Meitzendorf l Manfred Bärwald ist seine Behinderung auf den ersten Blick nicht anzusehen. Mit einem Kollegen ist er gerade dabei, Material wie beispielsweise Ventile, Anschlussgarnituren oder Rohrschellen zu sortieren. Doch seine Arbeiten reichen noch viel weiter: So ist der Meitzendorfer für das Außengelände verantwortlich, muss es hegen und pflegen.

Erst seit dem 1. Dezember ist Manfred Bärwald bei der Sanitärfirma von Ronald und dessen Sohn René Paul in Meitzendorf angestellt. Zuvor hatte er ein zweiwöchiges Praktikum absolviert. „Das hat mir gleich gefallen und den Chefs offenbar auch. Gut so, dass ich endlich einen festen Arbeitsplatz gefunden haben“, erzählt der gelernte Schlosser.

Absagen wegen Handicap

Den Beruf hatte er zu DDR-Zeiten bei den Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg gelernt und war seitdem in Arbeit. Erst mit der politischen Wende im Jahr 1989 kam auch für ihn die Wende, allerdings ins Negative. „Alle, bei denen ich mich beworben hatte, haben mich aufgrund meiner Behinderung abgelehnt, obwohl ich doch arbeiten kann“, führt Bärwald aus. Seit seinen frühen Lebensjahren leidet der Meitzendorfer an Beeinträchtigen an einem seiner Beine und des Rückens, im Volksmund auch als Kinderlähmung bekannt. Wieviel Bewerbungen er in den vergangenen 20 Jahren geschrieben und abgeschickt hat, daran vermag er sich heute nicht zu erinnern. „Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen“, sagt Bärwald.

Anfang November habe er einen Anruf von seiner zuständigen Betreuerin vom Arbeitsamt, Brita Engel, erhalten. „Die fragte, ob ich nicht einmal vorbeikommen könnte. Bei ihr angekommen sagte sie mir, sie hätte einen Job für mich. Das hatte ich ja schon oft gehört und immer wieder Absagen erhalten. Deshalb war ich natürlich erstmal skeptisch“, berichtet der gelernte Schlosser. Während des Praktikums habe er zunächst probiert, ob er denn tatsächlich mit seiner Einschränkung arbeiten kann. „Alles ist ganz wunderbar gelaufen, ich habe alles geschafft.“

„Wir suchen eigentlich immer motivierte Arbeitskräfte. Irgendwann hatte das Jobcenter angerufen und angefragt, ob der Manfred Bärwald nicht Arbeit bei uns bekommen könnte“, erzählt Firmengründer Ronald Paul. So etwas wie einen Hausmeister, einen Allrounder wie er sagt, hatten sie schon eine ganze Weile einstellen wollen. „Unser Gelände ist 1,3 Hektar groß. Da fällt einiges an“, erklärt der Senior-Chef und ergänzt: „Nun sind wir froh, ihn bei uns zu haben.“

Der Kontakt zwischen dem einstigen Langzeitarbeitslosen und dem Unternehmen ist dem Arbeitsamt Magdeburg und dem Jobcenter Wolmirstedt gleichermaßen zu verdanken. Beide Behörden hatten sich der Aktion „Inklusion am Arbeitsplatz – gemeinsam verschieden sein – eine Chance zur Fachkräftesicherung“ angeschlossen, die im Rahmen der Aktionswoche für Menschen mit Behinderungen ins Leben gerufen worden war. Die Aktionswoche mit dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen lief gestern aus.

„Menschen mit Behinderungen profitieren oft noch nicht im gleichen Maße von der bisher guten Arbeitsmarktlage wie Menschen ohne Behinderungen. Im Landkreis Börde ist die aktuelle Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 8,1 Prozent gesunken. Im gleichen Zeitraum blieb die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen im Landkreis jedoch nahezu unverändert“, teilte Georg Haberland, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Magdeburg, dazu mit. Demnach finden etwa 275 Menschen in der Börde keinen festen Arbeitsplatz.

Einen Grund dieser Entwicklung sieht Haberland darin, dass die für die Region typischen kleineren und mittleren Unternehmer oft keine Personalabteilung haben, die bei solchen Themen beraten kann. Häufig seien die Unternehmer selbst in die alltäglichen Arbeitsprozesse eingebunden und hätten daher wenig Zeit und Möglichkeiten, sich über das Fachkräftepotential von Schwerbehinderten und die vielseitigen Fördermöglichkeiten zu informieren. „Auch Berührungsängste können zur Folge haben, dass einige Unternehmen die Beschäftigung Schwerbehinderter nicht in Betracht gezogen haben. Die Aktionswoche möchte hier mit guten Beispielen vorangehen“, erklärt der Pressesprecher.

Rente ist nun sicher

Denn viele schwerbehinderte Menschen bringen berufliche Kompetenzen und Motivation mit, die es zur Fachkräftesicherung im Unternehmen zu nutzen gelte. Unterstützungsangebote sollen den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt erleichtern. Viele Vorbehalte gegen die Beschäftigung von Menschen mit einem Handicap erweisen sich in der Praxis als haltlos. Während einer Probebeschäftigung, die bis zu drei Monaten dauern kann, können das Unternehmen und Betroffene testen, ob sich die Aufgaben in der Praxis gut erledigen lassen. Auch bei der Ausstattung oder Umgestaltung eines Arbeitsplatzes berate die Arbeitsagentur und könne finanziell unterstützen.

Seit dem 1. Dezember nun gehört Manfred Bärwald zur Belegschaft der Sanitärfirma. „Ich kann selbstständig arbeiten. Hier herrscht ein großes Vertrauen“, sagt der 60-Jährige. Und er freut er sich über eine Perspektive: „Jetzt brauche ich mir wegen meiner Rente keine Sorgen mehr machen. Ich werde über den Mindestsatz kommen.“