Blankenburg l Eine ohrenbetäubende Detonation hat am Freitagmorgen gegen 8.55 Uhr die Einwohner der Harzstadt Blankenburg aufgeschreckt. Als kurze Zeit später die ersten Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Blankenburg in der Bertolt-Brecht-Straße im Wohngebiet Regenstein vorfahren, liegen Glasscherben weit verstreut, aus einer Wohnung im ersten Obergeschoss des Hauseingangs Nummer drei dringt dichter Rauch. "Es bot sich ein Bild der Verwüstung", beschreibt Blankenburgs Bürgermeister Heiko Breithaupt (CDU) seine ersten Eindrücke.

Während des Einsatzes fangen eine Frau und zwei Männer eine Frau auf, die aus einer im ersten Obergeschoss gelegenen Wohnung in die Tiefe springt. Die Polizei bittet am Nachmittag in einer Meldung die drei Ersthelfer sowie alle Leichtverletzten, die ambulant behandelt wurden, sich zu melden.

Während sich Feuerwehrleute um die Erstversorgung der Verletzten kümmern, rücken ihre Kollegen unter Atemschutz in das Haus vor. "Zu diesem Zeitpunkt stand die Wohnung unter Vollbrand, und es gab deutliche Explosionsspuren", beschreibt Einsatzleiter Alexander Beck. Da den Einsatzkräften zunächst fünf vermisste Personen gemeldet werden, suchen die Retter jede der zehn Wohnungen in dem betroffenen Hauseingang ab und bringen die Bewohner ins Freie. Auch die Mieter aus den benachbarten Eingängen werden aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. Insgesamt werden von den 50 in den vier Hauseingängen gemeldeten Personen 16 evakuiert. Sie kommen im Speisesaal der nahegelegenen Grundschule unter, wo schnell Tee und Kaffee gekocht wird. Parallel werden weitere Einsatzkräfte an die Unglücksstelle beordert. Binnen weniger Minuten sind 78 Feuerwehrmänner und -frauen aus den umliegenden Orten, 32 Rettungssanitäter, 85 Polizisten und 20 Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung vor Ort. Verletzte werden in der nur einen Steinwurf entfernt gelegenen Kindertagesstätte medizinisch und von zwei Notfallseelsorgern betreut. Um die Kinder von den Geschehnissen abzuschirmen, wird spontan ein "Wandertag" organisiert. Die Knirpse werden in einer anderen Einrichtung betreut, und bekommen dort ihr Mittagessen. Mitarbeiterinnen der Kita "Am Regenstein" versorgen die bei ihnen untergekommenen Bewohner und deren Angehörige mit Essen und warmen Getränken.

Derweil herrscht am Unglücksort schnell Gewissheit: Ein Bewohner hat die Explosion nicht überlebt. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um den 78-jährigen Mieter der betroffenen Wohnung. Vermutlich seine Frau wird mit schweren Verbrennungen mit dem Rettungshubschrauber in die Spezialklinik Bergmanns-trost nach Halle geflogen. Ein weiterer Mann wird mittelschwer verletzt. Neben neun Leichtverletzten erleiden vier Polizeibeamte leichte Rauchgasvergiftungen.

Die genaue Unglücksursache ist derweil unklar. Vermutlich ist die Explosion von einer Flüssigasflasche ausgelöst worden, von denen sich laut Polizei gleich mehrere in der Wohnung befunden haben. Ob das ältere Ehepaar damit geheizt hat, obwohl der gesamte Block mit Fernwärme versorgt wird, liegt nah, bleibt bis zur genauen Analyse der Brandursachen-ermittler aber Spekulation.

Für eine Familie wird laut Bürgermeister Breithaupt eine Notunterkunft zur Verfügung gestellt. Die übrigen Bewohner kommen bei Verwandten unter. Wann sie in ihr Heim zurückkehren können, ist bis zum frühen Abend ungewiss. Kameraden des Technischen Hilfswerks haben die Decken und Wände in den am stärksten in Mitleidenschaft gezogenen Wohnungen abgestützt und die Statik überprüft.

Bürgermeister Breithaupt hat angekündigt, ein Spendenkonto einzurichten: "Unsere Gedanken und Hilfe sind bei den betroffenen Personen, vor allem bei den Verletzten und der Familie des Verstorbenen. Ich bitte alle im Ort, uns bei der Hilfe zu unterstützen."