Schmatzfeld l Radler, die entlang der Bundesstraße 244 zwischen Schmatzfeld und Wernigerode den Radweg nutzen, müssen seit geraumer Zeit etwas mehr Zeit mitbringen. Denn beim Überqueren des Zubringers zur vielbefahrenen Auf- und Abfahrt Wernigerode-Nord der Autobahn 36 müssen Radfahrer nunmehr sogar den Verkehr auf der eigentlich untergeordneten Straße passieren lassen, bevor sie weiterfahren dürfen. Warum? Schließlich ist ein parallel zur Hauptstraße angelegter Radweg diesem hinsichtlich der Vorfahrtsregelung gleichgesetzt.

Zwar gibt es Ausnahmen. Zum Beispiel wenn der Radweg abgesetzt und mehr als fünf Meter von der Hauptfahrbahn entfernt ist. Oder wenn er mit Hecken visuell von der Fahrbahn getrennt ist. All das ist südlich von Schmatzfeld allerdings nicht der Fall. Früher hatten die Radler parallel zur Bundesstraße auch hier den Vorrang. Doch diese Kreuzung entwickelte sich zu einem Unfallschwerpunkt, so dass 2016 und 2017 schrittweise die Vorfahrtsregelung geändert wurde.

Verletzte

Uwe Raugust, im Polizeirevier Harz für Verkehrsorganisation zuständig, erinnert gegenüber der Volksstimme an die dramatischen Zahlen aus den Jahren 2014 bis 2016. Zehn Unfälle, bei den Menschen zu Schaden kamen – mit einem Toten, vier Schwerverletzten und 14 Leichtverletzten. In acht Fällen habe die Ursache bei Fehlern von Autofahrern gelegen, die von der B 244 auf den Autobahnzubringer abbogen.

Die Behörden reagierten darauf zunächst mit Beschilderungen, die auf den Unfallschwerpunkt hinwiesen und deshalb besondere Aufmerksamkeit anmahnten. Uwe Raugust berichtet von regelmäßigen Beratungen und Ortsterminen, bis es im September 2016 zur aktuellen Lösung kam, darunter das Einkürzen der Rechtsabbiegespur auf der B 244 von Schmatzfeld kommend, Stahlgleitwände von etwa 70 Meter Länge sowie die Änderung der Fahrbahnmarkierung und Beschilderung.

Rückgang

Bis Ende 2017 zeigte sich danach ein spürbarer Rückgang des Unfallgeschehens, bilanziert Raugust. Insgesamt nur noch sechs Unfälle ereigneten sich, davon aber einer mit einem Radfahrer, der mit einem linksabbiegenden Pkw kollidierte. Daraufhin wurde in der zweiten Jahreshälfte 2017 zur Sicherheit der Radler auch deren Vorfahrtsregelung geändert, indem nun also auch sie die Vorfahrt gewähren müssen, obwohl sie parallel zur Bundesstraßen-Fahrbahn eigentlich Vorfahrt haben.

Der insgesamt doch positive Trend des Jahres 2017 setzte sich indes 2018 nicht fort. Raugust spricht von einer Wiederzunahme des Verkehrsunfallgeschehens. Bei sechs Unfällen wurden Personen verletzt. Schwerpunkt seien die aus Richtung Wernigerode kommenden Linksabbieger.

Gefahr

Es bleibt also eine gefährliche Stelle südlich von Schmatzfeld. Die, wie auch Uwe Raugust einschätzt, in der jetzigen Form nur ein Provisorium sein kann. Wie sie dauerhaft entschärft werden kann? Stefan Hörold, der Leiter des Halberstädter Regionalbereichs der Landestraßenbaubehörde, berichtet, dass man erst noch die Unfallentwicklung im Jahr 2019 abwarten wolle, bevor es zu einer Entscheidung über bauliche Korrekturen kommt. Würde gebaut, wären grundsätzlich eine Ampelregelung oder ein Kreisverkehr denkbar, erstere aber wohl realistischer. Denn Hörold weist darauf hin, dass ein Kreisverkehr von der Planung bis zur Fertigstellung einen vergleichsweise langen Vorlaufzeitraum von vier bis fünf Jahren erfordern würde.