Wolmirstedt l Während die Haldensleber sich über ein saniertes Bahnhofsgebäude freuen können und die Oschersleber mit der Sanierung gerade beginnen, verschieben sich die Pläne in Wolmirstedt weiter nach hinten. Im Sommer 2019 ist der anvisierte Baustart – und vielleicht ist dies nicht das letzte Datum.

Das Bodelschwingh-Haus, das das in die Jahre gekommene Gebäude 2016 kaufte, musste seine Pläne bereits mehrmals umwerfen. „Die Absprachen mit mehreren Akteuren ist kompliziert“, sagt Swen Pazina, Vorstand der Stiftung Bodelschwingh-Haus. So sollen Fördermittel aus dem Leader-Programm und „Revita“ akquiriert werden. Letzteres hat es sich zur Aufgabe gemacht, alten Bahnhöfen neues Leben einzuhauchen. Doch: Diese Fördermittel sind abhängig von der Baugenehmigung. Diese liegt noch nicht vor.

Grund dafür ist die schleppende Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn. Diese muss gegenüber dem Bauordnungsamt mehrere Stellungnahmen abgeben. Zeit geht ins Land, ohne dass etwas passiert. „Die Umgestaltung ist komplex. Aber wir wussten, was auf uns zukommt“, so Pazina. Vom Baustart im Sommer 2018 zum zweiten Quartal 2018 ist der Baustart inzwischen auf den Sommer 2019 verschoben worden.

Positive Signale gibt es aus dem Bereich der Gewerbemieter. Mit dem Orthopädieschuhhersteller Küßner aus Barleben zieht ein externer Gewerbemieter in das Bahnhofsgebäude. Die restlichen Flächen – eine Caféteria mitsamt Wartebereich und sanitären Anlagen sowie eine Fahrradwerkstatt soll von Mitarbeitern des Bodelschwingh-Hauses betrieben werden. Sechs bis acht Menschen mit Behinderung sowie zwei bis drei Betreuer sollen laut Pazina künftig Speisen und Dienstleistungen anbieten.

Des Weiteren will die Deutsche Bahn ein Pilotprojekt am Wolmirstedter Bahnhof starten. Dort soll ein sogenanntes Video-Reisezentrum entstehen, bei dem die Kunden über einen Bildschirm mit einem Berater der Bahn verbunden werden. So sieht der Reisende den Mitarbeiter, auf einem zweiten Bildschirm kann er die Buchungsschritte erfolgen und das Ticket am Ende vor Ort ziehen.

Dieses Pilotprojekt wird vor allem an schwach frequentierten Bahnhöfen angewendet. 18 Video-Reisezentren in sechs Bundesländern wurden seit der Einführung im Jahr 2013 eingerichtet. In Sachsen-Anhalt gibt es noch kein solches virtuelles Reisezentrum - Wolmirstedt wird Vorreiter.

Insgesamt soll der Umbau des Bahnhofes 2,5 Millionen Euro kosten und fast ausschließlich über Fördermittel finanziert werden. Die Planer rechnen mit einem Jahr Bauzeit. Die Bahn will im Jahr 2019 selbst mit dem Bau eines Tunnels samt Fahrstuhl beginnen, die Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (Nasa) erwägt zusammen mit der Stadt einen Fußgängertunnel. Außerdem wird die Stadt das Umfeld neu gestalten.