Wernigerode l Wer im Sommer seinen Garten bewirtschaftet, braucht dazu viel Wasser. Nutzen könnte man das Nass aus dem eigenen Brunnen – wenn es nicht zu viele Schadstoffe enthält, sagt Harald Gülzow. Der Experte vom Verein VSR-Gewässerschutz hat vor Kurzem in Wernigerode mit dem Labormobil Station gemacht.

In der gesamten Bundesrepublik sind Gülzow und seine Mitstreiter unterwegs. 31 Proben landeten in Wernigerode auf seinem Tisch. In einem ausgebauten Transporter untersuchte der studierte Physiker Wasserproben, die ihm Einwohner vorbeibrachten. Einige konnte er vor Ort untersuchen, die übrigen Tests wurden in einem externen Labor vorgenommen. Während einige Interessenten das Wasser aus ihrem Wasserhahn oder aus einem Bach untersuchen ließen, stammten 22 Proben aus Brunnen in heimischen Gärten. Ihre Beschaffenheit lässt laut Gülzow Rückschlüsse auf die Belastung in der Umgebung zu.

Gärreste verursachen Verschmutzung

In einem Viertel der Wasserproben lag die Nitratkonzentration über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Der höchste Wert wurde mit 107 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Veckenstedt festgestellt. Weitere stark mit Nitrat verschmutzte Brunnen wurden in Silstedt mit 64 Milligramm pro Liter und in Cattenstedt mit 60 Milligramm festgestellt. Verursacher könnten laut dem Verein unter anderem Biogasanlagen sein. Die nach der Gärung anfallenden Reststoffe würden an Landwirte abgegeben, die diese auf den Feldern zur Düngung einsetzen. Es werde aber bisher nicht kontrolliert, welche Mengen an Nährstoffen aus Gärresten die Anlagen verlassen.

Wichtig sei der richtige Umgang mit dem belasteten Nass. Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet“, informiert Gülzow. Wichtig sei außerdem, dass es nicht zum Befüllen eines Fischteichs verwendet werde. Der Grund: „Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Diese können beim Absterben zum Fischsterben führen“, so der Gewässerschutzexperte. Wer mit belastetem Wasser seinen Garten bewässere, müsse die zusätzliche Nitratzufuhr einberechnen, um eine Überdüngung und unnötige Anreicherung des Stoffs zu verhindern. Ansonsten drohen gesundheitliche Schäden. „Wenn man zu viel Nitrat zu sich nimmt, steigt zum Beispiel das Krebsrisiko“, so Gülzow.