Stiege l Böse Überraschung für den Verein Stabkirche Stiege: In der Nacht zum Sonntag sind Unbekannte in die Kirche eingebrochen, haben aus einem Nebenraum zwei Bierkästen und alkoholfreie Getränke entwendet. Und das ausgerechnet kurz vor dem Tag des offenen Denkmals, den der Verein nutzen wollte, um die Blicke auf die schmucke Holzkirche von 1904 zu lenken. Kurz nachdem die Polizei am Sonntagmorgen alles aufgenommen und die kaputte Schranke an der Einfahrt unter die Lupe sowie die Spuren, die in den Wald führen, dokumentiert hat, herrscht blankes Entsetzen über die Zerstörungswut unter den emsigen Vereinsmitgliedern.

Selbstgebackene Kuchen, Torten und Schmalzbrote haben sie trotz des Vorfalls liebevoll angerichtet. „Der Schreck steckt uns noch in den Knochen“, sagt Christel Eigenwillig, während sie die Servietten zurechtlegt. Die ersten Gäste sind schon um 10 Uhr am Gotteshaus. Christel Eigenwillig ist eines der Gründungsmitglieder des Vereins, der sich für die Umsetzung des Kleinods einsetzt. Und das, wie der jüngste Einbruch zeigt, aus gutem Grund: Es ist bereits der dritte Vorfall dieser Art.

Neben Bahnhof umsetzen

Das Kirchenhaus soll von seinem jetzigen Standort neben der Ruine des Albrechtshauses direkt an den Stieger Bahnhof umgesetzt werden – dort, wo es Vandalen und Störenfriede nicht so leicht haben wie im Schutz und Dunkel des abgeschiedenen Waldes zwischen Stiege und Güntersberge.

Bilder

„Wir können froh sein, dass die Kirche noch nicht abgefackelt wurde“, sagt Helmut Hoppe. Er ist Vorsitzender des Vereins. Nicht nur das: Auch die Jagdgenossenschaft, den Geflügelzuchtverein und den ganzen Ort mit seinen 1000 Einwohnern leitet der Dachdeckermeister, der trotz seiner 82 Jahre rühriger ist denn je.

Er zeigt die kaputte Tür hinter der Kirche , wo die Diebe die Zarge aufgehebelt haben. Dann führt er zu den eingeschlagenen Fenstern und zeigt ein Loch im Gemäuer. „Alles Schäden von Vandalismus“, sagt er. Mit einer Säge haben Einbrecher sich auch schon an dem Gebäude zu schaffen gemacht.

Verzweiflung ist groß

Die Verzweiflung unter den Vereinsmitgliedern und Stiegern ist groß. Einzige Hoffnung ist es, die Kirche doch noch umzusetzen. Doch das ist teuer: 450 000 bis 500 000 Euro kostet das Vorhaben, haben drei Planungsbüros ausgerechnet. Sie muss abgebaut, zerlegt, gelagert und wieder aufgebaut werden. Ein Zehntel der Summe hat der Verein zusammen gebracht. „Und das müssen wir bis 2025 schaffen, sonst fällt das Gebäude zurück an den Grundstücksbesitzer“, erklärt er. Die Zeit rennt davon.