Störche

Zusammen klappert es sich besser

In Veckenstedt ist auf dem Storchenhorst am Freitag dank einer Fotografin aus Niedersachsen ein Beweis gelungen – auch im Jahr 2021 werden zwei Jungstörche auf dem alten Schornstein des Heizhauses großgezogen. Ausfallen musste am Sonnabend allerdings die Beringung der Tiere.

Von Jörg Niemann
Familienidylle: Die Jungtiere sind jetzt schon so groß, dass sie  öfter einen Blick über den Nestrand werfen. In Kürze werden sie auch  allein auf dem Horst bleiben können, während die Alttiere für beide  Futter heranschaffen.
Familienidylle: Die Jungtiere sind jetzt schon so groß, dass sie öfter einen Blick über den Nestrand werfen. In Kürze werden sie auch allein auf dem Horst bleiben können, während die Alttiere für beide Futter heranschaffen. Foto: Anke Nimser

Veckenstedt - Die geplante Sachsen-Anhalt-Premiere für die neuste Generation der Vogelringe in Veckenstedt ist vorerst geplatzt. Ein technisches Problem an der Drehleiter hat für die kurzfristige Absage der Beringungsaktion gesorgt. Der technische Fehler war beim Dienstabend der Kameraden am späten Freitagabend bemerkt worden. Nun wird nach einem neuen Termin gesucht.

Denn beringt werden sollen die Jungvögel auf jeden Fall, denn nur so ist das Zugverhalten der Tiere für den Menschen nachvollziehbar und es können bei Bedarf Maßnahmen zum Schutz der Tiere ergriffen werden.

Die beiden Jungstörche des Jahrgangs 2021 der Grovesmühle sollten am Sonnabend die ersten sein, die in Sachsen-Anhalt mit neuen, gelben Kunststoffringen versehen worden wären. Für Georg Fiedler, den ehrenamtlichen Weißstorchbeauftragten des Landkreises Harz, wäre es im 51. Jahr seiner Beringerkarriere ein ebenso spannender Moment wie für die Jungtiere selbst gewesen. Doch er konnte gerade noch vor seiner Abfahrt vom heimischen Rohrsheim nach Veckenstedt gestoppt werden. Die ersten gelben Ringe wird er nun wahrscheinlich bei anderen Jungtieren in Niedersachsen anbringen, denn auch große Teile des Nachbar-Bundeslandes gehören zu seinem Betreuungsrevier. Bislang waren Metallringe dominierend, die den Störchen im unteren Bereich des Beines, oder auch in Höhe des „Knies“ angebracht wurden. Die Ringe behalten die Tiere ein Leben lang.

Besseres Ablesen der Codierung

Doch warum sind seit diesem Jahr neue Ringe vorgesehen? Die Antwort dazu gab Christof Herrmann, der Leiter der Beringungszentrale Hiddensee, die für alle ostdeutschen Länder - mit Ausnahme von Berlin – zuständig ist. „Mit dem flächendeckenden Anbringen der neuen Ringe ab diesem Jahr endet für uns eine Art Feldversuch, der schon seit zwei bis drei Jahren läuft“, sagt Herrmann auf Volksstimme-Anfrage. Die neuen Ringe sollen ein besseres Ablesen der Codierung ermöglichen, denn sie haben keine eingravierten Buchstaben und Zahlen mehr. „In der Gravur hat sich oft der Kot oder anderer Schmutz abgesetzt, so dass ein Ablesen sehr schwierig war. Bei den neuen Ringen ist die Codierung unter einer transparenten Schutzschicht sichtbar. An dieser Schicht haftet der Schmutz kaum und wäscht sich wieder ab, wenn der Storch über die feuchte Wiese schreitet“, sagt Christof Herrmann. Vor zwei Jahren seien zunächst Tests bei Störchen in Tiergehegen und im Storchenhof Loburg erfolgt. Im Vorjahr wurden etwa 750 Jungstörche in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit den neuen Kennzeichen beringt. In diesem Jahr folgen die anderen ostdeutschen Bundesländer flächendeckend.

Nach dem ausgefallenen Beringen bleibt für die Vogelfreunde des Nordharzes Raumes zunächst nur das Hoffen, dass die Drehleiter schnell repariert und zeitnah ein Termin zum Nachholen der Aktion gefunden werden kann.

Dies muss innerhalb der nächsten beiden Wochen geschehen, denn danach erlischt bei den Jungtieren die natürliche Schutzfunktion der Akinese – einer Art Körperstarre für Gefahrensituationen. Setzt dieses natürliche Verhalten aus, würden die Jungtiere bei Annäherung des Menschen in Panik aus dem Nest und somit in den Tod springen. Und das ist nicht der Sinn der Beringung, so dass es durchaus sein kann, dass die beiden Jungtiere dieses Jahres dann ohne Ringe durchs Leben fliegen müssen. Aber noch ist ja ein wenig Zeit.