Treseburg l Der Felssturz – entdeckt am Montag von einem Thalenser Wegewart – hat sich sehr wahrscheinlich am Wochenende ereignet. Schätzungsweise zwei bis 2,5 Kilometer von Treseburg entfernt und wiederum rund 200 bis 300 Meter hinter dem Abzweig zum Kaestental in Richtung Thale, seien die schweren Brocken niedergekracht, berichtet Hans Schattenberg, Chef des Forstbetriebs Ostharz. „Es war großes Glück, dass zu diesem Zeitpunkt wirklich niemand auf dem Wanderweg unterwegs war.“

Schattenberg legt seine Betonung auf das Wort „wirklich“. Denn aktuell sei der Harzer Hexenstieg im Bereich des Bodetals witterungsbedingt ohnehin grundsätzlich gesperrt. Ein Grund sei die punktuell sehr schwierige Wegstrecke, die im Zusammenspiel mit Schnee und Eis teuflische Gefahrenpunkte bekomme. Außerdem sei im Winter und im Frühjahr die Gefahr von Felsstürzen – wie jetzt passiert – extrem groß. Allerdings ignorierten sehr viele Wanderer die Verbotsschilder.

Ein Fakt, den Thales Bürgermeister Thomas Balcerowski bestätigt: „Seit 200 Jahren ist das Bodetal begehbar, und seit Ewigkeiten gibt es diese Wintersperrung“, berichtet der CDU-Politiker. Insbesondere im Bereich hinter dem Gasthaus Königsruhe in Richtung Treseburg sei die Gefahr sehr hoch.

Kein Mobilfunk-Netz im Bodetal

Warum? Der Weg wechsele auf die Nordseite des Tals, liege also besonders lange im Schatten. Dort gebe es viele Gebirgsbäche, die talwärts fließen und bei Frost schnell gefrieren. Dann werde es teuflisch glatt. Wer dort dann ausrutsche, drohe weit abzustürzen und schlimmstenfalls in der eiskalten Bode zu landen. „Nicht nur die Gefahr, sich beim Sturz schwer zu verletzten, ist real – auch andere Umstände sind höchst problematisch“, erinnert Balcerowski. Im Tal gebe es kein Mobilfunk-Netz. Wer allein unterwegs sei und verunglücke, gerate schnell in Lebensgefahr, weil er keine Retter alarmieren könne.

„Ich hab‘ einmal gesehen, wie prekär die Lage im Winterhalbjahr sein kann – für mich gibt‘s keine Debatte über die Notwendigkeit der Wintersperrung“, betont Balcerowski. Wanderer sollten das Verbot im eigenen Interesse akzeptieren.

Ein Fakt, bei dem sich Balcerowski und Schattenberg absolut einig sind. Schattenberg erinnert an die mehrsprachigen Schilder, mit denen auf die latent immer vorhandene Steinschlag-Gefahr hingewiesen werde. Gerade im Winter, wenn Wasser in Felsspalten dringe, gefriere und dann eine Sprengwirkung entfalte, sei die Gefahr groß. „Letztlich braucht man nur in die Bode zu schauen – jeder Fels, der dort liegt, ist irgendwann runter gestürzt“, erinnert Thomas Balcerowski.

Wanderer ignorieren Verbotsschilder

Für Forstmann Schattenberg sind nicht nur die Gefahren real, in die sich Wanderer begeben, wenn sie Verbote ignorieren. „Letztlich bringen sie dann auch die Menschen in Gefahr, die sie retten müssen.“ Das Missachten von Verboten beobachtet Schattenberg nicht nur im Bodetal. „Auch andernorts bei Waldarbeiten werden eindeutige Schilder ignoriert – mit der Konsequenz, dass sich die Menschen in akute Lebensgefahr begeben.“

Apropos Gefahr: Am Donnerstag wollen die Vertreter des Landesforsts, in deren Verantwortlichkeit weite Teile des Bodetalwanderwegs liegen, mit Geologen und anderen Experten beraten, was nach dem Felssturz passiert. Klar ist: Irgendwann März/April ist der Bodetal-Weg wieder frei.