Wolmirstedt l Die Trauerhalle ist ein Ort des Abschieds, von dort aus begleiten Angehörige ihre Verstorbenen auf dem letzten Weg. Nicht immer finden alle Trauernden Platz in der Halle, mitunter bleibt ein Teil der Trauergemeinde vor der Tür, erlebt die tröstenden Worte und die Musik per Lautsprecher mit. „Diese Trauerhalle wird den Ansprüchen an einen würdevollen Abschied nicht mehr gerecht und entspricht nicht mehr dem heutigen Stand des Trauerns“, konstatiert die KWG-WWP-FDP-FUWG-Fraktion des Stadtrats und schlägt vor, eine neue Trauerhalle zu errichten.

Dafür hat die Fraktion drei Varianten erarbeitet, lehnt jedoch Aktionismus ab. „Uns ist klar, dass ein Neubau nicht sofort umgesetzt werden kann“, sagt Fraktionsvorsitzender Mike Steffens im Volksstimme-Gespräch, „aber wir wollen eine Diskussion anregen.“

Die Fraktion kann sich vorstellen, dass die Trauerhalle entweder am Rande des Friedhofs in der Nähe des Kreisels errichtet werden kann oder auch auf dem jetzigen Grünschnittplatz, also an der Farsleber Straße. Mit dem dritten Vorschlag wagt sich die KWG-WWP-FDP-FUWG-Fraktion aus dem Friedhofsgelände heraus und zieht eine Trauerhalle auf einem Teilstück des „Stadions des Friedens“ in Betracht.

Die neue Trauerhalle soll etwa 100 bis 150 Sitzplätze vorhalten, über einen barrierefreien Zugang und eine Behindertentoilette verfügen.

Stadtverwaltung erarbeitet Konzept

Die Verwaltung hat diesen Vorschlag zur Kenntnis genommen, möchte aber mit der Variantenprüfung noch warten. „Wir sind gerade dabei, eine neue Friedhofskonzeption zu erarbeiten“, sagt Bürgermeisterin Marlies Cassuhn (parteilos). Die soll zum Jahresende vorliegen und in einer der nächsten Beratungsfolgen den Stadträten vorgestellt werden. Erst in diesem Zuge sollen diese drei Varianten noch einmal ins Spiel kommen.

Der Wolmirstedter Friedhof gehört der evangelischen Kirche und ist als öffentlicher Friedhof gewidmet. Baut die Stadt eine neue Trauerhalle, würde sie auf fremdem Gelände investieren. Das Dilemma kennt auch die KWG-WWP-FDP-FUWG-Fraktion und schlägt deshalb vor, mit der Kirche zu klären, ob ein Teilstück des Friedhofs an die Stadt verkauft werden kann.

Bürgermeisterin Marlies Cassuhn wartet mit Zahlen auf. „In den vergangenen beiden Jahren wurde die Trauerhalle nur für 65 Prozent aller Beerdigungen genutzt, das heißt, es gab darin pro Jahr 61 Trauerfeiern.“ Wie oft die Trauerhalle für die Gäste nicht ausreichte, ist nicht bekannt.“

Die neue Friedhofskonzeption ist vor allem aus einem Grund nötig: Die Bestattungskultur hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Statt Erdbestattungen werden Urnengräber oder anonyme Bestattungen bevorzugt. Diese Bestattungen erfordern weniger Friedhofsfläche. Die große Frage lautet nun: Wie wird der Friedhof der Zukunft gestaltet?