Wolmirstedt l Seit dem 12. April 1930 liegt seine Heimat auf der Schlossdomäne in Wolmirstedt. An diesem Tag wurde der etwa 3500 Jahre alte Bogen aus Eibenholz im Wolmirstedter Museum abgegeben. Wenige Tage zuvor war er in der Nähe von Barleben gefunden worden. Er gehört zu den zahlreichen Funden, die beim Bau des Mittellandkanals zutage gefördert wurden.

Das Original befindet sich inzwischen als Dauerleihgabe im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, aber Museumsleiterin Anette Pilz hat noch immer eine originalgetreue Nachbildung der Waffe aus der Bronzezeit. Dass sich der Bogen aus Holz so lange gehalten hat, ist bemerkenswert. „Das Wasser wird ihn konserviert haben“, vermutet Anette Pilz.

Exponat wurde 1930 gefunden

Lediglich die Sehne hat die Jahrtausende nicht überstanden. Deswegen wurde der Bogen viele Jahre auch irrtümlicherweise für einen Speer gehalten. Erst spätere Untersuchungen durch den Prähistoriker Günter Wetzel ergaben, dass es sich bei dem Fund tatsächlich um einen Bogen handelt.

Noch 1931 schrieb Hans Dunker in seiner Abhandlung über die Vorgeschichte des Kreises Wolmirstedt von seinem Fund: „Der Holzspeer war vormittags aus dem Bett der alten Elbe ausgebaggert und wurde mir mittags bei einem Kontrollgang auf der Kippe übergeben. Die Form war kaum zu erkennen, da die Oberfläche mit einer starken Kiesschicht bedeckt war. Mit derselben Kipplore waren Knochen von Eiszeittieren zur Kippe gebracht worden.“

Original befindet sich in Halle

Eine Datierung des Fundes wurde später im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle vorgenommen. Aufgrund der Fülle der unterschiedlichen Funde in der Region – dort wurden auch Gegenstände aus der Eisenzeit und dem Mittelalter ausgegraben – blieb nur eine Datierung anhand der Form. Ähnliche Funde stammen aus der frühen Bronzezeit. Deswegen wird mit ziemlicher Sicherheit vermutet, dass der Bogen mindestens 3500 Jahre alt ist.

Damit eignet sich das Exponat bestens für die Wiener Ausstellung, die am 24. Oktober eröffnet wird. Unter dem Titel „Krieg – Auf den Spuren einer Evolution“ werden zahlreiche Waffen aus der Vorgeschichte und der heutigen Zeit in einen Kontext gesetzt.

„Mit jedem Krieg sind menschliche Schicksale verbunden, die sich auch in archäologischen Befunden widerspiegeln“, heißt es in der Ankündigung der Ausstellung. Moderne forensische Untersuchungen an Skelettfunden belegen, dass bereits in der Jungsteinzeit Krieg geführt wurde. Die Ausstellung präsentiert eine archäologische Spurensuche, die über 7000 Jahre zu den ältesten Nachweisen von kriegerischen Auseinandersetzungen zurückreicht.

Anfangs für Speer gehalten

Eine einschneidende Veränderung in der „Evolution des Krieges“ dokumentieren mehr als 3000 Jahre alten bronzezeitlichen Funde, zu denen eben auch der Wolmirstedter Bogen zählt. Die Waffen waren nicht mehr bäuerliche Werkzeuge, sondern ausschließlich für Kriegszwecke hergestellt.

Die Ausstellung in Wien ist eine Kooperation mit dem Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt in Halle. So werden auch noch weitere Exponate aus unserem Land die Reise nach Österreich antreten. Anhand von historischen Belegen soll mit deren Hilfe auch zahlreichen grundsätzlichen Fragen nachgegangen werden: Was ist Aggression? Seit wann gibt es Krieg in der Menschheitsgeschichte? Ist Krieg unausweichlich, weil menschlich?

Die Ausstellung in Wien dauert bis zum 19. April kommenden Jahres. Dann wird der Wolmirstedter Eibenholz-Bogen wieder seine Heimreise antreten.