Wolmirstedt l Dass es eng wird in der Gutenberg-Schule, ist bekannt. Seit vier Jahren wird jongliert, wie das Problem behoben werden kann. Schultausch mit der Harnisch-Schule, die Campusvariante mit Neubauten an der Gutenberg-Schule oder eine dauerhafte Außenstelle in der ehemaligen Harnisch-Schule zu errichten - alles wurde zigmal auf den Tisch gelegt, verworfen, wieder diskutiert. Die aktuelle Lieblingsvariante ist der Schultausch. Doch vor diesen Tausch haben die Betriebswirtschaftler große Hürden gesetzt. Ein Wertausgleich scheint kompliziert zu sein. Schulleiter und Eltern sind massiv genervt.

Schulleiter Helmut Thiel trat am Mittwoch im Kultur- und Sozialausschuss ans Mikrofon und machte - wieder einmal - seinem Herzen Luft: „Seit vier Jahren diskutieren wir, haben uns längst im Gestrüpp der Bürokratie verloren. Ich erwarte, dass wir lösungsorientiert arbeiten.“

Diskussion läuft seit vier Jahren

Lösungsorientiert arbeiten: Mittlerweile sind die Verwaltungsspitzen von Stadt und Landkreis sogar gut dabei. Die stellvertretende Landrätin Iris Herzig, die stellvertretende Bürgermeisterin Marlies Cassuhn sowie die Kreis- und Stadtfinanzer gehören zu einer Arbeitsgruppe, die sich mit der Schulzukunft beschäftigt. Der Schultausch gilt derzeit als beste Variante. Doch die Bürokratie hat ihre Tücken, die Stadt muss darauf achten, dabei nicht den finanziellen schwarzen Peter zu bekommen. Bisher sah es ziemlich danach aus, dabei hat sie gar kein Platzproblem. Eng wird es eher für die Gemeinschaftsschule und die gehört zum Landkreis.

Bilder

Aber: Das Haus der Gutenberg-Schule gehört der Stadt, der Landkreis ist mit der Gemeinschaftsschule quasi Gast in diesem Haus. Die Stadt als Hausherrin ist gleichzeitig Trägerin der Grundschule.

Die fordert ebenfalls mehr Platz. Individuelle Lernmethoden, Sprachkurse der Migrantenkinder, Inklusion und andere Besonderheiten erfordern manchmal Extraräume, erklärt Grundschulleiterin Doreen Haensch.

Wertausgleich ist kompliziert

Kann die Stadt also die Gemeinschaftsschule vor die Tür setzen, damit sich die Grundschule ausbreiten kann? Nein, diese Option sieht niemand, weder Stadt noch Landkreis. „Es geht um unsere Kinder“, betont Wolmirstedts stellvertretende Bürgermeisterin Marlies Cassuhn. Auch die stellvertretende Landrätin Iris Herzig sieht die Zukunft der Gemeinschaftsschule allein im Gutenberg-Schulhaus sicher. Schon wegen der berufsorientierenden Werkstätten, die der Landkreis dort angebaut hat. Auch wegen dieser Werkstätten sind Stadt und Landkreis geradezu dazu verdammt, an einem Strang zu ziehen.

Die Lösung scheint ganz einfach und ganz nah. Der Landkreis übernimmt das Haus der Gutenberg-Schule und gibt der Stadt dafür seine Harnisch-Schule. Dort können sich die Grundschüler auf lange Sicht einrichten. Die Gutenberg-Schule ist rund 4,9 Millionen Euro wert und damit wertvoller als die Harnisch-Schule mit ihren rund 2,7 Millionen Euro.

Die Stadt gibt also das bessere Gebäude her und bekommt das schlechtere. Sie müsste also vom Landkreis einen Wertausgleich von etwa 2,2 Millionen Euro bekommen. Klingt, als könne die Stadt mit diesem Ausgleichsgeld die nicht mehr ganz so hübsche Harnisch-Schule aufhübschen. Doch da beginnt, was Helmut Thiel mit bürokratischem Gestrüpp beschreibt.

Eltern erzürnt

Zum einen müssen Fördermittel herausgerechnet werden, andererseits würde das Geld in den Ergebnishaushalt fließen und aus diesem darf nach den Regeln der doppischen Haushaltsführung nicht investiert werden. Weil es kein Investitionshaushalt ist.

Solche Buchhalterzwänge machten Eltern kirre. „Wir fühlen uns verschaukelt“, sagt Andrea Schwerdtfeger, Elternratsvorsitzende der Grundschule „Johannes Gutenberg“. Katrin Flügel, Elternratsvorsitzende der Gemeinschaftsschule, fühlte sich nach mehreren Besuchen in den Ausschüssen des Stadtrates auch von der Politik enttäuscht. „Es wurde nicht geschaut, was man machen kann, sondern nur gesagt, warum es nicht geht.“

In der Tat haben auch am Mittwochabend mehrere Ausschussmitglieder guten Willen gezeigt, doch die Zwänge in den Vordergrund gestellt und zudem den Landkreis zum Buhmann erklärt. „Wir kriegen vom Landkreis kein Entgegenkommen“, sagte Thomas Spelsberg (Linke).

Zeit wird knapp

Mit solchen Sätzen gab sich Gemeinschaftsschulleiter Helmut Thiel nicht zufrieden. Er forderte: „Die Politik muss Druck ausüben.“ Eigentlich ergibt sich der Druck schon aus der Wirklichkeit. Der Landkreis ist außer steigenden Schülerzahlen auch aus anderem Grund im Zugzwang. Die Harnisch-Schule darf nur bis 2019 als Außenstelle genutzt werden, mehr versagt das Landesschulamt.

Derzeit lernen dort die fünften bis siebten Klassen Gutenbergs. Außerdem wächst die Gymnasialstufe heran. Um trotzdem alle Schüler zu beschulen, sollen vorerst für drei Jahre lang mobile Raumsysteme, Container, auf dem Gelände der Gutenberg-Schule aufgestellt werden. Die kosten etwa 600.000 Euro.