Barleben l Ratsbeschlüsse sind die eine Seite, die Umsetzung ist eine andere – das betrifft ganz besonders den Breitbandausbau in der Gemeinde Barleben. Das weiß Bürgermeister Frank Nase ganz genau. Er hat das Thema zur Chefsache erklärt und dafür sogar seinen Urlaub verkürzt oder gar ausfallen lassen.

„Es gilt, alle Konstellationen zu berücksichtigen“, sagt er im Gespräch mit der Volksstimme. „Generell haben wir eine gute Ausgangssituation, denn bei uns sind allein elf Telekommunikations-Unternehmen tätig. Allerdings gibt es da auch enormen Abstimmungsbedarf.“ So gelte es, ein Überbauen von bestehenden Anlagen und Leitungen zu vermeiden, wobei es jedoch möglich ist, Verbindungen zu künftigen Versorgungsfeldern herzustellen. Ins Boot müssen dabei alle vertretenen Firmen auf dem Gebiet genommen werden, ohne jemanden zu benachteiligen.

„Das nimmt Zeit in Anspruch und daher kann schon einmal der Eindruck entstehen, es würde sich nichts tun“, sagt der Bürgermeister. „Aber genau das Gegenteil ist der Fall.“ Schon wenig später führt Nase wieder Gespräche mit einem Anbieter. Grundsätzlich sei es der Anspruch, möglichst viele Bewohner mit einem Glasfaseranschluss direkt ins Haus zu versorgen. Das sei in den einzelnen Ortschaften durchaus zu erreichen. „Es wird aber auch Gebiete geben, da wird das nicht möglich sein“, gibt Nase freimütig zu. „Dennoch ist es das Ziel, hier einen möglichst hohen Datenfluss zu gewährleisten.“

5-G-Standard auch für privat

Von Vorteil ist hier, dass der neue 5-G-Standard auch für privat angeboten werden könne. Wo das noch nicht möglich ist, werde man erst einmal auf das sogenannte Vectoring zurückgreifen müssen, welches auch schon eine Standard-Steigerung darstelle. „In der Arbeitsgemeinschaft Breitband Barleben haben wir uns vier Varianten von einem Planungsbüro angehört, aber zusätzlich noch eine eigene fünfte Variante aufgestellt“, erzählt das Gemeindeoberhaupt. „Die Letztere würde sogar noch enorme Einsparungen mit sich bringen.“

Nase ist zuversichtlich, dass der Gemeinderat dafür zu begeistern ist. So könnte eine Verteilerstation (POP/Point of Presence) in Barleben errichtet werden, zur Versorgung bisheriger weißer Flecken auf der Karte. Die Schulen haben schon eine Glasfaserverbindung erhalten, die Ecole ist sogar mittlerweile am Netz (Volksstimme berichtete). Im Gewerbegebiet Lindenallee liegt Breitband an, hier können gut 100 Mbit/s erreicht werden. Der 5-G-Ausbau wird in Barleben gar 250 Mbit/s erreichen – auch für Privatanwender.

90 Unternehmen im TPO

Die etwa 90 im Technologiepark Ostfalen ansässigen Unternehmen können sich ab demnächst über den Ausbau des Glasfasernetzes der Telekom freuen, dazu kommen Angebote der Firma MDDSL und weiterer Unternehmen. Auch der 5-G-Bereich wird erschlossen. Dazu kommt hier noch ein Projekt für mittelständische Unternehmen in Sachen 5 G. Dabei geht es um die innere Erschließung der Gebäude. Die Antragsfrist zur Teilnahme am Testfeld ist bis zum 31. August verlängert worden.

Für Ebendorf besteht inzwischen eine gute Versorgungssituation, die privatrechtlich erfolgte. Hier sind wiederum gleich mehrere Unternehmen tätig. In Kürze gibt es aber weitere Bauarbeiten. Auch dabei werden weiße Flecken auf der Karte ausradiert.

In Meitzendorf ist das Gewerbegebiet in Sachen Breitband erschlossen. Der Gemeinderat hat beschlossen, dass hier ein kommunales Netz aufgebaut werden soll. Dabei werde eine eventuelle Mitnutzung des bestehenden Avaconnetzes angestrebt. In Meitzendorf bieten mehrere Unternehmen ihre Dienstleistungen schon an. „Auch wenn hier nur eine bedingte Wirtschaftlichkeit bescheinigt wird, ist uns der weitere Ausbau wichtig“, sagt Frank Nase. „Wir haben in diesem Ortsteil die höchste Meldequote für den Breitbandausbau erreicht und schon daher sollen die Bürger entsprechend mit ins Boot genommen werden.“ Das geplante kommunale Netz werde hier als eine Chance gesehen. Wie es um die künftige 5-G-Versorgung in den beiden Ortsteilen bestellt ist, wird demnächst von der Verwaltung bekannt gegeben.

Die Erschließungsgebiete der Gemeinde in Barleben „Am Lütgen Feld“ und „Schinderwuhne“ werden von Beginn an mit Glasfaser versorgt. Zuletzt ist das im erstgenannten Bereich schon erfolgt. Generell sieht der Bürgermeister den verfügbaren Mix aus Glasfaser, Funk und Vectoring als einen gute Grundlage für das kostenoptimale Vorgehen. „Es wird ein Wechselspiel aus kommunal- oder staatlich gefördertem und privatwirtschaftlichen Ausbau geben“, formuliert er. „Dazu kommt die Mitnutzung von vorhandenen Leitungen. Das dient auch dem Schutz des Straßenbildes.“ Genutzt werden Leerrohrsysteme, verschiedenen Förderpogramme und die schnelle Funklösung.

All diese Möglichkeiten will der Bürgermeister aber noch einmal bei einem speziellen Bürgerforum in der Mittellandhalle verkünden. „Die Anbieter könnten dabei sich und ihre Leistungen vorstellen sowie die Bürger ihre Fragen stellen“, erklärt er. „Wir müssen uns darüber auch noch einmal im Rat abstimmen, denn die Gemeinderatsmitglieder sollten auf jeden Fall mit dabei sein. Wir tragen diesen wichtigen Ausbau schließlich alle gemeinsam.“