Wernigerode l Immer wieder habe er sich die Filmaufzeichnung von der Petitionsübergabe der Bürgerinitiative vor dem Rathaus angesehen. Die „massiven Aktivitäten“ gegen den geplanten Bau einer Mega-Skihalle in Wernigerode „haben mich förmlich niedergestreckt“, sagt Klaus-Dieter Götze im Gespräch mit der Volksstimme. „Niederschmetternd“ sei für ihn das öffentliche Bekenntnis des Oberbürgermeisters Peter Gaffert (parteilos) als Skihallen-Gegner gewesen. Folglich sei sein Entschluss gereift, „dass eine Skihalle für Wernigerode gestorben ist“.

Die Vision vom weltgrößten Wintersportzentrum lasse sich am Astberg im Mühlental nicht mehr realisieren. Den Rückzug habe der 69-Jährige mit dem Projektteam abgesprochen. Namen nennt der Wernige­röder nicht. Nach Volksstimme-Informationen handelt es sich unter anderem um Gerald Tornow aus Güntersberge und den Bauriesen Porr aus Österreich als möglichen Investor.

Skipsrung-Schanzen und Abfahrtshang

Der Plan des privat finanzierten Projektes, mit dem 150 Arbeitsplätze geschaffen werden sollten, ist seit Juni 2016 mehrmals öffentlich vorgestellt worden: Für rund 100 Millionen Euro sollte am Wernigeröder Stadtrand in Richtung Elbingerode ein in den Astberg hinein gebautes Skizentrum für Spitzen- und Freizeitsportler entstehen: mit zwei Skisprungschanzen, einem Abfahrtshang, einer Langlaufloipe, Bob- und Rodelbahn sowie mit Sessellift, Aussichtsturm, Hotel, Gastronomie, einem Eventbereich mit Platz für 10.000 Zuschauer. Überdacht werden sollte das ganzjährig touristisch nutzbarer Astbergzentrum mit einem Kunststoff-Gewebe.

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„Dafür sehe ich nun keine Chance mehr“, sagt Klaus-Dieter Götze. Er sei enttäuscht, vor allem von der Hinhaltetaktik im Rathaus. „Im Sommer 2017 sollten wir eine verbindliche Aussage erhalten, ob wir für den Kauf des Baulandes einen Optionsvertrag von der Stadt bekommen. Nun haben wir bald wieder Sommer“, hadert Götze. „So geht man nicht mit Menschen um, die etwas Positives in ihrer Heimat bewegen wollen.“ Er selbst habe bereits zu viele Nerven und 130.000 Euro investiert.

Die Entscheidung zum Optionskaufvertrag, die am morgigen Donnerstag der Stadtrat fällen sollte, hat sich damit erübrigt. Ein weiterer ausschlaggebender Punkt für den Rückzieher seien die zahlreichen Argumente der Bürgerinitiative gegen das Skihallenprojekt, die „schlichtweg falsch sind“. Als Beispiele nennt Götze die Flächengröße von angeblichen 36 Hektar – „wir benötigen lediglich 6, davon sind 3,5 Hektar Wald“ – und die Darstellung als Gegner von Schierke. Das Gegenteil sei der Fall. Die Skihalle hätte eine sinnvolle Ergänzung zum Winterberg-Projekt mit Seilbahn und Skipiste sein können. „Wir hätten Kunstschnee produziert, was der Stadt Geld gespart hätte.“

Drei neue Interessenten für Projekt

Was ist schief gelaufen? „Die Kommunikation, und dass wir zu einem politisch ungünstigem Zeitpunkt auf der Bildfläche erschienen sind“, sagt Götze. Die Bürgerinitiative habe die Einladung zu einem Gespräch ausgeschlagen. Die Probleme in Schierke „brauchen jetzt nicht auch noch eine Debatte über eine 365 Tage schneesichere Skihalle.“ Für diese Idee gibt es jedoch neue Interessenten. „Drei Städte haben sich bei uns beworben“, sagt Götze. Die Kandidaten, die das Team zurzeit prüft, sind aus Bayern, Thüringen und ... dem Harz. „So hat das Ganze doch noch etwas Positives.“