Blankenburg l Es dauert weitaus länger, als von Thomas Kempf, dem Chef der Wohnungsgesellschaft Blankenburg, zunächst angepeilt: Eine verbindliche Antwort auf die Frage zu finden, was mit dem Wohnblock in der Bertolt-Brecht-Straße im Blankenburger Wohngebiet am Regenstein passiert, der am 13. Dezember 2019 bei einer heftigen Explosion massiv beschädigt worden ist. Zwar steht bereits seit Januar basierend auf gutachterlichen Stellungnahmen fest, dass das Gebäude grundsätzlich sanierbar ist. Nun, so Kempf auf Anfrage, gehe es im Detail um die Kernfrage, ob eine solche Sanierung wirtschaftlich vertretbar ist. Spätestens hier sei die Versicherung mit im Boot.

Deren Vertretern wurde nach Kempfs Worten das Gutachten vorgestellt. Wie gesagt: Grundsätzlich zeigt der Daumen des Bauexperten nach oben. Allerdings wäre der Sanierungsaufwand enorm und entsprechend kostenintensiv. Da die von der Gasexplosion ausgelöste Druckwelle in dem Plattenbau für zahlreiche Risse gesorgt hat, müssten laut Gutachter komplette Betonplatten und das Treppenhaus von Aufgang 3 ausgetauscht werden.

DDR-Plattenbau

Wie aufwändig das wäre, dürfte auch baulichen Laien schnell klar sein: Bei DDR-Plattenbauten wie dem in der Brecht-Straße sind die tonnenschweren Betonelemente miteinander verschweißt, die Gebäude statisch gesehen Gesamtkonstruktionen. Einzelne Platten herauszunehmen, dürfte mit Blick auf Konstruktion und Gewicht der Bauelemente sowohl statisch als auch logistisch eine extreme Herausforderung sein.

Bilder

„Wir müssen jetzt im Gespräch mit der Versicherung schauen, was mit Blick auf die Kosten machbar ist“, skizziert Kempf die nächsten Schritte. Der Gutachter habe, basierend auf vergleichbaren Projekten, zwar einen gewissen finanziellen Rahmen abgesteckt – konkrete Zahlen will Kempf aufgrund der laufenden Gespräche mit der Versicherung allerdings nicht nennen. Nur soviel: „Wir reden von einer siebenstelligen Zahl.“ Soll heißen: zwischen einer und 9,9 Millionen Euro.

Ausschreibung

Wobei diese Zahlen maximal Anhaltspunkte sein können, stellt Kempf klar. Sollten in den Gesprächen mit der Versicherung die Weichen Richtung Sanierung gestellt werden, müssten die dafür nötigen Arbeiten entsprechend ausgeschrieben werden. Dann bliebe abzuwarten, welche konkreten Angebote mit welchen finanziellen Eckdaten von Firmen eingehen.

Und auch da müsste – realistisch betrachtet – mit „bösen“ Überraschungen gerechnet werden. Schließlich arbeiten viele Baufirmen längst an ihren Kapazitätsgrenzen, sind die Baupreise am Markt zuletzt förmlich explodiert. Soll heißen: Wenn sich überhaupt Firmen finden, die einen solchen Spezialauftrag stemmen können und wollen, könnten die Preise entsprechend hoch sein.

Klarheit bis Sommer

Deshalb, so Kempfs jetziges Fazit, sei mit Blick auf den Ende der 1970er Jahre gebauten Wohnblock alles möglich und denkbar – von Komplettsanierung über teilweisen Abriss und Sanierung bis hin zum kompletten Abbruch. Geschäftsführer Kempf strebt eine Entscheidung in den kommenden drei Monaten an – „bis zum Sommer sollte komplett Klarheit bestehen“. Klar sei indes: Für die 36 Mieter in den vier Eingängen seien alternative Wohnlösungen gefunden worden. Zudem haben die betroffenen Mieter nach dem Unglück mehrheitlich signalisiert, zumindest im angestammten Wohngebiet bleiben zu wollen. Und: Die Wohnungsgesellschaft bereitet nach Kempfs Worten zumindest die baldige Nutzung der Wohnungen im Hauseingang vier vor. Die Wohnungen in diesem Eingang seien soweit bewohnbar, sie sollen mit dem Anschluss der Ver- und Entsorgungsmedien nun wieder nutzbar gemacht werden.

Bei dem Explosionsunglück war am 13. Dezember ein 76-Jähriger tödlich verletzt worden. Seine Frau hatte schwerste Brandverletzungen erlitten. Zudem waren 15 Mieter verletzt worden. Die polizeilichen Ermittlungen sind nach Angaben von Frank Küssner, Sprecher der Polizeiinspektion Magdeburg, noch nicht abgeschlossen. „Wir gehen aber nach dem jetzigen Stand weiter davon aus, dass Flüssiggas ursächlich für die Explosion war.“ Der 76-Jährige hatte damit wohl geheizt.