Rübeland l Verstärkt kontrollieren und alle Verstöße konsequent ahnden: Mit dieser Maßgabe reagiert die Harzer Polizei auf die jüngsten Treffen von Fans der Tuningszene im Umfeld von Rappbodetalsperre und Tunneldurchfahrt. Am Wochenende hatten dort laut Polizei rund 1000 Menschen mit rund 500 Fahrzeugen für ein absolutes Verkehrschaos gesorgt. Insbesondere im Tunnel – in der Szene als Soundröhre Harz tituliert – ging es heiß her. Nicht zum ersten Mal 2019, bereits eine Woche zuvor hatten sich Fans lauter Motoren dort oben spontan verabredet und so für Lärm und Chaos gesorgt.

Daher stellt sich aus Sicht der Verantwortlichen bei der Polizei, der Stadtverwaltung Oberharz/Brocken und der Landesstraßenbaubehörde die Frage, wie sich im Sommerhalbjahr weitere Chaostage an der Talsperre verhindern lassen.

Die Polizei hat mit Blick auf Verkehrsaufkommen und Menschenmassen am Sonnabend zumindest Alarm geschlagen: Weil der öffentliche Parkplatz unweit der Staumauer zu 100 Prozent belegt war, seien entlang der Landesstraße 96 zwischen dem Abzweig zur B 81 und der Staumauer beidseitig Fahrzeuge geparkt worden. Auch auf der Staumauer selbst seien Fahrzeuge abgestellt worden. Analog das Bild auf der anderen Seite des Tunnels in Richtung Rübeland – laut Polizei auf einer Strecke von rund 1,5 Kilometer Länge beidseitig geparkte Autos, sodass von den Fahrzeugen und von Personen, die sich teilweise auf der Fahrbahn befanden, eine Behinderung für eventuell agierende Einsatzfahrzeuge (Rettungswagen, Feuerwehr, Polizei) oder den fließenden Verkehr gegeben war.

Saison für Tuningfans hat erst begonnen

Eine Situation, die aus Sicht von Polizeisprecherin Nadine Sünnemann zwingend Anlass zum Handeln gibt. Zumal die Saison, in der Tuningfans ihre Fahrzeuge herausholen, ja gerade erst begonnen habe und folglich mit weiteren derartigen spontanen Aktionen gerechnet werden müsse. „Seitens unseres Einsatzdienstes gibt es klare Aufträge, um mit Blick auf Tempo, Parkverstöße und den technischen Zustand der Fahrzeuge für einen hohen Kontrolldruck zu sorgen“, stellt die Kriminalrätin klar. Bei Kontrollen werde dann alles geahndet – angefangen bei Vergehen im ruhenden Verkehr bis hin zur Stilllegung von absolut verkehrsunsicheren Fahrzeugen oder getunten Autos, bei denen Einbauten nicht ordnungsgemäß abgenommen und eingetragen seien.

All das allein, ist Nadine Sünnemann überzeugt, werde jedoch nicht ausreichen, um die aktuellen Probleme rund um Staumauer und Tunnel auf Dauer in den Griff zu bekommen. „Wir müssen uns auf jeden Fall alle an einen Tisch setzen, denn wir allein als Polizei können das Problem nicht lösen.“

Mit alle dürften Vertreter der Stadt Oberharz ebenso gemeint sein wie Verantwortliche der Landesstraßenbaubehörde (LSBB) oder dem Straßenverkehrsamt. Wie schnell sie zusammenkommen und welche Lösungen dann konkret thematisiert werden, bleibt abzuwarten.

Bauliche Gegenmaßnahmen ausgereizt

Durchdrehende Reifen und aufheulende Motoren im Tunnel dürften mit baulichen Schritten allein kaum zu verhindern sein. Darüber hinaus seien „bauliche Maßnahmen“ nahezu ausgereizt, so die Polizeisprecherin. So waren an den Tunneleinfahrten Rüttelstreifen auf der Fahrbahn platziert worden, um Raser zumindest punktuell auszubremsen. Zudem wurden entlang der L 96 Leitplanken montiert, um das illegale Parken am Straßenrand zu verhindern.

Nun dürften neue Ideen gefragt sein, um in der Tuningszene als Spaßbremse zu fungieren. Verbote dürften dabei ein Aspekt sein – deren Kontrolle der andere. Stefan Hörold, Chef der LSBB-Regionalniederlassung in Halberstadt signalisiert Gesprächsbereitschaft, ebenso Oberharz-Bürgermeister Ronald Fiebelkorn (CDU).