Wernigerode l Sicherheit geht vor: In der unteren Breiten Straße wird es in der Adventszeit in diesem Jahr keine Verkaufsstände geben. „Wir fahren da eine klare Linie“, sagt Ordnungsdezernent Christian Fischer gegenüber der Volksstimme. „Aufgrund der Tatsache, dass das eine stark frequentierte Straße ist, haben wir starke verkehrs- und ordnungsrechtliche Bedenken.“

Um den Weihnachtsmarktbesuchern ein ungetrübtes Flanieren zum Markt und wieder zurück zu ermöglichen, war 2016 und 2017 ein Teil der unteren Breiten Straße für Autos gesperrt worden. Im vorigen Jahr war die Straße halbseitig gesperrt, der Rest als verkehrsberuhigter Bereich ausgeschildert. Vor der Gaststätte „Zur Tanne“ wurden Buden aufgestellt, um diesen in der Adventszeit eher vernachlässigten Abschnitt ins weihnachtliche Geschehen einzubeziehen. Die Händler zwischen Ringstraße und Stadtecke hatten sich zuvor mehrfach dafür stark gemacht.

Die vergangenen Jahre hätten aber gezeigt, dass eine Sperrung in der Weihnachtszeit nicht zu händeln sei, so Fischer. Autofahrer hätten die Sperre missachtet. Zudem war sie nur mit Umleitungen im umliegenden Wohnquartier möglich – was in der Adventszeit, in der besonders viele Besucher nach Wernigerode strömen, zu einem Verkehrschaos geführt hatte. Und das wegen einiger weniger Buden, wie etliche Anwohner monierten.

Kaum Bewerber

Im Bereich Ecke Ringstraße kam es tagtäglich zu gefährlichen Situationen. Laut Ordnungsdezernent Christian Fischer wurde im vergangenen Jahr sogar eine Fußgängerin von einem Auto touchiert.

Die Entscheidung gegen eine Sperre sei verwaltungsintern im August getroffen worden. „Die Qualität eines Weihnachtsmarktes zeichnet sich nicht dadurch aus, dass sämtlicher Straßenraum genutzt wird, um den Markt in die Länge zu ziehen“, so der Dezernent. „Das hat keinen Mehrwert.“ Zumal es für die untere Breite Straße in diesem Jahr kaum Bewerber gegeben habe. Im Übrigen könnten die ansässigen Händler und Gastronomen auch ohne Straßensperre und Buden für weihnachtliche Stimmung in dem Straßenabschnitt sorgen. Sie könnten dekorieren, so Fischer weiter. „Auch in den Höfen kann Ambiente geschaffen werden. Es spricht nichts dagegen.“

Geteiltes Echo

Das Nein zur Flaniermeile in der unteren Breiten Straße hatte bereits in der Sitzung des Ordnungsausschusses für geteilte Meinungen gesorgt. Die Fläche vor der „Tanne“ sei die engste Stelle der Straße und für Buden ungeeignet, meldete sich Hagen Bergmann (CDU) zu Wort. Zudem gebe es in der Fußgängerzone und weiter hinten an der Stadtecke genügend Raum. André Boks (SPD) fragte, ob es tatsächlich so viele Gastronomen gebe, „die „nach einer Bude an der Stelle schreien“. Er könne sich das nicht vorstellen. Deshalb halte er es für „wenig sinnvoll und für Zeitverschwendung“, sich in die Angelegenheit hereinzudenken.

Matthias Winkelmann (CDU), selbst ein Geschäftstreibender in der unteren Breiten Straße, sprach dagegen von einer willkürlichen Entscheidung der Verwaltung. Die Geschäftsinhaber hätten bereits während der Straßensanierung in den vergangenen Monaten gelitten. Für sie sei es wichtig, dass sich die Besucher in der geschäftlich lukrativen Weihnachtszeit länger zwischen Stadtecke und Ringstraße aufhalten. Dafür müssten jedoch attraktive Verweilpunkte geschaffen werden. Von der Verwaltung forderte Winkelmann eine Umsetzung der Weihnachtsmarktsatzung, in welcher auch die untere Breite Straße als Weihnachtsmarkt-Gelände festgeschrieben sei „Andere Bereiche werden auch nicht in Frage gestellt.“

Die Verwaltung sei nicht verpflichtet, in allen in der Satzung benannten Flächen Buden aufzustellen, erläutert Christian Fischer gegenüber der Volksstimme. Die öffentliche Sicherung sei ein höherrangiges Recht, die der Satzung widerspreche.