Sicherheit

Auf der Wolmirstedter Schlossdomäne funktioniert die Überwachung nicht

Ein Schild weist darauf hin: Wer die Wolmirstedter Schlossdomäne betritt, bewegt sich in einem videoüberwachten Bereich. Doch wem nützt diese Überwachung?

Von Gudrun Billowie 15.07.2021, 06:45
Am Eingang zur Schlossdomäne weist ein Schild auf die Videoüberwachung hin.
Am Eingang zur Schlossdomäne weist ein Schild auf die Videoüberwachung hin. Foto: Gudrun Billowie

Wolmirstedt - Die Schlossdomäne wird videoüberwacht. Das Hinweisschild suggeriert, dass eventuelle Straftaten erkannt, Täter ermittelt werden. Davon war auch Museumsmitarbeiter Jörg Bonewitz ausgegangen. Doch dann wurde eines Tages sein Fahrrad gestohlen. Das war vor der Museumstür abgestellt, zum Feierabend jedoch verschwunden. Kurz vor 17 Uhr, am hellerlichten Tag.

Dürfte ja nicht schwer sein, die Täter zu ermitteln, die Videokameras haben den Diebstahl sicher aufgezeichnet, glaubte Jörg Bonewitz. Doch weit gefehlt. Es stellte sich heraus, dass die Kameras zwar auf den Platz gerichtet sind, doch die Wachdienstmitarbeiter in der Zentrale nur in bestimmten Abständen auf die Monitore schauen. Der Aufzeichnungsknopf wird nur gedrückt, wenn etwas Ungewöhnliches festgestellt wird.

„Das war vom Stadtrat so nicht geplant“, sagt Jörg Bonewitz, der für die SPD in diesem Gremium sitzt und schon länger für die Videoüberwachung eingetreten war. Von der Verwaltung wollte er wissen, ob die Videoüberwachung erweitert werden kann. Doch groß ist der Spielraum nicht.

„Eine dauerhafte Aufzeichnung ist auf diesem öffentlichen Platz nicht möglich“, macht Ordnungsamtsmitarbeiter Frank Schröder deutlich. Der Aufzeichnung von Bildern im öffentlichen Raum steht der Datenschutz im Wege. Das bestätigt auch Polizeisprecher Matthias Lütkemüller und erklärt sinngemäß, es sei Teil der Bewegungsfreiheit und der Menschenwürde, dass man nicht überall videografiert wird.

Zigarettendiebe gefilmt

Anders in privaten Bereichen, wozu beispielsweise auch Supermärkte und Tankstellen zählen. Im E-Center in Wolmirstedt sind bereits mehrfach Bilder von Zigarettendieben festgehalten worden.

Der Grund, warum die Videoüberwachung auf der Schlossdomäne so drängend schien, war der zunehmende Vandalismus auf diesem historischen Areal. Insbesondere in den Abendstunden kamen vornehmlich Jugendliche auf der Plattform vor der Schlosskapelle zusammen. Am Morgen zeugten zerbrochene Flaschen und kaputte Lampen von mutwilliger Zerstörungslust. Größtes Entsetzen löste die Sprengung des Gerberbrunnens im März 2019 aus. Unbekannte hatten die Skulptur mit Pyrotechnik vollständig zerstört. Anschließend waren sich Stadtrat und Verwaltung einig: Videoüberwachung muss her.

Kurz darauf wurde sie angeschafft und installiert, doch die Art der sporadischen Überwachung machte nicht nur Fahrraddieben das Entkommen leicht. Im April diesen Jahres waren unbemerkt Steine aus der Mauer der Schlosskapelle herausgebrochen worden. Auch die historischen Landwirtschaftsgeräte vor dem Museum stehen regelmäßig auf einem anderen Platz. Nun steht im Stadtrat erneut die Frage: Wie bekommen wir eine bessere Überwachung hin?

„Die abendlichen Zeiten, in denen kontrolliert wird, werden angepasst“, sagt Ordnungsamtsmitarbeiter Frank Schröder. Heißt, es wird öfter hingeschaut. Auch die Regionalbereichsbeamten sind dort regelmäßig unterwegs. Jedoch gilt die Schlossdomäne im polizeilichen Sinne nicht als Ort besonderer Kriminalität. Jörg Bonewitz will sich trotzdem nicht zufrieden geben: „Wir werden in der Fraktion beraten und das Thema Sicherheit weiterhin verfolgen.“