Corona geht nichts mehr

Das änderte sich mit der Corona-Pandemie. „Im März vergangenen Jahres war Schluss“, sagt der 53-Jährige. Veranstaltungen mit Gruppen waren nicht mehr möglich, ihr Geschäftsfeld brach unter den Corona-Auflagen zusammen.

In dieser Situation holten sie den langgehegten Plan aus der Schublade und machten sich im Frühsommer 2020 an die Umsetzung. Zur Unterstützung holten sie sich zum einen die Agenturen Harzkind aus Osterode und Story Art aus Nordhausen mit ins Boot. „Uns war es wichtig, dass wir jemanden finden, der aus der Region kommt“, so Volker Herholt. Zum anderen stand die Recherche im Vordergrund. Die Rätsel und die Routen mussten schlüssig sein: „Die Leute wollen Rundwege gehen, nicht im Zickzack“, weiß Nadine Herholt. Zudem sollten die Spiele so gestaltet sein, dass sie jederzeit und flexibel durchgespielt werden können.

Auf drei bis vier Stunden sind die Rätseltouren angelegt, die auch in Etappen absolviert werden können. Sie sollten ihre Schauplätze „möglichst breit erlebbar machen“, betont Volker Herholt – und sie sollten „sich im Kosmos der Städte bewegen“, ergänzt seine Frau. Daher erkundeten sie zunächst ausgiebig die Nachbarstadt Baunlage, in der das erste, im November veröffentlichte Escape Game spielt. Wichtig war, eine schlüssige Rahmenhandlung zu entwerfen: „Es steht immer eine Geschichte dahinter“, so die 42-Jährige.

Mystische Spurensuche

Die Ereignisse rund um Hans’ Recherchen und sein Verschwinden bezieht die deutsch-deutsche Historie der früheren Grenzregion mit ein. Ein unverhoffter Anruf der Großmutter bildet in Wernigerode, das Schauplatz des zweiten Escape Games ist, den Ausgangspunkt der Rätseltour. „Die Aufgabe ist, das Böse zu bannen. Die Geschichte ist eher mystisch angehaucht, das passt in Wernigerode gut“, sagt Nadine Herholt.

Das dritte Spiel erscheint in Kürze und nimmt die Spieler mit nach Goslar. Dort ist der große Stadtbrand von 1780 der historische Hintergrund für die Geschichte um eine Familie, die ihr Haus verloren hat.

Durch das geschichtsträchtige Quedlinburg wiederum werden die Spieler wie die Romanfigur Alice durch das sagenhafte Wunderland geleitet. Die Entwicklung der Spiele mache großen Spaß, sagt Nadine Herholt – ebenso wie die spätere Qualitätskontrolle. Vier- bis sechsmal müsse man ein neues Escape Game durchspielen, um Unstimmigkeiten aufzudecken. Dabei haben die Entwickler Hilfe von außen. „Wir haben einen Kreis von spielwütigen Testern“, berichtet Nadine Herholt.

Auftakt im Touristenort

Das vierte Spiel wird voraussichtlich im Juli erscheinen, soll aber nicht das letzte gewesen sein. „Wir möchten gerne ungefähr 20 Spiele über den Harz verstreuen“, so die Benneckensteinerin. Dass der Auftakt in Braunlage spielte, liege auch an dessen touristischer Bedeutung. „Viele in Wolfenbüttel, Braunschweig und Salzgitter wissen mit dem Ort etwas anzufangen“, sagt sie.

Das trifft offenbar auch auf das Konzept zu: Die Freiluft-Spiele hätten sich von Anfang an gut verkauft, sagt Volker Herholt. Zwei bis acht Personen können sich gemeinsam auf Spurensuche begeben, ideal sei eine Gruppengröße zwischen vier und sechs, sagt seine Frau. Angesprochen werden damit vor allem „Erwachsene, die gerne rätseln“, auch in Begleitung von Kindern ab sechs Jahren.

Noch stärker an Familien richtet sich das zweite Angebot, das die Herholts in der Corona-Zeit entwickelt haben. Die „You discover“-Spiele (deutsch: Du entdeckst) führen die Teilnehmer ebenfalls durch Harzer Städte, bisher können Wernigerode und Goslar so spielerisch entdeckt werden. „Das ist im Grunde eine interaktive Stadtführung mit kleinen Aufgaben und Rätseln“, erklärt Volker Herholt.

Bewusst analog

Beide Spielformen gibt es bewusst nur auf Papier und nicht als Online-Version. „Viele Kunden haben uns gespiegelt, dass sie jetzt, wo so vieles digital läuft, gerne auch einmal analog unterwegs sein möchten“, weiß Nadine Herholt. Ein weiterer Vorteil: Funklöcher sind kein Problem. „Man kann starten, ohne im Harz Empfang zu haben.“