Wernigerode l Viele Wernige­röder verfolgen gespannt das Geschehen neben den HSB-Bahnschienen zwischen Burgmühlen- und Karnatzkistraße im Stadtteil Hasserode: Dort eröffnet demnächst der Wohnpark der Gemeinnützigen Gesellschaft für Sozialeinrichtungen (GSW). Schon seit Monaten leben Familien auf dem Areal, das von der Immobilienfirma Beck und Strecker erschlossen, bebaut und vermarktet wurde.

Zu diesen Familien gehören auch die Toepfers. Sie sind im Sommer 2018 aus dem hohen Norden in den Harz gezogen. „Am 23. Juli hatte ich meinen letzten Arbeitstag, am 24. Juli haben wir Kisten gepackt und am 25. Juli sind wir nach Wernigerode gezogen“, berichtet Sabine Toepfer, die bis vor einem halben Jahr noch in Oldenburg zuhause war. Die Entscheidung, nach Wernigerode zu ziehen, fiel nicht ganz grundlos: Sabine Toepfer stammt ursprünglich aus Halberstadt, hat im Harz Freundeskreis und Familie.

Bevor das Paar eine der knapp 100-Quadratmeter großen Wohnungen auf dem Areal der ehemaligen Schokoladenfabrik zur Miete bezog, wohnte es in einer Doppelhaushälfte. Dass in wenigen Metern Entfernung demnächst eine Tagespflegestation von der GSW eingerichtet wird, sei ihnen bekannt gewesen. „Es war für uns ein wichtiger Punkt, bei der Überlegung, hierher zu ziehen“, so der frühere Einkäufer.

WhatsApp-Gruppe mit Nachbarn

„Es war allerdings schon eine Umstellung, plötzlich in einer Wohnung zu leben“, sagt er. Die Nachbarschaft sei miteinander bekannt, eine WhatsApp-Gruppe hatte in gerade zu Beginn alle Neuen untereinander in Kontakt gebracht.

Der Wunsch, in eine altersgerechte Wohnung zu ziehen, habe bereits länger bestanden. „Wir haben lange in Rostock gesucht, standen für ein Objekt auf einer Warteliste mit mehreren hundert Interessenten.“ Das Paar wurde des Schlangestehens für die perfekten vier Wände schließlich überdrüssig. Bei einem Aufenthalt in Ilsenburg kam die zündende Idee: Wieso nicht im Harz suchen? Nach mehreren Wohnungsbesichtigungen stießen die beiden auf das Projekt von Beck und Strecker. „Unser Besichtigungstermin lag im Dezember 2017. Damals war das ganze Gelände noch eine Baustelle“, erinnert sich Sabine Toepfer. „Wir lernten ein älteres Ehepaar kennen, das uns beipflichtete, wie schön es hier ist“, sagt sie.

Nähe zu Wald und Bergen in Hasserode

Die Toepfers, die gerne wandern, genießen in Hasserode vor allem die Nähe zu Wald und Bergen. „Die Natur ist direkt vor der Haustür. Wir spazieren oft zum Kuhbornteich“, sagt Eberhard Toepfer. Als ausbaufähig empfindet er die Nahversorgung. So fehle ein Supermarkt in der näheren Umgebung. Ein Feld, auf dem sich Eberhard Toepfer übrigens auskennt. Im Vertrieb einer großen deutschen Wurstfabrik war er für den Einkauf zuständig. „Konserven, Gewürze, Fleisch einkaufen“, fasst er kurz zusammen. An seinen Betrieb, dem er noch weit bis nach der Rente in anderer Position die Treue hielt, erinnert ein Würstchenglas in der Küche, auf dem in den typischen bunten Lettern „Eberhard“ steht.

„Als wir im Halberstädter Rathaus getraut wurden, sagte der damalige Bürgermeister Hans-Georg Busch, wir seien das erste Paar, das sich bei der Vermittlung von Schweinehälften und Koteletts kennengelernt hat“, erzählt Eberhard Toepfer und lacht. „Ich habe damals bei Halberstädter Wurstwaren gearbeitet“, verrät Ehefrau Sabine.

Heute haben beide das Ehrenamt gemeinsam. Eberhard Toepfer engagiert sich seit Januar als Senioren-Technik-Berater in der Sprechstunde für Smartphone, Sicherheit und Komfort des Hochschulprojektes VTTNetz, seine Frau hat bereits Kontakt zu den Leselernhelfern des Mentor-Vereins aufgenommen. Beiden ist es ein Anliegen, sich in ihrer neuen Heimat einzubringen.