Wernigerode l Schierkes Ortsentwicklung auf halber Strecke stehen geblieben? Diese Aussage von Thomas Balcerowski (CDU) weist Wernigerodes OB Peter Gaffert (parteilos) entschieden von sich.

Balcerowski, selbst Stadtchef von Thale, geht am 5. Juli ins Rennen um den Posten des neuen Landrats. Bei seinen Wahlkampfterminen hatte er sich in den vergangenen Tagen mehrfach zum Thema Schierke geäußert. Er freue sich, dass die Stadt Wernigerode den Ort Schierke entwickele, so Balcerowski am Montag beim Wahlforum der Kreisverwaltung in Halberstadt. Ob die geplante Seilbahn der richtige Weg sei, müsse geklärt werden. „Das Projekt ist sicherlich tot.“ Die Ortsentwicklung sei damit auf der „Mitte der Strecke stehen geblieben“, so Balcerowski im Gespräch mit der Volksstimme. Die Stadt Wernigerode brauche einen Plan B. Als künftiger Landrat wolle er helfen, sehe die Bürgermeister als seine Partner.

Verwunderung

Aussagen, die Peter Gaffert nicht zu schmecken scheinen. Balcerowskis Äußerungen hätten ihn verwundert, so Gaffert in einer schriftlichen Stellungnahme. „Insbesondere dass wir bei der Entwicklung auf halber Strecke stehen geblieben seien.“ Seit über zehn Jahren treibe die Stadt Wernigerode gemeinsam mit dem Stadtrat die Ortsentwicklung mit viel finanzieller Unterstützung vom Land und der Stadt „sehr erfolgreich“ voran. Von „halber Strecke“ könne nicht die Rede sein, so Gaffert weiter.

Als Beispiele führt der OB das Parkhaus, neue Straßen und Brücken, die Feuerstein-Arena, den Kurpark und „zahlreiche“ Hotelinvestitionen an. „Wir haben dem Ort zu neuer touristischer Blüte verholfen.“ Er sehe die Stadt Wernigerode auch weiter in der Verpflichtung, dem Ort Perspektive zu geben. Aber: In welcher Form und mit welchen Projekten die Entwicklung des Ortes fortgeführt werde, liege zunächst in den Händen der Stadt Wernigerode. „Gern nehmen wir die Unterstützung des Landkreises in Anspruch.“

Schierke noch nicht fertig

Gaffert solle „mal weniger dünnhäutig“ sein, so Balcerowskis Reaktion auf die Schelte seines Amtskollegen aus Wernigerode. „Mit den Eitelkeiten von Herrn Gaffert habe ich nichts zu tun. Die sind mir egal“, so der CDU-Politiker zur Volksstimme. Schierke sei ihm dagegen nicht egal, weil der Ort viel Potenzial habe. „Aber was in Schierke bisher geschafft wurde, macht auf mich keinen fertigen Eindruck.“ Das eine oder andere Vorhaben sei ins Stocken geraten. „Wenn man merkt, dass es nicht weiter geht, muss man sich etwas anderes überlegen.“

Und ganz ohne den Landkreis gehe es ohnehin nicht, beispielsweise was Genehmigungen angehe, so Balcerowski weiter. Die Stadt Wernigerode sei aus seiner Sicht immer dann am erfolgreichsten gewesen, wenn OB und Landrat zusammengearbeitet hätten - wie zu Zeiten von Gafferts Vorgänger Ludwig Hoffmann (SPD) und Ex-Landrat Michael Ermrich (CDU). „Wo keiner den anderen belehrt hat“, so der Landratskandidat. „Ich habe Wernigerode meine Hilfe und meine Erfahrungen angeboten, und dazu stehe ich auch.“

Freude über Entwicklung

Schierkes Ortsbürgermeisterin Christiane Hopstock (CDU) indes freut sich über all das, was in Schierke bereits umgesetzt wurde. „Es hat sich so viel getan in den letzten Jahren. Stehen geblieben ist da nichts“, sagt Hopstock auf den Zwist von Balcerowski und Gaffert angesprochen. Natürlich dürfe die Entwicklung jetzt nicht stocken. „Wir brauchen beispielsweise noch mehr Angebote. Die Gäste müssten beschäftigt werden.“ Deshalb kämpfe sie weiter für den Winterberg, ob Sommer oder Winter.

Zum Hintergrund: Das Seilbahn-Projekt gilt als wichtigster Baustein für die Ortsentwicklung Schierkes. Zusammen mit einem Privatinvestor plant die Stadt Wernigerode eine Ganzjahreserlebniswelt am Schierker Winterberg mit Seilbahn, Luchserlebniswelt, Spielplatz und einer Skipiste für die Wintermonate. Um die notwendige Infrastruktur zu schaffen, wurden in den vergangenen Jahren Millionen von Euro in den Bau eines Parkhauses und einer Zufahrtsstraße mit mehreren Brücken investiert. Das Problem: Das Wander- und Skigebiet am Schierker Winterberg ist politisch wie naturschutzrechtlich umstritten, unter anderem, weil die geplante Seilbahntrasse geschützte Moorwälder tangiert. Die Seilbahn hängt seit vier Jahren an der ersten Hürde - dem Raumordnungsverfahren - fest. Umweltverbände haben bereits Klagen angedroht. Wernigerodes Stadtrat will das Projekt nun neu bewerten und diskutiert aktuell über die Aufhebung des eigenen Grundsatzbeschlusses zur Winterberg-Entwicklung von 2013.