Hochwasser

Wernigerode verschont, Silstedt abgesoffen

Wegen eines Dammbruchs wurde Silstedt unter Wasser gesetzt. Die befürchtete Überflutung Wernigerodes blieb aus - eine Zusammenfassung.

Wernigerode l Das Hochwasser im Harz hat den Menschen einiges abverlangt. Nun geht es ans Aufräumen. Die Ereignisse rund um Wernigerode am Mittwoch in der Zusammenfassung.

Seit dem frühen Mittwochmorgen sind Feuerwehr, THW, Mitarbeiter von Bauhof und Stadtverwaltung im Einsatz. Die Lage ist bis in die Abendstunden angespannt. Vom Hochwasser besonders hart getroffen ist Silstedt.

An der Neuen Mühle zwischen Silstedt und Minsleben ist bereits am Morgen ein Damm gebrochen. Das Wasser setzt den Wernigeröder Ortsteil komplett unter Wasser. „Wir müssen jetzt retten, was zu retten ist“, sagt Ortsbürgermeister Karl-Heinz Mänz gegen 11 Uhr. Er wird Recht behalten.

Die Regenfluten lassen die Holtemme immer mehr anschwellen, das Wasser bahnt sich unbändig seinen Weg. Ein Durchkommen im Ort ist nur noch mit Schlauchbooten möglich. Die Retter der Bergwacht werden von den Bewohnern wie Erlöser empfangen. Viele wollen nur noch raus aus den unter Wasser stehenden Häusern. Gefährdet sind nicht nur Menschen, sondern auch Tiere. Ein Stall mit 300 Kühen und 100 Kälbern der Agrargenossenschaft Silstedt-Benzingerode ist von den Wassermassen bedroht. Am Nachmittag steht die Evakuierung Silstedts im Raum. Doch die Pegel sinken, so dass von einer Zwangsevakuierung abgesehen wird. Etwa 30 Leute beziehen in der Turnhalle und im Hotel „Blocksberg“ ein Übergangsquartier.

Wernigerode ist dagegen mit einem blauen Auge davon gekommen. Der Überlauf aus der bis zur Oberkante gefüllten Zillierbachtalsperre ist nicht so heftig wie zuerst erwartet. Mit Sandsäcken und Wällen aus Asphaltstücken versuchen die Helfer am Nachmittag, die Wernigeröder Altstadt zu retten. Die erste Entwarnung folgt gegen 16 Uhr. Der Regen hat nachgelassen. Die Pegelstände sinken. Die Lage an der Zillierbachtalsperre hat sich entspannt. Die befürchtete Flut bleibt aus. „Zum Glück“, sagt Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) bei der Krisenbesprechung am Abend.

Aufregung hat am Morgen bereits an der Promenade geherrscht. Auf einer Länge von etwa vier Metern ist die Stützmauer zum Zillierbach undicht. Das Wasser fließt ungehindert auf die Straße, setzt sogar den Marktplatz unter Wasser, bis das Leck notdürftig von einer Firma geflickt ist. Alle Leute packen mit an. „Es ist einfach toll, wie die Nachbarn einander helfen“, sagt Anwohner Thomas Herzog. Entlastung bringt zudem ein Wall, den Bauarbeiter im Mühlental auf Höhe des Theobaldifriedhofs aufgeschüttet haben.

Ausnahmezustand herrscht seit dem Mittwochmorgen in Hasserode. Ab der Hochschule gleicht die Friedrichstraße einem Fluss. Im Bereich Triangel sind die Gleisen unterspült, weil der Sturzbach zu viel Wasser führt. Mitarbeiter des Unterhaltungsverbandes ziehen die Gullys heraus, damit das Wasser zur Holtemme abfließen kann. Die Straße Am Auerhahn ist komplett überflutet. Die Kinderkrippe ist geräumt, Gas und Wasser müssen abgestellt werden. Die Kinder werden bis zum Ende der Woche in der Kita „Regenbogen“ betreut. Auch der Hort der Diesterwegschule wird am Nachmittag geräumt. Die Schüler können am Donnerstag in den Harzblick-Hort ausweichen. Weitere Brennpunkte sind die Brücke an der Hochschule, die Steinerne Renne sowie die Himmelpforte.

Indes finden sich immer mehr freiwillige Helfer auf dem Bauhof ein. Auf der Facebook-Seite der Harzer Volksstimme und über andere Medien haben die Leute vom Hilferuf der Wernigeröder erfahren. 14.000 Säcke aus Oschersleben und vom Baustoffhandel AGP liegen bereit, müssen mit Sand gefüllt werden. Sogar aus Magdeburg sind Helfer angereist. Verstärkung erhalten die Wernigeröder zudem von knapp 100 Mann aus Bitterfeld.

Der Hochwasser-Liveticker zum Nachlesen.