Zobbenitz/Wolmirstedt l Freitagmorgen kurz nach Sonnenaufgang: es muss windstill sein, damit das Vorhaben gelingt. Die Mission lautet, den alten maroden Balken, genauer den Steert (Schwanz), der Bockwindmühle vor den Toren von Wolmirstedt gegen einen neuen zu ersetzten.

Torsten Neitzel, Sachbearbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landkreis Börde, kann sich noch gut daran erinnern, dass er 1993 zu Beginn seiner Amtszeit in der Denkmalpflege dabei war. 1993 wurde nämlich der Steert, der jetzt ausgedient hat, eingebaut.

„Mit dem langen Balken wird die Mühle um die eigene Achse im Wind gedreht. Er ist für die Mühle lebenswichtig und sozusagen das fünfte Bein. Das Holz hat einen Pilzbefall und deshalb ist es marode“, beschreibt der Denkmalexperte, der sich seit 40 Jahren leidenschaftlich um den Erhalt von Mühlen einsetzt.

Tonnenschwerer Balken mit Gurten gesichert

Ladekranfahrer Holger Koß von der „K & H Transport GmbH“ Wolmirstedt sichert den tonnenschweren alten Balken mit dicken Gurten an seinem Kranhaken. Weil der Untergrund so weich ist, kann Koß seinen schweren Laster nicht bis direkt an die Mühle fahren.

„Es wird spannend. Mal sehen, was die alte Lady macht, wenn wir ihr den maroden Balken wegnehmen. Hoffentlich fällt sie nicht um“, sagt Kettensägenkünstler Lorenz Tacke schmunzelnd. Sicherheitshalber bringen die Männer Stützpfähle an und befestigen die alte Mühlendame mit Spanngurten.

Nicht einfach war es für den Denkmalexperten, einen gebogenen Stamm zu finden, der als Ersatz geeignet ist. „Ich hatte verschiedene Leute gebeten, zu schauen, wer so einen Stamm hat. Herr von Alvensleben aus Erxleben fand in seinem Forst diesen krumm gewachsenen Eichenstamm“, berichtet Neitzel.

Tacke erklärte sich bereit, aus dem runden Stamm mit der Kettensäge einen viereckigen Balken zu machen. Der Holzexperte sägte nach altem Vorbild den neuen Steert. Am Waldrand von Zobbenitz brachte der Holzkünstler den Stamm exakt in Form. Mit einem Laster wurde der acht Meter lange und 1,5 Tonnen schwere Stamm bereits mit einem Laster Mitte September nach Wolmirstedt transportiert. „Damals wehte ein heftiger Wind. Vorsichtshalber hatten wir die Montage verschoben“, berichtet Tacke.

Zentimeter für Zentimeter getrennt

Zentimeter für Zentimeter wird der alte Balken, der an vielen Stellen schon zerbröckelt, von der Mühle getrennt. Dabei zeigt sich, dass Neitzel – trotz seines Verwaltungsjobs – auch fachmännisch mit anpacken kann. „Die denkmalgeschützte Mühle gehört dem Landkreis Börde“, betont er.

„Auerbachs Mühle“ wurde 1842 erbaut. Bis 1952 war die Mühle noch in Betrieb. Nach jahrelangem Verfall wurde die hölzerne Konstruktion 1983 notdürftig gesichert. „Denkmalpfleger Erhard Jahn hatte damals veranlasst, dass das Dach und die Außenhaut der Windmühle gemacht wird, sonst gäbe es die Mühle heute nicht mehr. Dann kam die Wende und damit natürlich die Möglichkeit, mehr für die Mühle, deren ganzer Bock auch schon kaputt war, zu machen“, denkt Neitzel zurück.

Die Mühle wurde zur Außenstelle des Wolmirstedter Museums. „Von 1994 bis 1996 hatten wir noch sechs ABM-Leute, die uns in der Denkmalpflege halfen. Ein Mühlenbaubetrieb hatte die Flügel angefertigt. Damals gab es dafür Fördermittel“, erinnert sich Neitzel.

Finanziert wird die Erneuerung des Steerts aktuell als Notmaßnahme für etwa 4 500 Euro vom Landkreis Börde. „Wenn starker Wind kommt, könnte der morsche Steert weg brechen und die Mühle nach Osten kippen. Dann wäre sie verloren“, erklärt der Mühlenexperte die Notwendigkeit der Sanierung.

Flügel müssen immer gegen Wind stehen

Die Flügel müssen – nach seinen Ausführungen – immer gegen den Wind stehen. Das wäre vom Schwerpunkt her so konstruiert. Deswegen werden alle stillgelegten Windmühlen nach Westen ausgerichtet, denn von dort komme schweres Wetter.

Einen Schlüssel für die Mühle haben Ursula und Horst Pankonien, die Wirtsleute der Gaststätte auf dem Mühlenhof. „Meine Frau stammt aus dem Müller-Haushalt. Karl Auerbach war der letzte Müller. Er war der Bruder des Opas meiner Frau“, erklärt Horst Pankonien und verfolgt die Arbeit der Handwerker. „Wir haben schon öfter Mühlenbauer bei uns gehabt. Die haben alle ihre Erfahrungen und können mit Holz umgehen“, weiß der Gastwirt, der auch oft interessierte Gäste durch das Innere der Bockwindmühle führt.

Die Mühle verfügt auch heute noch über eine vollständige Einrichtung. Das Flügelkreuz besteht aus Jalousieflügeln. Als Einrichtung ist ein Mahlgang, ein Schrotgang, ein Dost-Walzenstuhl, eine Sichtmaschine vom Typ Askania, eine Schälmaschine und ein Schrollenzylinder vorhanden. Darüber hinaus bestehen die typischen Hilfseinrichtungen wie Transmissionen, Sackaufzug und Elevatoren.

Die Windmühle ist schon von weitem zu sehen. Sie ist so etwas wie das Aushängeschild des Gasthauses. „Wenn Wind weht, stelle ich die Mühle an. Es dreht sich ja alles noch“, sagt der Wirt mit Stolz.

Der neue Schwanz passt auf Anhieb. Hier und da muss noch etwas gesägt und gehämmert werden. Nach sieben Stunden ist die schweißtreibende Arbeit getan. Die alte „Lady“ kann sich nun wieder im Wind drehen.