Zur Person

Armin Willingmann, geboren 1963 in Dinslaken, war von 2003 bis 2016 Rektor der Hochschule Harz. Seit 2009 vertritt er die SPD im Stadtrat von Wernigerode. Im Mai 2016 wurde er Staatssekretär im Wirtschaftsministerium des Landes. Nach dem Rücktritt seines Parteigenossen Jörg Felgner übernahm Willingmann im November das Ministeramt.

Anfang November sind Sie vom Wirtschaftsstaatssekretär zum Minister aufgestiegen. Ist Ihnen die Umstellung auf den neuen Job schwer gefallen?

Armin Willingmann: Der Wechsel war nicht geplant und das Amt eines Ministers stellt natürlich eine große Herausforderung dar. Immerhin habe ich in sieben Monaten als Staatssekretär das Ministerium und die Mitarbeiter kennengelernt. Für einen „Quereinsteiger“ in die Politik ist so ein Wechsel nie ganz einfach; ich denke aber, von meinen Erfahrungen als Rektor der Hochschule Harz ebenso zu profitieren wie von der Aufgabe als Präsident der Landesrektorenkonferenz. Und gerade an der Hochschule Harz haben wir uns in den letzten Jahren intensiv mit der Wirtschaft der Region und im Lande vernetzt. Im Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung scheint es mir besonders hilfreich zu sein, über diesen Hintergrund jenseits des Politikbetriebs zu verfügen. Ich bin ohnehin der Ansicht, dass es der Landespolitik gut tut, wenn sie sowohl von langjährig erfahrenen Berufspolitikern als auch von Quereinsteigern aus Wirtschaft, Wissenschaft oder Kultur gestaltet wird. Auch hier gilt: Es kommt auf die richtige Mischung an.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Vorgänger Jörg Felgner aus Halberstadt?

Wir wurden im April 2016 als Team auf einem SPD-Parteitag für das Wirtschaftsressort benannt und haben die Aufgabe übernommen. Unser Verhältnis ist nach wie vor gut, auch wenn wenig Zeit zum Austausch bleibt. Der Rücktritt Jörg Felgners stand ja auch nicht im Zusammenhang mit den Monaten als Wirtschaftsminister, sondern mit Vorwürfen zu Vorgängen aus der letzten Legislaturperiode, in der er eine andere Funktion ausgeübt hat.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ich teile das Schicksal vieler Sachsen-Anhalter und pendele; in meinem Falle nun zwischen Harz und Landeshauptstadt. Die Arbeit beginnt und endet im Auto: Ich werde in aller Regel zwischen 6.30 und 8.30 Uhr in Hasserode abgeholt. Für die einstündige Fahrt nach Magdeburg habe ich stets Postmappen dabei – die kann ich gut im Wagen bearbeiten und auch längere Texte lesen oder Telefonate führen. Danach folgen Beratungen aller Art, Landtags-, Ausschuss- oder Kabinettssitzungen sowie Gespräche, insbesondere mit mit Unternehmern, Investoren, Vertretern der Wissenschaft oder Abgeordneten. Darüber hinaus bin ich viel im Land unterwegs, um Unternehmen kennenzulernen, mir Anliegen anzuhören oder an Eröffnungen teilzunehmen. Und manchmal gibt es ja auch Förderbescheide, die wir an Unternehmen übergeben können.

Bleiben Sie auf Dauer in Wernigerode wohnen oder steht ein Umzug nach Magdeburg an?

Das Pendeln wird eine Dauerlösung bleiben– unser familiärer Lebensmittelpunkt ist in Wernigerode. Ich habe mich vor inzwischen mehr als 17 Jahren gerne für die Hochschule Harz entschieden und wir sind 2003 sehr bewusst nach Wernigerode gezogen, damit unsere Kinder Kita- und Schulzeit hier verbringen können. Meine Familie und ich haben im Harz sozusagen Wurzeln geschlagen.

Welche Vorzüge hat Magdeburg zu bieten?

Ich stamme vom Niederrhein und schätze Städte, die an großen Flüssen liegen. Bei Spaziergängen an der Elbe nehme ich mir etwas Zeit und lasse den Strom auf mich wirken. Das habe ich auch unmittelbar nach meiner Ernennung zum Staatssekretär und zum Minister gemacht. Magdeburg hat aber selbstverständlich auch eine tolle Kulturszene zu bieten, für die ich mir künftig etwas mehr Zeit nehmen möchte.

Ich finde es gut, dass die Mitglieder der Landesregierung aus unterschiedlichen Regionen Sachsen-Anhaltskommen und auch dazu stehen: Paradebeispiel ist unser Ministerpräsident: Dr. Haseloff ist bekennender Wittenberger, ich bleibe Wernigeröder.

Parallel zum Ministeramt sitzen Sie weiter im Wernigeröder Stadtrat, haben aber den Vorsitz des Wirtschaftsausschusses abgegeben. Wie passt das zusammen?

Als Wirtschaftsminister habe ich ein Amt, das die Woche gut ausfüllt. Den Wirtschaftsausschuss zu leiten hätte zeitlich nicht mehr geklappt; nun konzentriere ich die Kommunalpolitik auf das Stadtratsmandat.

Setzen Sie sich in der Landesregierung also besonders für Wernigerode und den Harz ein?

Da muss man die Kirche im Dorf lassen: Der Wirtschaftsminister ist nicht für eine Region zuständig, sondern für das ganze Land. Bei Themen, die den Harz betreffen, bringe ich natürlich Erfahrung und Ortskenntnis ein. Aber das gilt sicher für jedes Regierungsmitglied in ähnlicher Weise.

Gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders wichtig ist?

Hier im Harz sicher die Ortsentwicklung in Schierke. Der Brockenort ist auf einem guten Weg. Wir sehen jetzt, dass die Entscheidung des Stadtrates richtig war, zunächst in die Infrastruktur zu investieren; jetzt folgen private Investoren. Der Harz ist der touristische Motor Sachsen-Anhalts, dies darf die Region auch ruhig herausstellen.

Vermissen Sie Ihren alten Arbeitsplatz, die Hochschule Harz?

Der Moment, als die Tür nach fast 13 Jahren in der Rektoratsvilla gleichsam ins Schloss fiel, war emotional nicht leicht. Es gibt im Lande nur wenige Arbeitsplätze in einem so wunderbaren Campus-Ambiente und mit einem so großartigen Team. Als zuständiger Minister für Wissenschaft liegen mir jedoch alle Hochschul- und Forschungseinrichtungen des Landes am Herzen: Sie sind wichtig für die Entwicklung in Sachsen-Anhalt. Und dass die Hochschule Harz in diesem Kontext einen respektablen Stellenwert hat, wissen die Wernigeröder doch längst.