Investition

Von der Behörde zum Seniorenhaus

Der Umbau des ehemaligen Finanzamtes zur Seniorenwohnanlage ist in Gange. Laut Plan können die ersten Mieter vor Weihnachten einziehen.

Von Katrin Schröder 08.04.2016, 01:01

Wernigerode l Staub liegt auf dem nackten Betonfußboden. Kabel baumeln von der Decke, in den Gängen stapeln sich Metallleisten und Leuchtstoffröhren, von fern hämmern Bohrer. Im ehemaligen Finanzamt in Wernigerode tummeln sich derzeit die Handwerker. Im Auftrag der MDU-Gruppe, eines Immobilienunternehmens aus Meißen, wird der frühere Behördensitz in der Gustav-Petri-Straße zum Seniorenwohnhaus umgebaut. Auf rund 4500 Quadratmetern entsteht seniorengerechter Wohnraum für rund 120 Menschen.

Bis die ersten Mieter einziehen können, ist noch einiges zu tun. Bodenfilz, Lampen, Tapeten, die Trockenbauwände zwischen den früheren Büros und die Innenverkleidung des Daches: Alles, was im Inneren an das alte Finanzamt erinnert, kommt weg. „Wir erledigen statisch nicht relevante Abbrucharbeiten“, sagt dazu Joachim Hannemann, Inhaber des Ingenieurbüro Fürll und Hannemann aus Dresden.

Mit den Arbeiten, die seit Anfang März laufen, geht es schneller voran, als die Planer zunächst veranschlagt hatten. Wenn, wie erwartet, in wenigen Tagen die Baugenehmigung eintrifft, beginnen die Rohbauarbeiten. MDU-Geschäftsführer Ronny Dürschke lobt die Zusammenarbeit mit dem Harzkreis und der Stadtverwaltung. „Wernigerode ist extrem schnell.“ Wenn alles nach Plan läuft, wird das neue Seniorenwohnhaus vor Weihnachten bezugsfertig.

Zuvor wird ein neuer Aufzugsschacht gebaut, die Fassade mit Brandschutzriegeln versehen, und neue Wände werden errichtet. Im Erdgeschoss werden Seniorenwohnungen sowie eine Tagespflege mit Therapieräumen und Pflegebädern gebaut. Vorgesehen sind Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen, die zwischen 30 und 50 Quadratmetern groß sind.

Weitere Wohneinheiten werden im zweiten und dritten Obergeschoss entstehen. „Das Angebot richtet sich nicht nur an geistig gesunde Menschen mit möglichen körperlichen Einschränkungen, sondern an alle Menschen mit Betreuungsbedarf“, so Dürschke. Alle Wohnungen verfügen über breite Türen sowie bodengleiche Duschen und sind per Aufzug erreichbar. Die Bewohner können nach Bedarf Hilfe im Haushalt oder Pflegeleistungen hinzukaufen.

Wie viele Wohnungen in welcher Größe letztlich eingerichtet werden, bestimmt die Nachfrage. „Da sind wir variabel“, sagt MDU-Geschäftsführer Ronny Dürschke. Das Interesse sei aber bereits jetzt groß. „In unserer Wohnungsverwaltung laufen die Drähte heiß.“ Er vermutet, dass in Städten wie Wernigerode, in denen vergleichsweise wenig neu gebaut worden sei, altersgerechter Wohnraum relativ knapp ist.

Dieser entstehe zunehmend im Zentrum von Städten. „Die Leute wollen nicht mehr am Stadtrand, auf dem Abstellgleis wohnen, sondern mittendrin“, sagt Ronny Dürschke. Eine Herausforderung stellte nach seinen Worten der Umbau des früheren Amtsarchiv dar. Das Dach des fensterlosen Raumes im Erdgeschoss soll zum darüberliegenden Innenhof geöffnet werden. Der Durchbruch soll seitlich verglast und das somit entstehende Atrium als Aufenthalts- und Speiseraum dienen. Im ersten Obergeschoss werden zwei Demenz-Wohngemeinschaften mit insgesamt rund 25 Plätzen eingerichtet, erklärt Dürschke. Mit dieser Wohnform hätten die MDU-Gruppe sowie der künftige Betreiber der gesamten Tagespflege, der advita Pflegedienst, gute Erfahrungen gesammelt. „Wir wollen den Bewohnern ein weitgehend selbstbestimmtes Leben ermöglichen“, so Dürschke. Es sei jedoch ständig Betreuungspersonal vor Ort. Der Innenhof soll als geschützter Freiraum mit Bänken und Bepflanzung ausgestattet werden.