Barleben l Ein Banner hängt seit mehreren Jahren schon am alten E-Werk in der Burgenser Straße in Barleben. Es verweist auf die Pläne mit dem Gebäude. „In den kommenden Jahren soll die Sanierung und die Wiederherstellung der ursprünglichen Ansicht erfolgen. Als Nutzungsmöglichkeiten sind vorgesehen: medizinische Versorgung, Kultur, Weiterbildung“, ist auf dem Plakat zu lesen. Doch daraus wird wohl nichts.

Neubau soll in Form Altbau entsprechen

Ein privater Investor, die BBS GmbH aus Magdeburg, will das altehrwürdige Gebäude abreißen und durch einen Neubau ersetzen. „Nach Bauzustandsfeststellung durch einen externen Gebäudesachverständigen muss konstatiert werden, dass sich das Gebäude in einem abrissreifen Zustand befindet“, heißt es in einem Neubaukonzept des Bauherren. Ursache für den schlechten Zustand sei „ein erheblicher und jahrelanger Regenwassereintrag, hauptsächlich in Folge von fehlender oder massiv defekter Dacheindeckung“, heißt es in dem Papier weiter.

Deshalb soll anstelle des alten Hauses ein Neubau entstehen, dass laut Konzept dem Aussehen und den Abmaßen des alten E-Werks entspricht. Zusätzlich ist eine bauliche Erweiterung auf dem östlich gelegenen Nachbargrundstück geplant.

Zwölf Wohneinheiten geplant

Der Neubau soll, wenn er denn fertig ist, zwölf Wohneinheiten für altersgerechtes Wohnen vorhalten. Ergänzt werde dieses Angebot gegebenenfalls durch eine Tagespflege oder Wohngruppenmodelle. Damit könne der „Bedarf der Gemeinde an zeitgemäßen modernen Gebäuden gedeckt und eine weitere Stärkung des Standortes erzielt werden“, heißt es in dem Konzept weiter. Städtebaulich orientiere sich die Planung am Bebauungsplan und der vorhandenen Ortsstruktur. So werde die Anlage zweigeschossig ausgeführt, zusätzlich soll das Gebäude im Bereich des E-Werkes ein sogenanntes Staffelgeschoss erhalten. Damit ist eine Etage gemeint, die gegenüber den darunterliegenden Geschossen zurückspringt und eine kleinere Grundfläche aufweist. Die geschützten Bäume auf den Grundstücken sollen erhalten bleiben.

Doch ist das Projekt längst nicht in trockenen Tüchern. Auf der Gemeinderatssitzung am 29. September sollen die Weichen gestellt werden. So muss eine Änderung des betreffenden Bebauungsplanes aufgestellt werden. Die Notwendigkeit zur Anpassung ergibt sich laut der betreffenden Beschlussvorlage in der nicht vorhandenen überbaubaren Fläche im östlichen Grundstücksbereich, also der ehemaligen Burgenser Straße 5.

Das E-Werk wurde von 1903 bis 1904 erbaut. Zuvor hatte der damalige Ortsvorsteher im Auftrag der Gemeindeverwaltung den Barlebern vorgeschlagen, ein eigenes kommunales Elektrizitätswerk zu bauen. Schon ein Jahr später fand das Richtfest unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt.

Am 26. Januar 1905 brannte in Barleben das erste Mal elektrisches Licht, mehr als zwei Jahre bevor in Magdeburg die ersten elektrischen Lampen erstrahlten. Mitte der 1920er Jahre war eine Überlandzentrale eingerichtet worden, sodass der Ort eine neue Anschlussversorgung erhielt und das E-Werk in der Burgenser Straße keine Funktion mehr hatte.