Wernigerode l Ein einsames Paar Schuhe steht vor dem Aufgang zum Walther-Grosse-Ring 22. Ordentlich nebeneinander aufgestellt - als würde der Besitzer gleich zurückkehren. Dem ist aber nicht so. Der Fünfgeschosser im Wernigeröder Wohngebiet Stadtfeld steht leer. Ebenso wie die drei Nachbareingänge. Hier sind schon lange keine Schritte mehr durchs Treppenhaus gehallt.

Das soll sich nun bald ändern. Im Oktober hat die Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft (GWW) den Bauantrag eingereicht. Im Mai 2020 sollen die Arbeiten beginnen. Wie GWW-Chef Christian Zeigermann informiert, wird der ganze Block modernisiert. Das städtische Wohnungsunternehmen habe die Wohnungen ganz bewusst leer gezogen. Erst war vorgesehen, den Block abzureißen. Diese Pläne sind jedoch inzwischen passé. „Wohnraum in Wernigerode ist begrenzt“, sagt Zeigermann. Die GWW wolle gegensteuern, wolle mehr Wohnraum vor allem für Familien und für Senioren schaffen.

Fahrstuhl an der Rückseite

„Diese Wohnblöcke sind für uns nicht nur ein Überbleibsel aus DDR-Zeiten“, sagt Zeigermann. Die Bausubstanz der „Platte“ sei „gut“. „Es wäre schade, die einfach runterzubrechen.“

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Um den Bedürfnissen der künftigen Mieter gerecht zu werden, seien die Grundrisse der Wohneinheiten verändert worden. „Wir wollen einige Vier-Raumwohnungen schaffen und nehmen deshalb Ein-Raum-Wohnungen weg.“ Insgesamt sollen 40 Wohneinheiten entstehen - mit vier, drei und zwei Räumen. Die gute Erreichbarkeit wird dabei groß geschrieben. Die Treppen vor den Eingängen kommen weg. Die Erdgeschosswohnungen werden künftig ebenerdig zu erreichen sein. „Wir schaffen 20 Parkplätze, drei davon sind behindertengerecht.“ An der Rückseite des Wohnblocks wird pro Hauseingang ein Fahrstuhl angebaut. Auch die Balkons sollen erneuert werden.

Weitere Sanierungen

Zeigermann rechnet mit etwa anderthalb Jahren Bauzeit. Rund fünf Millionen Euro will die GWW in den Block investieren. Auch die anderen Plattenbauten in den Wohngebieten Stadtfeld, Burgbreite und Harzblick sollen nach und nach saniert werden - wie in der Dr.-Jacobs-Straße bereits begonnen. „Eigentum verpflichtet schließlich“, sagt der GWW-Chef. Dann aber nicht das Rundum-Paket wie im Walther-Grosse Ring. „Da geht es ausschließlich um die energetische Sanierung. Die Wohnungen fassen wir nicht groß an.“

Angefasst werden sollen aber die zumeist öden Grünflächen und Innenhöfe in den Wohnvierteln, kündigt Zeigermann an. Deshalb habe die GWW eine Planerin beauftragt, die die Freiflächen anhand von Luftbildaufnahmen analysiert und Strategien für die jeweiligen Quartiere erarbeitet.

Künftig höhere Mieten?

„Ob nun Mietergärten oder Gemeinschaftsgärten - uns geht es darum, Identität zu schaffen“, erläutert Zeigermann. „Ich will, dass die Leute, die auf dem Balkon sitzen, runter gehen, weil dort etwas passiert, weil dort wieder Leben ist.“ Gerade für die Mieter mit wenig Geld sei das eine schöne Ergänzung, ist sich der GWW-Chef sicher. „Wenn die Kinder mitkriegen, woher die Mohrrübe eigentlich kommt, dann ist schon was erreicht.“

Apropos schmaler Geldbeutel: Müssen die Mieter wegen der anstehenden Sanierungen mit höheren Mieten rechnen? „Die Angst können wir nehmen“, sagt Christian Zeigermann. Dort wo lediglich die Hülle energetisch saniert werde, würden als Nebeneffekt die Kosten für Energie sinken, weil ja auch weniger Energie verbraucht werde. „Natürlich müssen wir die Teilsanierung umlegen. Aber wirklich nur das, was notwendig ist“, so der GWW-Chef. „Die Mieten bleiben im Rahmen.“ Anders sehe es im Walther-Grosse-Ring 22 bis 25 aus. Hier handle es sich um eine komplexe Sanierung. „Die Investitionskosten müssen wir durch die Mieten reinbekommen.“ Ziel der GWW sei es, das ist Zeigermann wichtig zu betonen, als Vermieter für alle Bevölkerungsgruppen da zu sein - für die mit kleinem, mittlerem und großem Geldbeutel.