Naturschutz

Zwei Jungstörche an Grovesmühle im Nordharz beringt

Die Storchenkinder auf dem Horst der Grovesmühle im Nordharz sind beringt. Der Weißstorch-Betreuer erhielt Unterstützung von zwei Stapelburgern.

Von Jörg Niemann
Auch für den Harzer Weißstorch-Betreuer Georg Fiedler, der in Kürze seinen 5000. Jungstorch beringen wird, war das Anbringen von zwei Ringen in Veckenstedt (Nordharz) ein Novum.
Auch für den Harzer Weißstorch-Betreuer Georg Fiedler, der in Kürze seinen 5000. Jungstorch beringen wird, war das Anbringen von zwei Ringen in Veckenstedt (Nordharz) ein Novum. Foto: Jörg Niemann

Veckenstedt - Sie haben Ringe, die beiden Storchenkinder auf dem Horst des Landschulheims Grovesmühle bei Veckenstedt. Am Montagabend, 14. Juni, rückten sowohl der ehrenamtliche Weißstorch-Betreuer des Landkreises Harz, Georg Fiedler aus Rohrsheim, als auch Denis Maldet und Rico Kirchhübel von der Firma BVM Maldet aus Stapelburg mit ihrer Drehleiter an. Sie waren kurzfristig eingesprungen, da der geplante Leitereinsatz der Ilsenburger Feuerwehr an einem technischen Defekt der Leiter scheiterte. Maldet hatte mit seiner privaten Drehleiter aber schon die allererste Beringung in Veckenstedt begleitet, so dass das Zusammenspiel auf der Leiter für alle nichts Neues war.

Diesmal war allerdings besondere Vorsicht geboten, denn es war im Vorfeld nicht abzusehen, wie die Jungtiere auf die Annäherung von Menschen reagieren. „In den ersten etwa sechs Wochen ihres Leben fallen Jungstörche bei Gefahr in die Akinese, eine Art Schutzstarre. Dieses natürliche Verhalten gestattet es dem Menschen, ein Beringen der Tiere vorzunehmen. Sollte man dies zu einem späteren Zeitpunkt versuchen, wurden die Tiere mit hoher Wahrscheinlichkeit in Panik aus dem Nest springen. Deshalb war in diesem Jahr vor allem die Annäherung der Leiter sehr wichtig“, sagt Georg Fiedler.

Wie in jedem Jahr wurde das Treiben der Menschen mit dem großen roten Auto von den Alttieren aufmerksam verfolgt. Als die Leiter aufstieg, war die Anspannung sehr deutlich. Wie erwartet, flogen die Alttiere bei weiterer Annäherung davon und drehten während der Beringung in sicherer Höhe ihre Kontrollrunden über dem Horst. Dann fuhr der Korb langsam in einiger Entfernung auf Höhe des Horstes, und Fiedler und Maldet brachten die Jungtiere einzeln zur Erde.

Jungstörche bekommen nun Zusatzring aus Kunststoff

Dort wurden die Vögel untersucht und erhielten ihre Ringe. Dies dauerte etwas länger als sonst, denn erstmals in der über 50-jährigen Beringerkarriere von Georg Fiedler bekamen die Jungtiere zwei Ringe. Sie erhielten am linken Bein einen neu entwickelten gelben Kunststoffring, der im Rahmen eines Feldversuchs 2021 erstmals in Sachsen-Anhalt zum Einsatz kommt. Da aber noch keiner weiß, wie lange der Kunststoffring halten wird, bekamen die Jungtiere zur Sicherheit einen bislang üblichen reinen Metallring an das andere Bein.

„Noch gibt es nur wenige Erfahrungen mit den neuen Ringen. Wir wissen nicht, wie lange sie halten werden und wie sie über die Jahre auf unterschiedliche Wettereinflüsse reagieren. Deshalb beringen wir zunächst doppelt und warten die Entwicklung ab“, sagt Georg Fiedler.

Dass Skepsis durchaus angebracht ist, hat allein bei seiner Arbeit die Tatsache gezeigt, dass die neuen Ringe auch etwas spröde sind. „Ich habe heute die Jungtiere 58 und 59 in dieser Saison beringt und vier Ringe sind zuvor schon zerbrochen“, sagt Fiedler, der wie seine Beringerkollegen nun immer etwa warmes Wasser benötigt, um die Ringe vor dem Anbringen etwas aufzuweichen. Am Montagabend in der Grovesmühle gab es deshalb keine Probleme mit brechenden Ringen.

Kontrolle vor der Futtersuche

Nach etwa einer halben Stunde Aufregung bei Familie Storch wurden beide Tiere wieder an ihren gewohnten Platz gebracht. Es dauerte keine fünf Minuten, da landeten die Alttiere wieder auf dem Horst, bestaunten ihren frisch beringten Nachwuchs und gingen wieder zum gewohnten Tagesgeschäft über. Und dies heißt bei den Störchen, dass beide Elternteile wieder zur Futtersuche vom Horst abhoben.

„Rückblickend kann ich sagen, dass es diesmal höchste Zeit für die Beringung war. Die Jungen waren doch schon recht aufgeregt, wenngleich zu keiner Zeit für sie Gefahr bestand. Wären sie bei Annäherung des Korbes an den Horst nicht in Akinese gefallen, sondern hätten sich ängstlich verhalten, hätten wir das Beringen sofort abgebrochen. So aber verlief alles noch ganz normal ab“, sagt Georg Fiedler, der in den kommenden Wochen noch jede Menge Horste im Norden Sachsen-Anhalts und weiten Teilen Niedersachsens besuchen und Jungstörche beringen wird.

Nachdem die Eltern abgeflogen waren, bot sich dem Leiterteam dieser Blick in die Kinderstube der Storchenküken an der Grovesmühle in Veckenstedt.
Nachdem die Eltern abgeflogen waren, bot sich dem Leiterteam dieser Blick in die Kinderstube der Storchenküken an der Grovesmühle in Veckenstedt.
Foto: Jörg Niemann
So sehen ab 2021 auch in Sachsen-Anhalt die neuen „Personalausweise" der Weißstörche aus.
So sehen ab 2021 auch in Sachsen-Anhalt die neuen „Personalausweise" der Weißstörche aus.
Foto: Jörg Niemann