Wolmirstedt l Die Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“ ist dem Bundespräsidenten nicht fremd. Er ist dem Schulleiter Helmut Thiel sowie einigen Schülerinnen und Schülern bereits in Berlin begegnet, auf einer Bühne im Deutschen Historischen Museum. Da war die Gutenberg-Schule gerade Sieger im Bundeswettbewerb „Starke Schule“ geworden und Frank-Walter Steinmeier gehörte zu den ersten Gratulanten. „Auf der Bühne hat er uns versprochen, dass er die Gutenberg-Schule besuchen wird“, sagt Helmut Thiel, „nun freue ich mich außerordentlich.“ Auch darüber, dass Politiker tatsächlich ihr Wort halten.

Der Mensch Frank-Walter Steinmeier war ihm sofort sympathisch, die Chemie hatte gestimmt. „Ich hatte das Gefühl, dass ich den Bundespräsidenten schon länger kenne“, hatte Thiel nach der Berlinreise festgestellt. „Er fragt sehr offen und geht auf Menschen zu.“ Nun freut sich Thiel darauf, diese Verbindung, die auf der Berliner Bühne zu spüren war, wieder aufzunehmen.

Ein Käffchen gibt es aber

Frank-Walter Steinmeier sowie Ministerpräsident Reiner Haseloff werden mit ihren Frauen Elke Büdenbender und Gabriele Haseloff zur Mittagszeit in der Gutenberg-Schule erwartet. Wer glaubt, jetzt werde ein Catering-Service beauftragt, Schnittchen und Häppchen zu kredenzen, der irrt. Die Gäste werden an der Schulspeisung teilnehmen. Ein Gedanke, mit dem sich Helmut Thiel erst anfreunden musste. „Wir wollten eigentlich kochen.“

Diese Idee ist gar nicht weit hergeholt. Unter den berufsorientierenden Werkstätten der Schule gibt es eine, die sich mit dem Hotel- und Gaststättenwesen befasst und mit der Küche von Auerbachs Mühle kooperiert. Frank-Walter Steinmeier wollte jedoch nicht gesondert bekocht werden. Thiel ist beeindruckt: „Der Bundespräsident möchte sich an der Essenausgabe anstellen.“ Herausgehandelt haben die „Gutenbergs“ lediglich, dass sie einen Kaffee servieren dürfen. „Das ist uns im Sinne der Gastfreundschaft ein Bedürfnis.“

An den Tischgruppen werden jeweils auch Schüler und Elternvertreter Platz nehmen, sodass sich Gespräche entwickeln können. „Vor dem Kaffee werden die Tischpartner wechseln“, verrät Helmut Thiel. So werde ein reger Austausch ermöglicht.

Digitalisierung wird Thema sein

Während des Besuchs des Bundespräsidenten wird der normale Schulbetrieb laufen. Dennoch werden mehr Menschen auf den Schulfluren und dem Pausenhof anwesend sein, denn der Besuch wird von Sicherheitskräften begleitet.

Lauri Stieler ist Schülersprecher der Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“. Auch er hat den Bundespräsidenten bereits in Berlin gesehen. Jetzt wird der 13-Jährige mit ihm am Tisch Platz nehmen und die Gäste beim Rundgang begleiten. Lauri rechnet nicht wirklich damit, dass er in der Nacht zuvor ruhig schlafen kann. „Es ist unbeschreiblich“, sagt er und knetet vor Aufregung seine Hände, „es wird wohl nie wieder passieren, dass ich einem Bundespräsidenten gegenüber sitze.“

Der Achtklässler hat sich jedoch schon überlegt, worüber er mit Frank-Walter Steinmeier sprechen möchte. „Ich möchte gerne wissen, wie seine Meinung zur Digitalisierung in den Schulen ist.“ Seine Klasse nutzt Smartphone und Tablet im Unterricht, für die Internetrecherche oder um eine Präsentation zu erstellen. Lauri Stieler stellt klar: „Dafür brauchen wir schnelleres Internet.“

Rundgang in den Werkstätten

Welche Rolle digitale Medien im Unterricht spielen, können Steinmeier, Haseloff und die anderen Gäste in einer fünften Klasse beobachten, die als Pilotklasse nach einem neuen Medienkonzept lernt. Weiterhin werden sie eine siebte Klasse erleben, die zusammen mit Experten ein Raumkonzept erarbeitet hat, das sich dem digitalen Lernen anpasst. Anschließend führt der Rundgang in die berufsorientierenden Werkstätten, in denen sich Schüler mit Robotik, Bionic oder Mechanik beschäftigen.

Manche Schüler werden dafür ein wenig länger bleiben, aber sie wollen den Gästen zeigen, wie in diesen Werkstätten gearbeitet wird. Die Jungs und Mädchen der Schülerfirma haben sogar eine Überraschung vorbereitet, ein Geschenk für die Gäste. Helmut Thiel will nichts verraten, nur so viel: „Beim letzten Arbeitsschritt werden sie zuschauen.“