Klein Ammensleben l Einen Tag nach der offiziellen und feierlichen Freigabe der ersten Anschlüsse in Klein Ammensleben herrscht schon am Morgen rege Betriebsamkeit bei Burkhard Schimka. Zu Besuch ist der Bauleiter von Netzbetreiber DNS:Net, Tom Kral. Er richtet dem ersten echten Teilnehmer den Computer für das Breitbandnetz ein. Das ist zunächst einmal nicht ganz so einfach. Das Empfangsgerät von Schimka und die Box, in der das Giganetz ankommt, mögen sich nicht so richtig.

Tom Kral muss daher erst einmal seine Kollegen anrufen. An der Box selber leuchten zwei grüne Lämpchen – die Verbindung ist also da. Nachdem die Software per Fernwartung noch einmal erneuert wurde, soll es endlich losgehen. Aber es tut sich nichts. Tom Kral erfährt, dass es eine Störung irgendwo in Brandenburg gibt. Ein Techniker ist schon unterwegs, um sich die „Switch“ – eine Weiche – aus der Nähe anzusehen. „Das Signal kommt aus Berlin“, erklärt der Fachmann. Für die Störung können er und der Netzbetreiber nichts. So etwas passiert. Es ist aber gut, dass es jetzt passiert, wo der erste Anschluss in der Niederen Börde in Betrieb benommen werden soll. Damit muss Burkhard Schimka leben – er ist die Testperson Nummer eins, wie er schmunzelnd anmerkt.

„Das sind Startschwierigkeiten“, sagt er. „Ich habe damit gerechnet, dass nicht alles ganz glatt läuft.“ Ihm macht das nichts aus und sein Gast bekommt auch einen Kaffee gereicht. Schimka hat Geduld, und das schon seit gut einem Jahr. Er hatte seinem seinerzeitigen Anbieter frühzeitig gekündigt und ist schon lange vom Netz. Da kommt es auf ein paar Stunden nicht an. Da sich die Inbetriebnahme und Freischaltung des kommunalen Netzes verzögert hat, ist der Klein Ammensleber immer wieder nach Groß Ammensleben gepilgert und hat an der dortigen Solarbank an der Bushaltestelle seine E-Mails abgerufen. Zu Hause ist das wegen des schlechten Handyempfangs nicht gut möglich.

Techniker stellt die Weiche zum Erfolg

Einen geeigneten Übergangsvertrag hat er von seinem alten Anbieter nicht bekommen. Da musste es eben so gehen. Das hat nun den Vorteil, dass Burkhard Schimka sofort lossurfen kann – so es die Umstände zulassen. Und die lassen es erst nach dem Einsatz des Technikers in Brandenburg zu. Das Signal kommt endlich an. Es ist Nachmittag geworden, aber der große Moment ist da. Burkhard Schimka kann zu ersten Mal online gehen.

Der TV-Empfang muss noch konfiguriert werden, aber das hat etwas Zeit. Wichtig ist das schnelle Internet, und das macht seinem Namen alle Ehre. Das beweist der Volksstimme-Test. Burkhard Schimka stellt dafür seinen Rechner zur Verfügung.

Die Internetseiten öffnen sich blitzschnell und das Herunterladen von Dateien ist Sekundensache. Der Härtetest mit der Youtube-Seite ist keiner für das Giganetz. Ein Musikvideo läuft sofort an, es gibt keine Ruckler und das Klicken auf weitere Sequenzen sorgt für keine merklichen Unterbrechungen.

Burkhard Schimka sieht hier eine echte Verbesserung. „Vorher musste man das Video erst stoppen, damit die Daten geladen werden konnten und oft brach es dann einfach ab“, berichtet er. „Deutlich zu merken wird der Unterschied sicher erst beim Herunterladen von größeren Dateien sein.“

Ergebnis sofort überprüft

Das wird natürlich sofort überprüft, denn im Internet gibt es viele kostenlose Geschwindigkeitstester, wie zum Beispiel das Speedmeter. Das misst die tatsächlich anliegende Leistung. Genau das passiert im Volksstimme-Test. Der bringt zunächst ein unerwartetes Ergebnis. Zu dem Zeitpunkt liegen 159,9 Megabit für den Download an und 48,6 für den Upload an. Das ist enttäuschend wenig.

Aber die drei nachfolgenden Tests mit unterschiedlichen Geschwindigkeitstestern zeigen ganz andere Werte. So sind im Downloadbereich 555,6 Megabit verfügbar, die zweite Zahl bleibt generell stabil. Jetzt ist Burkhard Schimka beruhigt, nachdem er an Anfang etwas gestutzt hat. Die kommunale Leitung liefert also genau das, was der Betreiber versprochen hat. Der Klein Ammensleber hat übrigens einen ganz besonderen Bezug zu dem Breitbandnetz. Burkhard Schimka hat als Bauamtsleiter in der Gemeinde Niedere Börde dieses mit auf den Weg gebracht.

Modernes Netz kommt gut an

Nun kann er sich persönlich und als Erster davon überzeugen, was er am Ende in seinem Ort bewirkt hat. „Ich erinnere mich noch ganz genau an die Markt­erkundung, die Gespräche mit den verschiedenen Anbieter und die Gründung der Arge Breitband im Landkreis Börde“, erzählt er. Viele Unternehmen hätten sich seinerzeit die Filetstückchen herauspicken wollen. Den Ausbau auf dem flachen Land wollte niemand machen. Daher sei das kommunale Netz eine gute Lösung und die Gemeinde werde auf diesem Gebiet zum Unternehmer. „Man muss auch sehen, dass die zur Verfügung gestellten acht Millionen Euro Fördermittel noch nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten“, fügt er hinzu. Genau das hatte Gemeinde-Bürgermeister Stefan Müller bei seiner Rede zur offiziellen Freigabe schon angedeutet. So hat die Gemeinde jetzt schon über 13 Millionen Euro investiert.

Profitieren können in Klein Ammensleben zunächst etwa 30 Teilnehmer in einem Abschnitt der Langen Straße und der Mühlenhofstraße, wenn ihre Verträge bei anderen Anbietern auslaufen.

„Diese können die notwendigen Schritte dann per Anleitung selber vornehmen“, versichert Tom Kral. „Eventuelle Probleme haben wir jetzt beim ersten Anschluss gelöst. Natürlich kommen auf Anfrage unsere Techniker vorbei.“