Rübeland l Alljährlich im April wird an der Rappbodetalsperre fleißig gewerkelt. Der Regionalverband Harzer Urania putzt dann seinen Infostand heraus. Bis Oktober bieten sechs ehrenamtliche Referenten hier ihren besonderen Service an: Sie bringen ihr Wissen über das imposante Bauwerk sowie dazugehörige Themen wie Klima, Wetter und Trinkwasser unter die Leute.

„Wir werden am 9. April unsere Terrasse herrichten. Dann werden die Schaukästen eingehängt, die Schautafeln geöffnet und der Platz sauber gemacht“, erklärt Vereinschef Peter Schories. Die Urania freue sich schon jetzt auf möglichst viele Gäste. Auch wenn die Interessenlage durchaus unterschiedlich sei.

„Manche wollen nur Kaffee trinken, entspannen und in der Sonne sitzen oder sich die Hängebrücke anschauen. Andere kommen zu uns und wollen Informationen haben“, erläutert Peter Schories. Unentschlossene Besucher sprechen die Referenten direkt an, denn sie wollen ihre Wissen gern weitergeben. „Dabei stellen wir uns immer darauf ein, woran die Leute interessiert sind. Es ist letztendlich wie in der Schule. Man muss die Menschen abholen“, weiß er aus Erfahrung. Schließlich nütze es weder dem Vortragenden noch dem Besucher etwas, wenn die Freude auf der Strecke bleibt.

Deshalb sei keine Führung wie die andere. „Bei Reisegruppen dauern sie meist 20 bis 40 Minuten, weil dann der nächste Programmpunkt ansteht. Wir hatten aber auch schon Fachgruppen da, mit denen wir uns 90 Minuten lang ausgetauscht haben“, verrät der Vereinschef. Bei zwei bis 20 Vorträgen pro Tag liege die Spanne.

Auch auf die verschiedenen Altersgruppen, vor allem bei Schulklassen, könnten sich die Referenten einstellen – von der vierten Klasse bis zur Abiturstufe. Doch diese kommen schon länger nicht mehr. „Früher waren viele regionale Schulen bei uns. Seit drei Jahren wird unser Angebot aber nicht mehr genutzt“, wundert sich der 73-Jährige. Denn der Vorteil der Urania sei schließlich die enge Zusammenarbeit mit dem Lehrer, der die individuelle Unterrichtsstunde dann in der Schule vor- und nachbereiten könne.

Das schwindende Interesse an Informationen merke er während der Saison täglich. Das Angebot werde immer weniger angenommen. „Heute zählt nur noch der Erlebnistourismus, weniger der Bildungstourismus“, bedauert er. Sogar mit Anfeindungen haben er und sein Team zu tun. Denn nicht wenige Besucher würden sich über das Eintrittsgeld von 2 Euro pro Erwachsenem beschweren. „Wir haben zudem manchmal bis zu 180 Nachfragen pro Tag über das Angebot von Harzdrenalin. Das kostet unsere Kassierer viel Zeit und Nerven.“

Aber der Infopunkt sei eben nicht das Besucherzentrum und nicht ausschließlich eine Aussichtsplattform, sondern biete einen erheblichen Mehrwert. Siebeneinhalb Stunden pro Tag stehe hier ein Ehrenamtlicher bereit, um Interessierte für das Bildungsangebot zu begeistern.

„Wir informieren über die Historie von Talsperren, die bis ins Jahr 1891 zurückgeht, und über den Bau der hiesigen 106 Meter hohen Staumauer“, verdeutlicht Peter Schories. Aber auch das Hochwasser 1994, das das einzige Mal zum Überlaufen der Talsperre führte oder das Wasserwerk in Wienrode, über das 1,1 Millionen Menschen in Mitteldeutschland mit Trinkwasser versorgt werden, sind Bestandteil der Vorträge.

„Wir nutzen unsere sieben Schaukästen und fünf Schautafeln als Unterstützung des Referats. Denn was man hört und gleichzeitig sieht, prägt sich besser ein“, erklärt der Vorsitzende, der zudem als Referent tätig ist. Erst in den zurückliegenden zwei Jahren habe der Verein deshalb alle Schaubilder auf den neuesten Stand gebracht. So finden sich hier aktuelle Themen wie das Fichtensterben im Harz oder die Ursachen und Auswirkungen der Klimaänderung wieder. „Wir sprechen auch über die Vegetation, das Wetter und die Niederschlagssituation“, informiert er. Das alles hänge schließlich mit der Trinkwasser speichernden Talsperre zusammen.

Doch es werde nicht immer nur von der Technik geredet. „Manchmal entsteht auch ein privates Gespräch, beispielsweise über die Wendezeit oder woher man kommt. Das rundet die Sache ab und macht die Arbeit sehr interessant“, verrät er. „Ich habe es schon oft erlebt, dass der Referent sogar mit Handschlag verabschiedet wird.“

Trotz aller Bemühungen hat die Harzer Urania das Ziel von 30.000 Gästen in der Saison 2019 weit verfehlt. Nur 14.000 Besucher seien laut Schories gezählt worden. Und jeder fehlende Gast bedeute auch weniger Geld für die Vereinskasse. Doch um die laufenden Kosten für das Büro in Wernigerode zu tragen, die Kassierer zu bezahlen, für die Referenten zumindest eine Aufwandsentschädigung zu ermöglichen und anfallende Instandhaltungen finanzieren zu können, werde eben Geld benötigt. Die Zukunft des Angebots hänge davon ab.

Auch das Team selbst sucht Unterstützung, es mangelt an potenziellem Nachwuchs. „Die neuen Mitstreiter müssten außerhalb des Berufslebens stehen und sich gern engagieren wollen“, erklärt der Vereinsvorsitzende. „Die Qualifizierung ist kein Problem, da helfen unsere Referenten.“ Auf durchschnittlich fünf Tage im Monat belaufe sich während der Saison der Einsatz vor Ort. Interessenten können sich unter der Rufnummer (03943) 63 22 28 bei dem Verein melden.

Geöffnet hat der Urania-Info­punkt dienstags bis sonntags von 10 bis 17.30 Uhr. Montags wird das Bildungsangebot an allen Feiertagen realisiert sowie generell auf Anfrage von Reisegruppen.